20.06.2020 | 19:35 Uhr Kulturszene in Leipzig demonstriert für bessere Unterstützung

Kultureinrichtungen haben während der Corona-Pandemie große Probleme, sich wirtschaftlichen halten zu können. In Leipzig hat ein Bündnis aus Kulturschaffenden am Sonnabend auf die schwierige Situation aufmerksam gemacht. Neben mehr Hilfe forderten sie eine größere Beteiligung der Szene an der Vergabepraxis und eine stärkere Diskussion über den Wert der Kultur in der Öffentlichkeit.

Aktionstag #nurmitkultur in Leipzig 2020
Auf dem Augustusplatz in Leipzig versammelten sich am Sonnabend Kulturschaffende, um auf ihre schwierige Situation während der Corona-Pandemie hinzuweisen. Bildrechte: Moritz Arand

Am Sonnabend haben Vertreterinnen und Vertreter der Leipziger Kulturszene bei einer Kundgebung auf ihre derzeitige Situation aufmerksam gemacht. Unter dem Motto "#nurmitkultur" hatte ein Bündnis aus verschiedenen Netzwerken und der Stadt Leipzig dazu aufgerufen, nachhaltige Lösungen für die Kultureinrichtungen während der Corona-Krise zu finden. Auf dem Augustusplatz wurden Statements verschiedener Kultureinrichtungen über die Lautsprecher verlesen. Zudem gab es ein Kulturprogramm mit Konzerten und Schauspielnummern.

Kulturszene fehlen nachhaltige Maßnahmen

Bei den angekündigten Hilfen von Bund und Freistaat fehle bisher die Nachhaltigkeit, erklärte Bündnis-Sprecher Torsten Reitler MDR SACHSEN. Zwar gibt es Geld für die Infrastruktur, um beispielsweise den Infektionsschutz zu verbessern. Aber Einnahmeausfälle würden nicht ersetzt. "Wie wir das erwirtschaftete Defizit kompensieren sollen, ist noch völlig unklar", betonte er.

Hilfe bei Einnahmeausfällen gefordert

Momentan könnten die Einrichtungen nur 20 bis 40 Prozent des Publikums einlassen. In der Moritzbastei (MB), bei der Reitler auch Pressesprecher ist, seien derzeit nur Veranstaltungen mit 50 statt 350 Menschen möglich.

Gerade ist es besser nicht zu öffnen, als so zu öffnen.

Torsten Reitler Pressesprecher #nurmitkultur

Die MB brauche zumindest Unterstützung bei den Einnahmeausfällen. "Ansonsten könnten im nächsten April die Lichter ausgehen. Den Punkt wollen wir nicht erreichen", so Reitler.

Mehr Beteiligung von Kulturschaffenden

Damit das der MB und allen anderen Einrichtungen nicht passiert, fordert das Bündnis, dass möglichst Vertreterinnen und Vertreter aus der Praxis an der Ausarbeitung der Förderprogramme beteiligt werden. In der Vergangenheit seien durch die Antragsformaliäten Kulturschaffende ausgeschlossen worden, erklärt Reitler. Gehälter und Lebenskosten konnten so nicht ausgeglichen werden. "Solche Fehler sollten in Zukunft vermieden werden."

Aktionstag #nurmitkultur in Leipzig 2020
Die Veranstalter forderten, mehr Platz für die Kultur in der Gesellschaft. Bildrechte: Moritz Arand

Gesellschaftliche Diskussion stärken

Neben der wirtschaftlichen Lage will das Bündnis mit dem Aktionstag auch auf den gesellschaftliche Wert der Kulturszene aufmerksam machen. Reitler vermisst in der öffentlichen Diskussion das Thema Kultur. Denn mit dem Verlust von Spielstätten, Konzerthäusern und Clubs sterbe nicht nur Kultureinrichtungen, sondern auch die Grundlage des gesellschaftlichen Zusammenlebens, heißt es im Aufruf zum Aktionstag. Dieser Verlust werde "auch schwerwiegende wirtschaftliche Folgen" haben. Denn für Tourismus, Marketing, Gastronomie- und Hotelgewerbe und den Einzelhandel setzten Kulturveranstaltungen "lebenswichtige ökonomische Impulse".

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Quelle: MDR/mar

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL | 20.06.2020 | 19:00 Uhr

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