Corona-Test Klinikum St. Georg weist Kritik an Gurgeltest zurück

EIne Frau, die gurgelt
Der Test mit Rachenspülwasser ist laut Klinikum St. Georg einfacher in der Handhabung und für den Patienten angenehmer als ein Nasen-Rachen-Abstrich. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Das Leipziger Klinikum St. Georg hat die Kritik des sächsischen Sozialministeriums an der Verlässlichkeit von Corona-Tests mittels Rachenspülung zurückgewiesen. Die Testergebnisse seien belastbar, sagte Stephan Borte, Chefarzt des Medizinischen Zentrallabors am Klinikum St. Georg MDR SACHSEN. Die Klinik nutze schon seit Jahren diese Art der Testmethode. Laut Borte wird Rachenspülung zur Diagnostik zum Beispiel von saisonalen Influenzaviren vom Robert-Koch-Institut (RKI) empfohlen und ist auch für den Nachweis von SARS-CoV-2-Viren anwendbar.

Sozialministerium zweifelt

Das Sozialministerium hatte Zweifel an der Verlässlichkeit dieser Methode geäußert. Auf Anfrage von MDR SACHSEN hatte die Behörde am Mittwoch mitgeteilt, dass diese Methode umstritten sei. In einer entsprechenden Erklärung hieß es, ""die Einsendung von Probenmaterialien sollte - nach RKI – in enger Absprache mit dem Labor erfolgen. Beim Einsatz von Rachenspülwasser sollte den Gesundheitsämtern bewusst sein, dass die derzeitige Datenlage noch stark ausbaufähig ist." Zudem könnte es mit dieser Methode zu falsch negativen PCR-Resultaten kommen.

Dem widerspricht Borte. Die Datenlage habe sich bis heute stark verändert. Zudem werde die Teststrategie am St. Georg ständig aktualisiert und sei wissenschaftlich fundiert.

Die bei der am Klinikum St. Georg Leipzig verwendete Technik und Methode zeigt keine diagnostischen Nachteile.

Stephan Borte Chefarzt des Medizinischen Zentrallabors am Klinikum St. Georg

Ein Patientenshuttle parkt 2014 vor dem Sankt Georg Klinikum in Leipzig.
Seit Jahren werden am Klinikum St. Georg in Leipzig Tests mit Rachenspülwasser durchgeführt. Bildrechte: dpa

Im Hinblick auf mögliche falsch-negative Testergebnisse erklärte Borte weiter, dass je nach Technik und Entnahme auch von falschen Ergebnisse bei Nasen-Rachenabstrichen ausgegangen werden müsse.

Diese Rate ist möglicherweise bei Verwendung von Antigen-Schnelltests höher anzunehmen, als bei der aktuell praktizierten Technik der Rachenspülwasser-Testung per PCR.

Stephan Borte Chefarzt des Medizinischen Zentrallabors am Klinikum St. Georg

"Wir müssen uns an neuen Methoden orientieren, ob sie uns bei der Durchführbarkeit an Massenuntersuchungen einen Vorteil verschaffen", erklärte Borte. Vorschnell Zweifel an dieser Methode zu äußern, würden nur dazu führen, dass die Möglichkeiten des Rachenspülwassers ungenutzt bleiben, ist sich der Mediziner sicher.

Martina Fondi vom FH Campus Wien demonstriert einen Gurgeltest bei einer Pressekonferenz zum Schulbeginn im Herbst.
Wissenschaftler der Universität Wien hatten über zehn Monate mit dem Gurgeltest unter anderem bei Schülerinnen und Schülern eine mögliche Infektionen mit dem Coronavirus erfolgreich nachweisen können. Bildrechte: dpa

Studie belegt Belastbarkeit

Rachenspülwasser wird nicht nur am Klinikum St. Georg in Leipzig eingesetzt, um dem Coronavirus auf die Spur zu kommen. Ähnliche Entwicklungen gibt es unter anderem auch in Köln oder in Wien. Dort hatten Wissenschaftler der Universität in einer groß angelegten Studie mit Rachenspülwasser die Häufigkeit aktiver SARS-CoV-2 Infektionen bei Schülerinnen und Schülern sowie deren Lehrkräften bestimmt. Neben vergleichbaren Ergebnissen zu einer klassischen Abstrichprobe konnte die Forschergruppe auch die höhere Akzeptanz des Verfahrens gegenüber der Abstrichentnahmen in Nase oder Rachen belegen.

Auch das RKI erklärt auf seiner Internetseite, dass es zwar wenig Veröffentlichungen zu dieser Testmethode gibt, diese aber vergleichbare Ergebnisse zeigen, wie bei einem Nasen-Rachenabstrich. Dennoch warnt das Institut davor, dass es je nach Spülvolumen und Technik zu Verdünnungseffekten mit unter Umständen hoher Ergebnisvariabilität kommen könnte, also stark voneinander abweichenden Testergebnissen.

In diesem Fall gibt Borte Entwarnung. Es sei wichtig, so der Mediziner, dass man seine Messung immer mit der gleichen Menge an Spülflüssigkeit durchführt, erst dann seien die Werte vergleichbar. Zu einem Verdünnungseffekt komme es, so Borte, wenn plötzlich das doppelte oder vierfache an Flüssigkeit genutzt werde. Dann würde das was nachgewiesen werden soll geringer gemessen. Im St. Georg würden aber immer zehn Milliliter an Spülflüssigkeit verwendet. Ein Verdünnungseffekt bestehe daher nicht, so Borte.

Apotheker nimmt Rachenabstrich
Der Nasen-Rachen- oder nur Rachenabstrich ist derzeit Standard. Bildrechte: MDR/Stefanie Reinhardt

Gurgeln statt Stäbchen

Für den Chefarzt liegen die Vorteile des Gurgeltests vor allem in der deutlich einfacheren Anwendung. "Die Probenentnahme erfolgt mittels Rachenspülwasser und ist für die Patienten angenehmer als die herkömmliche Entnahme mit einem Stäbchen - bei gleicher Qualität," erklärt der Mediziner. Dazu müssten die Patienten einige Sekunden ein 10 Milliliter medizinisches Wasser gurgeln, das leicht salzig schmeckt. Anschließend werde die Lösung ausgespuckt und im Labor einem PCR-Test unterzogen.

Das Testergebnis liegt innerhalb eines Tages vor und kann von den Patienten selbstständig via Barcode sicher von zu Hause am Computer oder mobil per Handy oder Tablet abgerufen werden.

Stephan Borte

Allerdings räumt Borte ein, dass der Test nicht für jede Person geeignet ist. Bei Kindern unter sechs Jahren oder älteren Menschen, die bettlägerig sind oder an Demenz leiden, sei die Rachenwasserspülung nicht anwendbar.

Quelle: MDR/bb

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 20.01.2020 | 12:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Leipzig

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