Der Marktplatz von Borna mit dem Rathaus an einem sonnigen Tag.
Das Rathaus in Borna - seit 2008 Amtssitz von Oberbürgermeisterin Simone Luedtke (Die Linke). Bildrechte: MDR/Christopher Gaube

03.09.2019 | 11:44 Uhr AfD-Kandidat siegt in Borna: Hat die linke Kommunalpolitik versagt?

Seit über elf Jahren regiert in Borna eine Bürgermeisterin von den Linken. Bei der Landtagswahl am Sonntag hat der AfD-Kandidat die meisten Stimmen in Borna geholt. Woran liegt es? MDR SACHSEN hat nachgefragt.

Der Marktplatz von Borna mit dem Rathaus an einem sonnigen Tag.
Das Rathaus in Borna - seit 2008 Amtssitz von Oberbürgermeisterin Simone Luedtke (Die Linke). Bildrechte: MDR/Christopher Gaube

Einen Tag nach der Landtagswahl scheint über Borna die Sonne, am Marktbrunnen plätschert das Wasser ohne Unterlass. Kurz nach 12 Uhr schwirren die Menschen hungrig zum Imbiss oder zur Bäckerei. Zwischendrin Radfahrer und Mütter mit Kinderwagen. Auch Migranten gehören zum Stadtbild, die in der warmen Mittagssonne ihre Besorgungen machen. Ein großes Nebeneinander, an dem sich anscheinend keiner stört.

Im Rathaus hat eine Linken-Politikerin das Sagen

Einen Tag zuvor, am Wahlsonntag hat jeder dritte Wähler in der Stadt Frank May von der AfD seine Direktstimme gegeben. Damit wäre der Politiker von den Menschen in Borna in den Landtag nach Dresden gewählt worden. So viele Stimmen zu holen ist nicht einmal Frauke Petry gelungen, die hier zur letzten Landtagswahl für die AfD in Borna angetreten ist. Mays Wahlerfolg überrascht vielleicht auch deshalb, weil seit 2008 eine Linken-Politikerin im Rathaus das Sagen hat.

Simone Luedtke wurde vor vier Jahren im Amt bestätigt, erreichte im ersten Wahlgang beinahe die Hälfte der Stimmen. In der Stichwahl konnte sie sich schließlich gegen den gemeinsamen Bewerber von Bürger für Borna, CDU und Freie Wähler durchsetzen. Doch ist ihr Einfluss auf die Stimmung nicht groß genug, weshalb nun vor allem die konservativen Kräfte dominierten?

Kleine Rente und junge Migranten - das treibt die Bornaer um

Blick durch das Stadttor in die Bornaer Innenstadt. In der Fußgängerzone sind viele inhabergeführte Geschäfte.
Bildrechte: MDR/Christopher Gaube

Was sagen die Einwohner Bornas zu dieser Frage? MDR SACHSEN hört sich in der Fußgängerzone um, die vom Marktplatz direkt zur alten Stadtmauer und zum Bürgerbüro der AfD führt. Viele Menschen wollen sich nicht äußern, andere können sich die Gründe nicht erkären. Ein Rentner sagt schließlich, dass es seiner Meinung nach nicht an der Oberbürgermeisterin selbst liege. "Nur die anderen Parteien haben hier fast alle versagt und die AfD mit ihren Slogans will das vielleicht besser machen." Kümmern müsste man sich um die älteren Leute, die hier nur von einer kleinen Rente leben würden und Borna müsste besser mit Bus und Bahn an Leipzig angebunden werden.

Kurz drauf quert eine junge Frau mit Einkaufskorb den Marktplatz. Sie sei selbstständige Kosmetikerin und Fußpflegerin, höre deshalb auch viel von ihren Kunden. "Viele Bornaer haben Angst, was hier werden könnte. Es gibt Ausländer die bei uns sind und arbeiten gehen, die mag ich ja auch", erklärt die Selbstständige. "Aber sonst kommen viele junge Männer, die sollten in ihrem Land bleiben und es wieder aufbauen." Man hätte eigene Probleme um die man sich kümmern müsse, fügt sie hinzu. Zur Politik der Oberbürgermeisterin könne sie allerdings nicht viel sagen.

Frust in der Wahlkabine

Wie erklärt sich Simone Luedtke selbst den Wahlerfolg des AfD-Kandidaten? "Ich kann es wirklich gar nicht mehr erklären, weil ich auch diese Negativeinstellung nicht verstehe", erklärt sie in ihrem Büro im Rathaus. Ihrer Meinung nach hätten Stadtverwaltung und Bürger gemeinsam viel erreicht. Enttäuscht zeigt sie sich davon, dass viele ihre Sorgen nicht an sie herantragen. "Da diskutiert auch keiner in die Richtung", so Luedtke. "Das scheint man wirklich nur heimlich in der Wahlkabine zu machen und das kann ich nicht nachvollziehen."

Für die Bornaer Oberbürgermeisterin ist auch die Politik aus Berlin und Dresden nicht ganz unschuldig. "Weil die Politik die da betrieben wird, für viele nicht mehr nachvollziehbar ist." Auch die Flüchtlingspolitik der Kanzlerin sei weder in den Kommunen und erst Recht nicht bei den Bürgern angekommen.

AfD-Kandidat May nicht zu erreichen

Unweit des Stadtzentrums von Borna liegt das Bürgerbüro der AfD. Die Schaufenster und Türen sind übervoll mit Wahlplakaten der Partei.
Bildrechte: MDR/Christopher Gaube

Was AfD-Kandidat Frank May zu seinem Erfolg zu sagen hat, bleibt ungewiss. Im Bornaer Bürgerbüro ist niemand ans Telefon gegangen und auch eine Anfrage via Mail blieb unbeantwortet. Stattdessen erklärt ein Geschäftsbesitzer MDR SACHSEN, dass die Bürgermeisterin seiner Auffassung nach schon ziemlich beliebt sei und sie in den letzten Jahren viel bewegt hätte. Dass die meisten Bornaer ihre Stimme dem AfD-Kandidaten gegeben hätten, sei für ihn deshalb nicht nachvollziehbar. Seine Identität wolle er allerdings nicht preisgeben, aus Furcht, dass die Bornaer sein Geschäft künftig meiden würden.

Quelle: MDR/cg

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 02.09.2019 | 15:30 Uhr in den Nachrichten aus dem Regionalstudio Leipzig

Zuletzt aktualisiert: 03. September 2019, 11:44 Uhr

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