05.04.2020 | 07:00 Uhr Gassigehen in Corona-Zeiten - eine echte Herausforderung

In der Corona-Krise möchte man Hund sein - zumindest in Leipzig. Dort gibt es noch den Gassi-Service für Vierbeiner. Mehrmals in der Woche geht es mit einer Hundemeute raus an die frische Luft - ganz ohne Kontaktverbot.

Ein Hund schaut direkt in die Kamera, im Hintergrund spielen Hunde im Sand
Bildrechte: www.mein-tierfreund.de

Das Coronavirus hat bei Eileen Carl nicht soviel durcheinander gewirbelt wie in anderen Branchen. Die professionelle Gassigeherin aus Leipzig führt immer noch täglich ein Rudel Hunde durch die Natur. Im Schnitt sind es zwischen fünf und 13 Tiere, die mit ihr auf Tour gehen. Das war auch schon vor Corona so.

Jetzt seien nur die Rahmenbedingungen andere, erzählt Carl. "Wenn ich jetzt meine Wohnung verlasse und auf dem Weg zum ersten Kunden bin, habe ich meine Hände desinfiziert und Einweghandschuhe an." Und wenn sie ihre vierbeinige Kundschaft beim Herrchen oder Frauchen abholt, nutzt sie eigene desinfizierte Hundeleinen.

Das Schwätzchen mit den Besitzern fehlt

Schmerzlich vermisst sie vor allem den fehlenden Kontakt zu den Hundebesitzern. "Vorher habe ich noch ein kleines Schwätzchen geführt, das gibt es jetzt gar nicht mehr", erzählt Eileen Carl MDR SACHSEN. Gibt es jetzt Probleme, versucht die professionelle Gassigeherin diese per Handy zu klären.

Das ist schon traurig. Der Hund ist ja oft wie ein Kind für den Besitzer. Dementsprechend ist die Beziehung zu meinen Kunden auch intensiver.

Eileen Carl Gassi-Geherin

Kunden hat sie bislang noch keine verloren. Dennoch rechnet auch Eileen Carl mit leichten Umsatzeinbrüchen. "Manche Kunden stecken in Kurzarbeit und haben dementsprechend auch weniger Geld. Es ist also möglich, dass der ein oder andere Hund vorerst nicht mehr mitkommen kann." Sie fühle sich aber immer noch privilegiert. "Ich kann wenigstens arbeiten, im Gegensatz zu Friseuren, die gar nicht mehr arbeiten können."

Bildergalerie Ein Hundeleben in Zeiten von Corona

Eine Frau sitzt auf einer Sanddüne, um sie herum viele Hunde an der Leine
Eileen Carl im Kreise ihrer Schützlinge. Mehrmals in der Woche holt sie die Hunde von ihren Kunden ab... Bildrechte: www.mein-tierfreund.de
Eine Frau sitzt auf einer Sanddüne, um sie herum viele Hunde an der Leine
Eileen Carl im Kreise ihrer Schützlinge. Mehrmals in der Woche holt sie die Hunde von ihren Kunden ab... Bildrechte: www.mein-tierfreund.de
Eine Frau ist mit vielen Hunden an einem See
... dann geht es raus in die Natur. Wegen der Corona-Krise sucht Eileen Carl möglichst menschen- und hundeleere Gegenden auf, um mit der Meute zu spielen. Bildrechte: www.mein-tierfreund.de
Drei Hunde spielen auf einer Düne miteinander
Das ist derzeit für Menschenkinder verboten, bei Hundekumpels aber noch erlaubt - das gemeinsame Spiel unter Freunden. Bildrechte: www.mein-tierfreund.de
Ein Hund springt aus dem Wasser in die Höhe
Was für ein Hundeleben. Dieser Vierbeiner scheint Corona nicht zu tangieren. Bildrechte: www.mein-tierfreund.de
Ein Hund schaut direkt in die Kamera, im Hintergrund spielen Hunde im Sand
Ob Wuff & Co verstehen, was gerade um sie herum passiert? Stimmungen der Herrchen und Frauchen nehmen die Hunde aber sehr wohl war. Bildrechte: www.mein-tierfreund.de
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Corona ist dem Hund Wurst

Ob die Hunde begreifen, in welcher Situation die eigenen Besitzer sind, kann Eileen Carl schlecht einschätzen. Sorgen der Besitzer spüren sie aber. Und grundsätzlich freuen sich die Vierbeiner darüber, dass Frauchen und Herrchen mehr zu Hause sind.

Obwohl viele ihrer Kunden jetzt im Homeoffice oder auf Kurzarbeit gesetzt sind, hat sie immer noch viel zu tun. "Die Hunde werden bei mir körperlich, geistig und sozial ausgelastet. Ich bin anderthalb bis zwei Stunden mit den Tieren unterwegs". Das könne der Hundebesitzer gar nicht alleine stemmen und schon gar nicht zu Corona-Zeiten, so Carl.

Die Hundewiesen sind derzeit kaum besucht. Man kann gar nicht mehr mit anderen Hundebesitzern und anderen Hunden interagieren.

Eileen Carl Gassi-Geherin

Kein Kontakt - leichter gesagt als getan

Also geht es mit einem sorgfältig zusammengestellten Rudel aus sozialisierten und verträglichen Hunden in die Natur. Dabei versucht Eileen Carl, möglichst abgelegene Orte aufzusuchen. "Ich versuche den Kontakt zur Außenwelt für die Hunde so gering wie möglich zu halten. Keine fremden Hunde, keine fremden Menschen." Doch das ist schwierig. "Mittlerweile sind überall so viele Spaziergänger und ich sehe eigentlich niemanden, der kontrolliert."

Nicht alle haben ein Hundeleben

So gut es die Vierbeiner bei Eileen Carl haben, schauen andere Hunde derzeit sprichwörtlich in die Röhre. Zahlreiche Tierheime in Sachsen schlagen Alarm, wie das Tierheim Oelzschau bei Leipzig: Keine Besucher, kaum Spenden, keine Gassigeher und vor allem keine Tiervermittlungen.

Ein Zustand, den Eileen Carl sehr bedauert. Auch sie habe schon darüber nachgedacht, wie den Heimen geholfen werden kann. "Ich habe überlegt, Spenden wie Hundefutter oder ähnliches zu sammeln. Da habe ich schon ein paar Tierheime rausgesucht."

Auch ihre Dienste als Gassigeherin könnte sie anbieten. Allerdings stellt sich ihr die Frage, wie das organisiert werden könnte. Sie sei eine völlig fremde Person für die Tierheim-Hunde. "Diejenigen die als Privatperson dort regelmäßig Gassi gegangen sind, haben ja eine Bindung zu dem Hund. Ich müsste die erst einmal aufbauen, gemeinsam mit dem Tierheim", erklärt Eileen Carl. Ein Bindungsaufbau mit Sicherheitsabstand - kann das funktionieren?

Quelle: MDR/bb

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 02.04.2020 | ab 05:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Leipzig

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