Natur und Pflanzen haben den ehemaligen Steinbruch Holzberg vereinnahmt.
Bildrechte: MDR/Barbara Brähler

07.08.2019 | 17:46 Uhr Biotop am Holzberg in Gefahr: Wird in Böhlitz illegal Wasser abgepumpt?

Südwestlich des Thallwitzer Ortsteils Böhlitz liegt ein Steinbruch seit vielen Jahren brach. Inzwischen haben sich Tiere, Pflanzen und Klettersportler in der Idylle eingerichtet. Ein regionales Bauunternehmen möchte hier aber künftig Bauabfälle entsorgen. Dagegen wehrt sich eine Bürgerinitiative und wirft dem Unternehmen vor, illegal Wasser abzupumpen.

Natur und Pflanzen haben den ehemaligen Steinbruch Holzberg vereinnahmt.
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Flachwasserzonen, Trocken- und Geröllgebiete prägen die Landschaft im und am ehemaligen Steinbruch am Holzberg. Im Laufe der Zeit haben sich hier über 256 Pflanzen- und Tierarten angesiedelt. Auch bedrohte Arten wie die Mopsfledermaus, Mehlschwalbe oder Knoblauchkröte. Hinzu kommen an den Wochenenden zahlreiche Kletterer, die die Felswände im nördlichen Bereich des etwa zehn Hektar großen Geländes für ihren Sport nutzen.

Vor zwei Jahren wurde das komplette Gelände bei Thallwitz von der Baufirma Kafril gekauft, inklusive Bergrecht. Seitdem plant das Bauunternehmen, den alten Steinbruch mit Bauschutt auf eine Höhe von bis zu 30 Metern zu verfüllen. Eine apokalyptische Vorstellung für Gunter Winkler, Sprecher der Bürgerinitiative Böhlitz, die seit Jahren um den Erhalt des alten Steinbruchs kämpft.

Bergrecht oder Naturschutz?

Seit der Stilllegung hat sich hier ein einzigartiges Biotop entwickelt, erklärt Winkler: "Da gibt es einen Artenreichtum, also 47 Vogelarten, zehn Fledermausarten, fünf Amphibienarten, fünf Reptilienarten sowie über 20 Tagfalterarten. Der Holzberg ist einer der artenreichsten Hotspots in der gesamten Leiziger Region." Zu diesem Schluss kommt auch ein Gutachten, welches in diesem Jahr die vorhandene Tierwelt untersucht hat.

Das Biotop unterliegt für Winkler deshalb auch dem Bundesnaturschutzgesetz. Eine Entnahme, Zerstörung oder Beschädigung von besonders geschützten Arten und ihrer Brutstätten sei demzufolge verboten. Doch die Bürgerinitiative sieht Amphibien und Co. bedroht. Ihr Vorwurf: Durch den Grundstückseigentümer werde seit Monaten Wasser aus dem Steinbruch abgepumpt. Beweisen sollen das Filmaufnahmen, die die Bürgerinitiative erst kürzlich angefertigt hat.


Winkler und seine Mitstreiter vermuten, dass hier vollendete Tatsachen geschaffen werden sollen. "Man versucht natürlich jetzt auf kaltem Wege, das Biotop zu zerstören und dann ist zu sagen: Es ist ja gar nichts mehr da", meint Winkler.

Naturschutzbehörde konnte keine Wasserentnahme feststellen

Dass es sich hier um ein Biotop handelt, das hat auch die Untere Naturschutzbehörde inzwischen festgestellt. Dass kontinuierlich Wasser entnommen wird, wie von der Initiative behauptet, kann Lutz Bergmann, Leiter der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises Leipzig, nicht bestätigen. "Wir haben mehrere Kontrollen durchgeführt und auch bei der heutigen unangekündigten Kontrolle war die Pumpe außer Betrieb."

Trotzdem fehlt etwas im Biotop. "Der Wasserstand ist gesunken, nachweisbar", erklärt Bergmann. "Er ist um etwa 20 Zentimeter gefallen." Das erklärt sich die Behörde dadurch, dass wegen der Trockenheit kein Wasser von außen zuläuft.

Die Firma Kafril wollte sich gegenüber MDR SACHSEN zum Sachverhalt nicht äußern. Ende August soll es ein Treffen geben zwischen Behörden, Bürgerinitiative und Umweltverbänden. Der Ausgang - offen.

Quelle: MDR/bb/cg

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 07.08.2019 | 18:00 Uhr in den Nachrichten

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12 Kommentare

10.08.2019 19:52 goffman 12

@ Pattel 10: Anders als im Stabü Unterricht muss ich Quatsch und und nachweisbar falsche Aussagen nicht unkommentiert stehen lassen.

In der BRD darf jeder seine Meinung äußern, solange sie nicht die Grundrechte Dritter tangiert. Selbstverständlich gehört dazu nicht die Pflicht diese Meinungen unkommentiert stehen zu lassen. Eine Demokratie lebt vom Diskurs.

08.08.2019 17:22 Caro 11

@Klaus Pfister

Wie sollen die Tiere sich wieder Einsiedeln wenn es zugeschüttet werden würde. Würden da einige ums Leben kommen. So ein wunderschönes Biotop wie dieses muss geschützt werden.

08.08.2019 14:28 Pattel 10

Komme mir hier vor wie im Stabü Unterricht.
Nur keine andere Meinung gelten lassen.
Wenn dasso weiter geht gibt es bald Kämpfe ums Wasser.

08.08.2019 11:54 Leser13 9

Und wieder wird die Landschaft mit Schutt und Müll zugekippt. Bauschutt sind nicht nur Ziegel- und Betonreste. Bauschutt enthält ist praktisch alles, was beim Bau anfällt, vom Plastik-Abwasserrohr bis zum Polystyroldämmresten.

Wenn dort kein Wasser abgepumpt werden darf, warum ist dann eine Pumpe betriebsbereit installiert?

08.08.2019 08:10 Toni Meier 8

@Klaus Pfister
Wenn alle so eine so extrem gleichgültige Einstellung des Wegschauens, was Privatunternehmen mit unserer aller Natur anstellen, so an den Tag legen, wie Sie, hätten wir sehr bald gar keine Lebensräume mehr. Nicht nur für die 256 genannten Arten nicht, sondern auch nicht mehr für uns Menschen. Wäre Ihnen z.B. eine rauchende Chemiefabrik direkt vor Ihrem Haus, in dem Sie wohnen, auch egal, nur weil der Grund und Boden privat ist?

08.08.2019 01:03 goffman 7

@ Klaus Pfister 2: Eigentum verpflichtet. Das ist genau wie mit dem Denkmalschutz. Sie können freilich ein Haus, das unter Denkmalschutz steht erwerben. Sie dürfen es nutzen, darin leben, aber Sie dürfen es nicht abreißen. So auch hier: das Unternehmen hat Land erworben, muss aber selbstverständlich trotzdem im Sinne des Allgemeinwohls handeln. Und wenn da Arten leben, die unter Naturschutz stehen, dann muss dieser Lebensraum, dieses Biotop erhalten werden. Sie dürfen den Maulwurf im Garten nicht töten. Es ist ein Irrglaube, man könne auf "seinem Grund und Boden tun und lassen was man wolle".

07.08.2019 23:47 Felix 6

@2: Nein, das ist leider ein großer Irrtum. Nur, weil einem was gehört, darf man noch lange nicht damit machen, was man will. Auch auf Privatgelände müssen Gesetze eingehalten werden. Man darf z.B. nur mit Genehmigung bauen und der Naturschutz muss gewährleistet sein. Und auch wenn eine Baugenehmigung vorliegt, beinhaltet diese meist Ausgleichsmaßnahmen für versiegelte Flächen etc.

07.08.2019 21:51 Christian Krönert 5

Selbstverständlich ist das Argument, es handele sich um Privateigentum, schlichter Unsinn. Naturschutzrecht gilt auch auf Privateigentum und wenn durch das Abpumpen streng geschützte Arten gefährdet werden, ist es illegal.

07.08.2019 21:42 Christian Krönert 4

Der eigentliche Skandal ist, dass ein Video von gestern, welches mir vorliegt, dokumentiert, dass die Pumpe lief. Mutmaßlich wurde das Abpumpen kurz vor dem Besuch der Unteren Naturschutzbehörde eingestellt. Ich plädiere ganz stark dafür, dass die Naturschutzbehörde ihre Besuche nicht mehr ankündigen sollte, auch nicht kurzfristig.

07.08.2019 20:29 lummox 3

@1ist da etwa geld geflossen? was glauben sie denn? so was gibt's doch in dland nicht, nur anderswo, wie z.b. in usa usw.

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