08.01.2020 | 13:57 Uhr | Update Nach Silvesterrandalen in Connewitz: Sechs Monate auf Bewährung

Der 27-jährige Angeklagte und sein Verteidiger Andreas Meschkat im Gerichtssaal
Der 27-jährige Angeklagte und sein Verteidiger Andreas Meschkat im Gerichtssaal Bildrechte: MDR/Silvio Bürger

Nach den jüngsten Silvesterausschreitungen im Leipziger Stadtteil Connewitz ist das erste Urteil gefallen. Ein 27-Jähriger wurde am Mittwoch vom Amtsgericht Leipzig zu sechs Monaten Haft auf Bewährung und 60 Arbeitsstunden verurteilt. Damit folgte das Gericht den Forderungen der Staatsanwaltschaft.

Tat unter alkoholisierter Enthemmung

Der Angeklagte legte zum Prozessauftakt ein Geständnis ab. Der 27-jährige Straßenkünstler zeigte sich reumütig. Er bezeichnete die Tat als große Dummheit und entschuldigte sich bei dem verletzten Beamten immer wieder. Er könne sich das nicht erklären. Der 27-Jährige hatte in der Silvesternacht am Connewitzer Kreuz einem sprintenden Polizeiobermeister ein Bein gestellt. Der Beamte stürzte und verletzte sich daraufhin leicht an Arm und Bein.

Eigenen Angaben zufolge hielt sich der Mann zum ersten Mal in der Silvesternacht in dem linksgeprägten Stadtteil auf. Der Vorsitzende Richter glaubte der Darstellung des 27-Jährigen, dass er sich nicht gegen Polizeipräsenz oder -gewalt habe wehren wollen, sondern unter alkoholisierter Enthemmung und aus Dummheit gehandelt habe. Nach der Tat wurde bei ihm ein Alkoholwert von etwa 0,7 Promille gemessen.

Beschleunigtes Verfahren

Zum Tatzeitpunkt gegen ein Uhr nachts war es wieder ruhiger am Connewitzer Kreuz. Auch sei der Angeklagte den Polizisten zuvor nicht aufgefallen. Daher sah das Gericht keinen Zusammenhang mit den Ausschreitungen in der Silvesternacht. Da die Sachlage klar war und kein hohes Strafmaß zu erwarten war, gab es ein beschleunigtes Verfahren, wie Verteidiger Andreas Meschkat MDR SACHSEN sagte. "Da mein Mandant nicht über einen festen Wohnsitz verfügte, ist ein Haftbefehl ergangen. Man kann aber einen Mann nicht monatelang in Haft lassen, wenn nicht zu erwarten ist, dass eine lange Freiheitsstrafe verhängt wird. Aus diesem Grunde wurde das beschleunigte Verfahren gewählt, da der Sachverhalt auch aufgeklärt war und leicht nachvollziehbar."

Eskalation kurz nach Mitternacht

Die Staatsanwaltschaft hatte gegen den 27-Jährigen ein beschleunigtes Verfahren wegen des Angriffs auf Vollstreckungsbeamte und Körperverletzung angestrengt. Der geschädigte Polizeiobermeister war im Einsatz, als nach Mitternacht am 1. Januar die Situation zwischen mutmaßlichen Linksextremisten und der Polizei eskalierte. Am Connewitzer Kreuz hatten sich nach Behördenangaben mehr als 1.000 Menschen versammelt. Aus der Menge heraus kam es zu Attacken auf Sicherheitsbeamte.

Mit dem Fall, in dem wegen versuchten Mordes an einem Polizisten bei den Silvesterrandalen 2019/20 in dem linksalternativen Leipziger Stadtteil ermittelt wird, hat der Angeklagte allerdings nichts zu tun. Diese Angreifer sind laut Polizei noch nicht bekannt. Gegen drei weitere Personen wurden Haftbefehle erlassen.

Beschleunigtes Verfahren Ein beschleunigtes Verfahren wird nur angewandt, wenn der Sachverhalt relativ einfach oder die Beweislage klar ist. Zudem ist die Strafe auf maximal ein Jahr Gefängnis beschränkt.

Quelle: MDR/stt/dk/lt/dpa/epd

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 08.01.2020 | ab 05:00 Uhr in den Nachrichten

Zuletzt aktualisiert: 08. Januar 2020, 13:57 Uhr

253 Kommentare

DER Beobachter vor 2 Wochen

Herrlich, Ekki, Sie haben gerade wieder exzellent Ihre Leseunfähigkeit bewiesen! Die Anita wünschte von Ihren Gesinnungsgefährten Belege für deren Behauptungen. Dass die so etwas nicht liefern können, wenigstens damit haben Sie wohl recht... ;) ;) ;)

Anita L. vor 2 Wochen

Wieso ist da nichts dabei? Der Mann wurde rechtskräftig verurteilt. Wie weiter unten bereits gesagt wurde, ist eine zur Bewährung ausgesetzte Strafe nicht zu unterschätzen. Sie steht immerhin eine ganze Weile im Bundeszentralregister. Da es keinen größeren Schaden gab, der Mann offensichtlich einsichtig ist, sich sogar entschuldigt hat und vorher noch nie auffällig war, ist das Urteil meines Erachtens gerechtfertigt.

Auf der Sonnenseite des Lebens vor 2 Wochen

Bei einem Angriff auf einen Polizisten würde es bei mir immer die Höchststrafe geben und auch keine mildernden Umstände.

Das muss in den Köpfen von RRG ganz klar sein!

Das Urteil finde ich als Freibrief weiter zu machen und wie man sieht, hat man auch eine ganze Menge von RRG hinter sich. Auch das wird nicht gerade abschrecken!!!

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