Ein Schaufelradbagger SRs 2000 der MIBRAG steht bei frostigen Temperaturen im Tagebau Vereinigtes Schleenhain bei Pödelwitz (Sachsen) vor den Kühltürmen des Kraftwerks Lippendorf.
Bildrechte: dpa

07.08.2019 | 12:09 Uhr Nach Baggerbesetzung: Staatsanwaltschaft beantragt Haftbefehle

Ein Schaufelradbagger SRs 2000 der MIBRAG steht bei frostigen Temperaturen im Tagebau Vereinigtes Schleenhain bei Pödelwitz (Sachsen) vor den Kühltürmen des Kraftwerks Lippendorf.
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Nach der Besetzung eines Baggers im Braunkohletagebau Vereinigtes Schleenhain bei Leipzig hat die Staatsanwaltschaft Leipzig Haftbefehl gegen zwei Personen beim zuständigen Amtsgericht beantragt. Wie die Strafverfolgungsbehörde am Mittwoch mitteilte, wird den beiden Hausfriedensbruch vorgeworfen. Laut Staatsanwaltschaft sollte noch im Laufe des Tages entschieden werden, ob die zwei Personen in Untersuchungshaft kommen.

Die Tatverdächtigen gehören zu einer Gruppe von insgesamt zehn Personen, die am Dienstag von der Polizei vorläufig festgenommen worden waren. Acht der Kohlegegner sind laut Staatsanwaltschaft nach der Feststellung ihrer Identitäten und zum Teil wegen ihres jugendlichen Alters wieder auf freien Fuß gesetzt worden.

Braunkohlegegner demonstrieren vor Ort

Am Dienstagmorgen hatten mehrere Personen im Tagebau Vereinigtes Schleenhain einen Bagger besetzt. Damit protestierten sie für einen sofortigen Kohleausstieg und eine damit verbundene Energiewende. Außerdem fordern sie den Erhalt des nahe gelegenen, 700 Jahre alten Dorfes Pödelwitz im Landkreis Leipzig, das für den Kohleabbau abgerissen werden soll. Dort findet derzeit ein Klimacamp von Kritikern des Braunkohleabbaus statt.

Eine Regierungskommission hat einen kompletten Ausstieg Deutschlands aus der klimaschädlichen Kohleverstromung bis 2038 vorgeschlagen. Im Osten sind davon das Mitteldeutsche Revier, zu dem Schleenhain gehört, und die Lausitz betroffen. Es gibt immer wieder auch Forderungen nach einem früheren Ausstieg sowie nach dem Erhalt der noch von Tagebauen bedrohten Dörfer.

Quelle: MDR/dpa/ms

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 07.08.2019 | 13:00 Uhr in den Nachrichten

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30 Kommentare

09.08.2019 10:03 Bernd 30

@27 welche hoeheren Werte sehen sie wenn aggressive jugendliche in einen Betrieb einbrechen die Arbeitsmittel besetzen und die Arbeiter daran hindern ihre Arbeit zu tun? Es gibt Plaene wann der Kohleabbau endet. Das ist mit der Politik abgestimmt also mit den gewaehlten Vertretern des Volkes. Wer hier Betriebe besetzt oder es duldet hat mit Demokratie demzufolge nichts am Hut.

09.08.2019 06:38 Freiheit 29

Unsere Medienschaffenden haben es geschafft, dem Wort "Aktivist" einen negativen Kontext zu verleihen, da diese Aktivisten in Berichten immer im Zusammenhang von mit Straftaten und/oder Störungen des öffentlichen Lebens auftauchen.

Aber gut so, da weiß jeder von was gesprochen wird, wenn das Wort Aktivist im Text benutzt wird.

08.08.2019 16:48 Sachse43 28

Ist denn nun einer der Wirrköpfe noch in Gewahrsam?

08.08.2019 15:55 Eulenspiegel 27

Also so wie ich das verstehe:
Es muss noch geklärt werden in wie weit es sich da um Hausfriedensbruch handelt. Und wenn es sich tatsächlich um Hausfriedensbruch handelt muss geklärt werden in wie weit es höhere Werte gibt die eine Hausfriedensbruch legitimieren und in wie fern dies hier zutrifft.
Ich weiß die Profitmaximierern und dessen Anhänger würden diese Aktivisten an liebsten am nächsten Baum aufhängen. Aber das lässt Gott sei Dank unsere Rechtsordnung nicht zu.

08.08.2019 11:50 ralf meier 26

@Historiker Nr 20: Sie schreiben:Heute versuchen manche den Begriff Aktivist als etwas negatives umzudeuten, in dem sie zu ausschließlich Kriminellen gemacht werden. Neudeutsch "Framing".

Wie man auch Ihrem Beispiel entnehmen kann, besteht das Framing wohl eher darin, Kriminelle Aktivisten zu nennen.

08.08.2019 09:24 Bernd 25

@19 wer gegen Gesetze verstosst ist weder ein Held noch ein wunderbarer Mensch. Die Kunst ist Protest im Rahmen des erlaubten. Und fuer ein Dorf zu demonstrieren wo 90% der betroffenen weggezogen sind ...

08.08.2019 08:32 Kein Verständnis 24

@ Tim
Ich weiß ja nicht was du für eine Helden-Ideologie verfolgst, aber für mich sind 13-Jährige Kinder die von irgendwelchen Pseudo-Klimaaktivisten auf einen Bagger geschickt werden um dort u.a. für die Mitarbeiter teils lebensgefährliche Manipulationen vorzunehmen definitiv keine Helden!
Sich vermummt und ohne Ausweise wiederrechtlich Zutritt zu fremden Grundstücken und Eigentum zu verschaffen ist kriminell und gehört definitiv bestraft.
Aus meiner Sicht sollten deine Helden für den ganzen Polizeieinsatz persönlich zahlen, damit Sie mal lernen was es heißt fremdes Privateigentum zu respektieren und fremde Menschenleben nicht zu gefährden.
Deine Klimahelden sind im Übrigen auch die Ersten Aktivisten, wenn es darum geht gegen Stromtrassen zu demonstrieren, die ja die auch so tolle grüne Energie von Nord nach Süd bringen sollen.
Vielleicht solltest du mal das Wort "Populisten" googeln, dann hast du wahrscheinlich eine bessere Beschreibung für deine "Helden".

08.08.2019 08:11 Bernd 23

@20 habe gelesen dass 90 % umziehen wollten (oder schon umgezogen sind). Es gab aber einen der nen Bauernhof ausgebaut hat und den Protest organisiert hat. Wie gesagt habe auch nichts gegen Protest abewr die Besetzung eines Baggers ist eine andere Hausnummer weil man da Menschen die dort arbeiten wollen/muessen noetigt.

08.08.2019 07:46 Klaus 22

@Historiker
Der Sprecher von pro Pödelwitz - Herr H. - ist erst vor wenigen Jahren nach Pödelwitz gezogen, da seine Frau von dort ist. Aufgewachsen und den Großteil seines Lebens hat er dort nicht verbracht.
Es gibt glaube ich nur noch eine, oder auch zwei Familien die über Generation hinweg in dem Dorf leben, aber da bin ich mir nicht sicher.

08.08.2019 01:03 Spottdrossel 21

Wie kann man nur gegen den Kohleabbau für den Betrieb von Leipzigs Wolkenfabrik demonstrieren. Was wär die Stadt ohne ihre weisse Wolke?

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