Annegret Kramp-Karrenbauer äußert sich auf einer Pressekonferenz der Union zum Ergebnis der Europawahl.
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20.06.2019 | 17:22 Uhr Kramp-Karrenbauer besucht CDU Sachsen

Zwischen der sächsischen CDU und dem Bundesverband knirscht es gewaltig, schon seit Monaten. Zuletzt hat die Leipziger CDU die Parteivorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer heftig kritisiert. Sie ignoriere spezifisch ostdeutsche Themen, heißt es in einem offenen Brief. Mitte Juli haben beide Seiten die Möglichkeit sich auszusprechen. AKK kommt zu einem Besuch nach Sachsen.

Annegret Kramp-Karrenbauer äußert sich auf einer Pressekonferenz der Union zum Ergebnis der Europawahl.
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Der CDU-Kreisverband Leipzig hat einen offenen Brief an Annegret Kramp-Karrenbauer geschickt. Darin kritisiert er, die Bundesvorsitzende ignoriere spezifisch ostdeutsche Erfahrungen und Überzeugungen und lehne sie mit "zum Teil überheblicher Selbstgewissheit" ab. Wie die Zeitung "Die Welt" am Donnerstag berichtete, haben mehrere Landtags- und Europaabgeordnete, führende Kommunalpolitiker und die Spitze des CDU Kreisverbands den sogenannten "Leipziger Appell" unterzeichnet. Zudem würden in den kommenden Tagen in der ostdeutschen Union weitere Unterstützer gesucht.

Ostdeutsche haben andere Erfahrungen mit Russland

Anlass für die Kritik ist dem Blatt zufolge die außenpolitische Grundsatzrede Kramp-Karrenbauers in der Vorwoche. Darin hatte die CDU-Chefin die deutsch-amerikanische Freundschaft betont und eine ähnliche Nähe zu Russland abgelehnt. In dem offenen Brief fordern die Unterzeichner, wenn Kramp-Karrenbauer ihre familiären Erfahrungen zum Maßstab des deutsch-amerikanischen Verhältnisses mache, müssten ostdeutsche Biographien beim deutsch-russischen Verhältnis gleichermaßen zugrunde gelegt werden. Viele Ostdeutsche seien enttäuscht über die in der jüngsten Vergangenheit höchstens halbherzigen Versuche, Russland als Partner zu gewinnen.

Die Leipziger CDU fordert von der Bundespartei in Bezug auf ostdeutsche Interessen eine deutliche Kurskorrektur und stellt sich hinter Sachsens Ministerpräsident Kretschmer, der ein Ende der Russlandsanktionen fordert.

Es ist kein Zeichen von Stärke und Handlungsfähigkeit, an alten Feindbildern festzuhalten.

Aus dem offenen Brief des CDU-Kreisverbandes Leipzig

Treffen am 16. Juli

Mitte Juli haben nun beide Seiten Gelegenheit, sich auszusprechen. Wie Sachsens CDU-Generalsekretär Alexander Dierks am Donnerstag mitteilte, will AKK am 16. Juli nach Sachsen kommen, um sich mit den Kreisvorsitzenden zu sprechen.

Diskussionen um Russland-Sanktionen

Quelle: MDR/stt

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 20.06.2019 | 07:00 Uhr in den Nachrichten

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23 Kommentare

21.06.2019 20:00 Wo ist das Lobbyregister? 23

@20.06.2019 23:11 Martin Vomberg

(Wer in irgendeiner Form mit der AFD paktiert oder gar koaliert, begeht politischen Selbstmord, erst recht, in der Rolle des Kellners. [...] Und diesen Polit-Dinosaurier und Blackrock-Neoliberalen wie Merz als Hoffnungsträger der CDU zu sehen, können offensichtlich nur Leute, deren Denke selber von vorgestern ist. So viel zum Thema "Auslaufmodell"!)

Da darf ich ihnen voll und ganz zustimmen. Wenn die angeblich parlamentarischen Kräfte keinen Weg finden, für das Kapital nicht länger auf den politischen Strich zu gehen, haben sie zu recht verloren. Und so, wie es aussieht, finden sie nicht heraus aus ihren selbstverschuldeten Abhängigkeiten, dem kriechenden Opportunismus, der korrupten Lobbyliebedienerei und dem Stopfen eines selbst aufgerissenen Loches mit einem anderen selbstaufgerissenen Loch. Die AfD muss nur abwarten und die Ernte einfahren.

21.06.2019 15:42 Karl D. 22

Also die "ostdeutschen" Menschen mit tatsächlicher DDR-Erfahrung, die ich kenne, können diese Anbiederei an die Russen nicht verstehen. 40 Jahre Besatzung waren mehr als genug, das braucht man nicht noch mal.
Mir ist auch schleierhaft, woher der Leipziger Kreisvorsitzende Robert Clemen seine Kompetenz bezieht, wirtschaftliche Fragen beurteilen zu können. Ganz zu schweigen davon, dass Kretschmer, Clemen oder gar der Wessi Ramelow für "die" = alle "Ostdeutschen" sprechen wollen.

21.06.2019 10:43 Horst 21

Was sind denn die "familiären Erfahrungen" der Ostdeutschen mit Russland? Wer hatte (intensiven) Kontakt mit Russen? Wer reiste (regelmäßig) nach Russland? Wie beliebt war "der Russe"?
Die "deutsch russische Freundschaft" wurde doch klar von Staat / von der DDR den Bürgern oktroyiert. Und das von der Schule, über Ausbildung / Studium bis hin zum Berufsalltag.
Und was ist davon übrig geblieben? Mal von "klassischer" Kultur (Literatur, Theater, Musik) abgesehen; und der ein oder andere ißt gelegentlich 'nen Blini oder löffelt 'ne Borschtsch; spielt die russische Kultur doch keinerlei Rolle für uns. Essen, Musik, Film, Kleidung, Literatur, Sprache, usw. - da gibt es viele Länder die unsere Leben deutlich stärker prägen.

21.06.2019 09:48 Info 20

Sehr geehrte Damen und Herren,

es ist wieder einmal erstaunlich, was sich die USA leisten kann und Russland eben nicht.

Hier stimmt etwas nicht!

Mit freundlichen Grüßen
Info

21.06.2019 09:44 Info 19

@Wo ist das Lobbyregister?

Sehr geehrter Herr/Frau Lobbyregister,

das glauben Sie doch selbst nicht. Meinen Sie der BND oder MAD ist da besser. Vielleicht meinen Sie sogar der CIA oder SIS ist besser. Der KGB reiht sich ein. Ein Geheimdienst ist halt ein Geheimdienst sonst wäre es ja kein Geheimdienst.

Außerdem Lesen Sie einmal Ihre Antwort 13 und 14. Sie scheinen Ihre eigenen Argument zweimal zu drehen.

Leider können wir keinen (nicht so einfach) einen RESET auf 1945 machen, dann nämlich ist OST und WEST wieder bei NULL. Dann können wir noch einmal starten und können uns 70 Jahre später noch einmal schreiben beim MDR.

Die OST und WEST DEBATTE wird aufgrund der Teilung von Deutschland geführt, welche durch unser Tun und Handeln von 1933-1945 bestimmt ist und wurde.

Alles andere können Sie im Geschichtsbuch durchlesen.

Viele Grüße
Info

20.06.2019 23:11 Martin Vomberg 18

@ gerd Nr. 1

"Das wird AKK und Merkel nicht schmecken aber die sind eh Auslaufmodelle ein Herr Merz auf Bundesebene wird die Karten neu mischen."

Wer in irgendeiner Form mit der AFD paktiert oder gar koaliert, begeht politischen Selbstmord, erst recht, in der Rolle des Kellners. Die Christdemokraten z.B. in den Niederlanden aber auch in Italien, alternativ die ÖVP in Österreich können einen Lied davon singen, was einem blüht, wenn man mit den Rechten koaliert. Und diesen Polit-Dinosaurier und Blackrock-Neoliberalen wie Merz als Hoffnungsträger der CDU zu sehen, können offensichtlich nur Leute, deren Denke selber von vorgestern ist. So viel zum Thema "Auslaufmodell"!

20.06.2019 20:48 Halligalli 17

@1 gerd, Vorsicht gerd, Politiker schwätzen bekanntlich viel, meist bei schlechten Umfragewerten, um Wähler zu suggerieren, wir denken wie IHR. Dabei denke ich noch an Seehofer vor der BTW, er war auf dem“Rechten Tripp, jetzt , nach der Wahl ist er Linkslastig!

20.06.2019 20:08 Wo ist das Lobbyregister? 16

@20.06.2019 11:00 Hans Frieder Leistner

(Jedem real und vernünftig denkenden Menschen ist doch klar, daß zu beiden Ländern gute Beziehungen bestehen sollen.)

Gute? Angemessene - und das hängt von der jeweiligen Politik der beteiligten "Partner" ab.

Die Ost<>West-Debatte ist übrigens mit voller Absicht von den Knechten des Kapitals/Ost vom Zaun gebrochen worden. Nicht zuletzt, um vom eigenen Versagen abzulenken und den Ersatzpopanz "Sanktionen" aufzubauen. Das demonstriert nur ein weiteres Mal die konzeptionelle Unfähigkeit derer, die dieses Land in toto schon seit Jahrzehnten langsam ruinieren, weil ihnen jedes eigene politische Konzept fehlt. Da ist Gen. Schwesig dann gleich zu Beginn mitzunennen.

Wir wollen dabei von solchen Kleinigkeiten wie den russischen Manipulationsversuchen an Westwahlen, den Spam-Fabriken und anderen Marginalien wie Giftmorde an Oppositionellen usf. mal ganz absehen...

20.06.2019 20:03 Altmeister 50 15

Die Differenzen zwischen ost- und westdeutschen Sichtweisen allgemein resultieren vor allem aus den unterschiedlichen historischen Erfahrungen. Insofern ist die Verkürzung hinsichtlich des Verhältnisses zu Russland in der CDU eine Bagatellisierung, weil nur ein kleiner Teil der Meinungsverschiedenheiten. Im Grunde genommen geht es um unterschiedliche Auffassungen zur Ausrichtung der Partei, entweder in links-grün- kompatible oder rechts-konservative Richtung. Ersteres kommt für die Ostdeutschen wegen ihrer sozialistischen Erfahrungen sicher nicht in Frage. Wahrscheinlich bleiben die Positionen unversöhnlich. Sollten die Ost- CDU - Funktionäre aus Gründen der Parteidisziplin einknicken, können sie sich schon mal auf weitere gravierende Wahlverluste einstellen.

20.06.2019 20:01 Wo ist das Lobbyregister? 14

@20.06.2019 18:20 aus Dresden

(Da hat AKK schon recht. Trotzdem kann man auch zu Russland ein gutes Verhältnis pflegen (Schwesig aus M-V war doch auch Anfang dieses Monats in Russland))

Rußland ist wirtschaftlich uninteressant - bis auf die Rohstoffverkäufe. Ich sehe keinen guten Grund, den Russen angesichts ihrer Globalpolitik Ausrüstung, Know How und Verfahrenstechniken zu verkaufen und die marode russische Wirtschaft zu pushen.

Die Sanktionen gegen Putins lupenreine Demokratie haben gute Gründe und ein Blick auf die baltischen Staaten lehrt, dass wir als Deutsche in Europa diesen Staaten gegenüber in der Pflicht sind. Wenn die "ostdeutschen" Länder jahrzehntelang willig auf Billiglohn und Ausverkauf gesetzt haben, ist das ausgesprochen das Problem dieser Bundesländer bzw. das ihrer politischen "Eliten".

Die ja immerhin mehrfach wiedergewählt worden sind - nicht wahr...

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