Braunkohlekraftwerk Lippendorf mit Solarpark bei Leipzig
Wird die Stadt Leipzig bald vollständig auf die Energieversorgung aus dem Braunkohlekraftwerk Lippendorf verzichten? Bildrechte: imago/imagebroker

19.06.2019 | 16:30 Uhr Leipzig hält an Kohleausstieg fest - Investitionen in erneuerbare Energien geplant

Braunkohlekraftwerk Lippendorf mit Solarpark bei Leipzig
Wird die Stadt Leipzig bald vollständig auf die Energieversorgung aus dem Braunkohlekraftwerk Lippendorf verzichten? Bildrechte: imago/imagebroker

Leipzig hält an seinem geplanten Ausstieg aus der Braunkohle fest. Oberbürgermeister Burkhard Jung bekräftigte am Mittwoch seine Aussage aus dem Dezember, wonach die Stadtwerke den Energiebedarf der Stadt ab 2023 ohne Kohlestrom decken und den vollständigen Umstieg auf erneuerbare Energie durchführen wollen.

OBM Leipzig Burkhard Jung
Bildrechte: dpa

Der Braunkohleausstieg wird kommen. Unabhängig sein von Fernwärme durch Braunkohle ist definitiv unser Ziel. Der Umstieg auf 'grüne' Fernwärme ist eines unserer großen Projekte.

Burkhard Jung Oberbürgermeister der Stadt Leipzig

Damit widerspricht er einem Bericht der "Leipziger Volkszeitung" vom Mittwoch, wonach der Aufsichtsrat der Stadtwerke darüber nachdenke, den Fernwärmeliefervertrag mit dem Kraftwerk Lippendorf zu verlängern. Der würde dann bis 2030 laufen.

Über 670 Millionen Euro Investitionen in Fernwärme-Konzept

Bei der Vorstellung seiner Jahresbilanz erklärte der Verbund der städtischen Versorgungsbetriebe, die Leipziger Gruppe, bis 2023 über 670 Millionen Euro in das künftige Fernwärme-Konzept zu investieren. Dazu gehöre auch ein neues Heizkraftwerk. Bei den Energiearten wird Leipzig in den kommenden Jahren auf eine Mischung aus Gas, Solar und Biomasse setzen.

Insgesamt 1,6 Milliarden Euro für Versorgungssicherheit

Insgesamt werden in den nächsten vier Jahren 1,6 Milliarden Euro in Versorgungssicherheit und Ausbau der Kommunalwirtschaft investiert. Davon soll vor allem der ÖPNV profitieren: "Wir wollen das Netz ausbauen, neue Fahrzeuge anschaffen und damit unseren Teil für eine saubere und für die Menschen bezahlbare Mobilität beitragen", sagte OBM Jung. Er brachte auch eine ins Netz getaktete Seilbahn ins Gespräch. Jung ist fest entschlossen, die Pariser Klimaziele in der Stadt Leipzig umzusetzen.

BUND Leipzig befürchtet, Ausstieg wird doch erst 2030

Die Regionalgruppe Leipzig des BUND begrüßte im Dezember den Vorstoß von OBM Jung, bis 2023 aus der Fernwärme mit Kohlestrom auszusteigen. Allerdings habe es seitdem keine Konkretisierung gegeben, sagte Martin Hilbrecht vom BUND Leipzig MDR SACHSEN. Mit dem Zeitungsbericht vom Mittwochmorgen sah er die Befürchtung bestätigt, der Ausstieg werde doch erst 2030 kommen. Obwohl OBM Jung seine Position für den Kohleausstieg erneut bekräftigt hat, soll die für Donnerstag geplante Kundgebung vor der Aufsichtsratsitzung der Stadtwerke stattfinden.

Wir wollen damit das Zeichen setzen, dass die Bevölkerung den Kohleausstieg will. Wir müssen auf der lokalen Ebene handeln, wenn wir global gesehen den Klimawandel begrenzen wollen.

Martin Hilbrecht Vorsitzender BUND Leipzig

Auch der klimapolitische Sprecher der Grünen-Fraktion im Sächsischen Landtag, Gerd Lippold, drängt darauf, dass es keine Vertragsverlängerung bis 2030 gibt: "Eine fortgesetzte Bindung der Stadt Leipzig an die Braunkohle im Süden von Leipzig ist nicht nur klimapolitisch problematisch, sondern auch eine sehr unsichere Option. Niemand kann heute sagen, wie lange die Betreiber des Kraftwerks Lippendorf bei steigenden CO2-Preisen im Geschäft bleiben", heißt es in einer Pressemitteilung.

Quelle: MDR/sm/dh

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 19.06.2019 | 14:30 Uhr in den Nachrichten aus dem Regionalstudio Leipzig

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10 Kommentare

21.06.2019 08:29 Helfried 10

Das Kraftwerk Lippendorf ist in erster Linie für die Grundlast und damit für die Stabiltät im Stromnetz verantwortlich. Das wird auch so bleiben, egal wie sich die Oberen der Stadt Leipzig entscheiden. Nur die Aussage ein Heizwerk, als Ersatz für die Wärmeversorgung aus Lippendorf, bis zum Jahr 2022 zu schaffen, kommt aus dem Reich der Märchen und Fabeln.
Und Braunkohle, ist letztendlich Biomasse.

20.06.2019 02:05 Michael 9

@5, Solange wie Lippendorf am Netz ist, sollte man die Fernwärme, welche ja bei der Verstromung entsteht für Leipzig nutzen (Wärme Kopplung)
Leipzig hängt ja nicht als einziges an Lippendorfer Dampfversorgung.
Wenn Leipzig aussteigt läuft Lippendorf weiter und der Dampf der nicht benötigt wird , der wird einfach zu Kondensat niedergeschlagen, also vernichtet.
Das heisst, man sollte die Endlauf Zeit des Kraftwerks abwarten.

19.06.2019 22:51 Matthias 8

Ich freu mich schon auf die nächsten Strompreiserhöhungen ...Ein Wahnsinn was dieser Lehrer mit unserer Stadt macht ..Leute kommt endlich zur Besinnung und stoppt diesen rot grünen Auktionismus. Das ganze Gas kommt aus Russland ...warum hat die DDR auf Kohle umgestellt ??? ..weil der Russe damals den Hahn zugedreht hat ... Eine Sanktion für die Russen nach der anderen ,wenn Putin ernst macht , dann dann gute Nacht ..

19.06.2019 20:44 Michael 7

Man sollte die Leipziger über die Kosten des Projektes abstimmen lassen, ist Erdgas kein Fossiler Brennstoff?
Das Kraftwerk was jetzt die Fernwärme liefert ist sogar Wärmegekoppelt und liefert durch die benötigte Fernwärme auch Strom.
Aber das können Politiker nur wissen, wenn sie es sich ansehen würden.

19.06.2019 19:44 Peter 6

Die Jammerei wegen Kohlearbeitsplätze nervt langsam.
Alle Folgekosten im dreckigen Kohlestrompreis eingerechnet kostet die Kw/h fast 20 Cent. Die Differenz von 15 Cent zahlt die Allgemeinheit und subventioniert somit die Vernichtung unserer Umwelt, wie Pervers ist das denn?

19.06.2019 19:17 Reinhard Sch 5

Hauptsache keine Kohle mehr abbauen. Wieder gehen einige tausend Arbeitsplätze verloren. Interessiert aber einen Sozial-Demokraten als Oberbürgermeister und ehemaligen Religionslehrer nicht. Auch nicht das Erdgas nicht ewig zur Verfügung stehen wird. Unter welchen Umständen es gefördert wird, wieviel Natur dort kaputt geht, ihm ist es egal.
Er sollte sich um seine immer mehr vermuellende Stadt, die verfallende Infrastruktur und weitere Probleme kümmern.
Abwahl Februar 2020!

19.06.2019 18:22 Sabine Sonntag 4

Schildbürger-Streich: Ein effizientes, modernes, funktionierendes Kohle-Kraftwerk soll abgestellt werden, damit ein neues Gas-Kraftwerk plus Infrastruktur errichtet werden kann.

19.06.2019 17:50 Peter 3

Die Stadt macht im Großen, was bei mir zu Hause bereits Realität ist.
Ich habe seit ein paar Jahren ein BHKW im Keller.
Das hat natürlich erst mal Geld gekostet. Inzwischen kann Ich aber sagen: Es hat sich gelohnt, inzwischen auch finanziell.

19.06.2019 17:26 Frank L. 2

Das ist immer das Problem wenn Politiker zu lange im Amt sind, und der Jung ist schon viel zu lange im Amt. Dann werden sie größenwahnsinnig. Allein schon "eine ins Netz getaktete Seilbahn " ,da weiß man wirklich nicht was man von solchen Schwachsinn halten soll. Und außerdem weiß man ja wie das endet, wenn Sozis von Großprojekten träumen.....Leider muss er es nicht bezahlen.

19.06.2019 17:11 Dieter 1

Die Stadt Leipzig wirft wieder Geld zum Fenster raus (wie bei den Wasserwerken vor einigen Jahren), der Bürger muss es bezahlen, für den Klimawandel bringt es absolut nichts (auch wenn ganz Deutschland die CO2 Bilanz sofort auf Null setzen würde, bringt es absolut nichts).

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