20.04.2020 | 19:33 Uhr Connewitz-Krawalle: Prozessauftakt gegen JVA-Beamten zum vierten Mal verschoben

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Wegen der Corona-Krise ist der Prozess gegen einen angeklagten JVA-Beamten erneut geplatzt. Der Gefängniswärter sollte sich ab kommenden Donnerstag vor Gericht wegen schweren Landfriedensbruchs verantworten. Ihm wird vorgeworfen, an den Neonazi-Krawallen im Januar 2016 in Leipzig beteiligt gewesen zu sein. Wann der Prozessauftakt nun stattfinden wird, sei unklar, sagte ein Sprecher des Amtsgerichts Leipzig.

Prozessbeteiligte nahmen schon drei Mal Anlauf

Das Gericht hat bereits drei Mal versucht, den 34 Jahre alten JVA-Beamten wegen der Connewitz-Krawalle im Januar 2016 vor Gericht zu bringen:

  • Anfang 2019 war die Verhandlung wegen Erkrankung eines Verteidigers abgesagt worden.
  • Im Juli 2019 war das Gericht verhindert.
  • Im Januar 2020 erschien der Angeklagte nicht zum Prozessbeginn.
  • Nun die Coronavirus bedingte Absage.

Der Mann gehört mutmaßlich zu den 215 Randalierern, die im Januar 2016 in Leipzig nach überfallartigen Krawallen von der Polizei festgesetzt worden waren. Hooligans und Neonazis hatten im linksgeprägten Stadtteil Connewitz zahlreiche Schaufensterscheiben eingeschlagen.

Die Connewitzkrawalle von Neonazis und Hooligans Am Abend des 11. Januar 2016 waren 250 bis 300 schwarz gekleidete, zum Teil vermummte Randalierer durch den Leipziger Stadtteil Connewitz gezogen. Bewaffnet mit Eisenstangen, Schlagstöcken und Holzlatten, demolierten sie insgesamt 25 Geschäfte, Bars und Wohnungen sowie 18 Autos. In dem linksgeprägten Stadtteil zündeten sie Böller und Leuchtraketen. Laut Staatsanwaltschaft entstand ein Schaden von rund 113.000 Euro. Die Polizei nahm 215 Tatverdächtige fest.

Die Staatsanwaltschaft Leipzig hat insgesamt 103 Anklagen gegen 204 Tatverdächtige an mehreren Amtsgerichten in der Region erhoben. Weitere Fälle wurden nach Dresden abgegeben.

Beamter auf Abwegen?

Der Beamte wurde erst 2019 vom Dienst suspendiert. Er arbeitete damit drei Jahre nach den Vorfällen weiter in Gefängnissen. Das sächsische Justizministerium erklärte, erst Ende 2018 von dem Fall erfahren zu haben. Der Mann habe bei den Ermittlern keine Angaben zum Beruf gemacht und auch entgegen seiner Pflicht seinen Vorgesetzten nicht informiert. Gegen den 34-Jährigen wurde ein Disziplinarverfahren eingeleitet, was bis zum Ende des Gerichtsverfahrens ausgesetzt worden ist. Sollte es zu einer rechtskräftigen Strafe von mindestens einem Jahr Gefängnis kommen, würde das Beamtenverhältnis des Angeklagten enden.

Quelle: MDR/kk/dpa

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 20.04.2020 | ab 16:30 Uhr mit weiteren Polizeimeldungen in den Regionalnachrichten aus dem Studio Leipzig

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