Einzelhandel Corona-Insolvenzen: Wie steht es um die Leipziger Läden?

Passanten gehen durch die Fußgängerzone in der Grimmaischen Straße in Leipzig.
Die Leipziger Innenstadt vor Ausbruch der Corona-Pandemie. Nun ist deutlich weniger los - das merken vor allem die Händler. Bildrechte: dpa

Mit viel Ruhe durch die Läden in der Innenstadt streifen, bummeln und schöne Dinge entdecken -  so sah Einkaufen früher aus. Doch schon seit Jahren füllen immer mehr Menschen mit wenigen Klicks den Einkaufswagen am Smartphone oder Tablet. Das Ergebnis von immer weniger Kundschaft in den Städten ist deutlich sichtbar: große Ketten dominieren das Stadtbild, inhabergeführte Geschäfte haben es schwer. Doch sie alle trifft zurzeit die Corona-Pandemie mit all ihren Einschränkungen hart: Noch weniger Kunden kommen in die Geschäfte, das Bummeln fällt in diesem Jahr für viele Kunden aus.

Weniger Insolvenzen als im Vorjahreszeitraum

Ein Stempel mit der Aufschrift Insolvenz liegt auf Unterlagen.
Deutlich weniger Händler haben 2020 ihre Geschäft aufgegeben als im Vorjahreszeitraum. Bildrechte: Colourbox

Mario Bauer von der Industrie- und Handelskammer Leipzig meint: "Die flächendeckende Schließung im Frühjahr von Unternehmen hat dazu geführt, dass über Wochen Umsätze ausgefallen sind, die sich über das Jahr nicht mehr einholen lassen." Doch noch gebe es keinen Grund zur Sorge. Für den Bezirk Leipzig ließen sich in diesem Jahr nicht mehr Geschäftsschließungen feststellen, "sowohl was die Sachsen-Statistik angeht, als auch die Leipziger Statistik. Bei uns im IHK-Bezirk mit circa 12.900 Betrieben sind es 360, die ihr Geschäft in diesem Jahr aufgegeben haben. Im letzten Jahr waren das um die gleiche Zeit circa 480."

Rücklagen, Zuschüsse und Kurzarbeitergeld

Dass die Zahl der Geschäftsschließungen bisher rückgängig war, klingt paradox. Mario Bauer führt diese Entwicklung auf zwei Faktoren zurück: Einerseits zehrten viele Unternehmen noch von Rücklagen. Auch zinsverbilligte Kredite, Zuschüsse und Transferzahlungen wie Kurzarbeitergeld würden derzeit helfen. "Zum anderen ist die Insolvenzantragspflicht, soweit die Insolvenz auf Corona zurückzuführen ist und auch eine positive Prognose für das Unternehmen besteht, auch ausgesetzt. Das ist sicherlich ein wichtiger Fakt."

Hoffnung auf Umsätze in der Vorweihnachtszeit

Mario Bauer
Mario Bauer ist Geschäftsführer des Bereichs Dienstleistungen bei der Indstrie- und Handelskammer Leipzig. Bildrechte: Lutz Zimmermann

Entscheidend sind der IHK zufolge nun vor allem die letzten Wochen des Jahres. Hier werde traditionell ein Großteil des Umsatzes eingefahren – auch dank der Weihnachtsmärkte und verkaufsoffenen Sonntage. Umso schwieriger empfindet der Handel deshalb die Entscheidung, auf dem Leipziger Weihnachtsmarkt in diesem Jahr auf den Ausschank von Glühwein und Co zu verzichten, erklärt Bauer von der IHK: "Unser Appell ist, verhältnismäßig zu bleiben in den Maßnahmen, auch wenn die Zahlen nach oben gehen. Weil einfach zu viel daran hängt: Die Wirtschaft in der Region sichert Arbeitsplätze. Und am Ende müssen wir auch sehen, bei allem Verständnis für die Maßnahmen und dem Gesundheitsschutz, dass wir auch nicht die Wirtschaft abwürgen."

Auch stationäre Händler längst online

Ein generelles Ladensterben in der Innenstadt findet laut Bauer zumindest in Leipzig aber nicht statt: "Wir müssen vorbereitet sein. Da gibt es Gedanken auch schon im Hinblick auf Leerstands-Management. Es wird sich nicht vermeiden lassen, dass Händler den Standort aufgeben. Es wird perspektivisch immer schwieriger für den stationären Einzelhandel. Das ist völlig klar." Viele seien aber auch in Zeiten der immer weiter wachsenden Konkurrenz im Internet gut aufgestellt. Ein Großteil der Händler hätte neben dem Ladengeschäft längst einen kleinen Online-Shop.

Quelle: MDR/kp/rk

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 23.10.2020 | 16:35 Uhr

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