Corona-Pandemie Stiller Protest der Kulturbranche in Leipzig

Bei vielen Kulturschaffenden geht es gerade ums Überleben. Wegen der aktuellen Corona-Einschränkungen sind Kulturbetriebe geschlossen, bleiben Veranstaltungen untersagt. Für viele der Beschäftigten in dieser Branche kommt das einem Berufsverbot gleich und lässt Existenzängste wachsen. Ohne Aufträge oder Auftritte, gibt es keine Honorare und nicht jeder hat Anspruch auf Überbrückungshilfen.

Ein Banner wird von zwei Menschen über einen Platz gespannt
Der größte Wunsch der Teilnehmer der Kundgebung am Sonnabend: ihren Beruf ausüben zu dürfen. Bildrechte: Mitteldeutscher Rundfunk/Barbara Brähler

In Leipzig haben am Sonnabend soloselbständige Kulturschaffende auf ihre aktuelle Situation aufmerksam gemacht. Auf dem Augustusplatz versammelten sich am Nachmittag gut 50 Teilnehmer, darunter Tänzerinnen und Tänzer, Betreiber von Museen sowie Musikerinnen und Musiker.

Maßnahmen überprüfen

"Wir möchten es nicht mehr weiter hinnehmen, dass im Zuge der Pandemie unser Sektor unverhältnismäßig stark betroffen ist", sagte Organisatorin Theresa Ivanovic MDR SACHSEN. Das erneute vorübergehende und zeitlich nicht absehbare Berufsverbot bringe kulturschaffende Soloselbständige wiederholt in eine existentielle Notlage.

Halb volle Kurse, aber trotzdem gleichbleibende Mietkosten. Plus Zusatzausgaben, weil ich während des ersten Lockdowns investiert habe, wie zum Beispiel in Technik für Online-Tanzkurse.

Theresa Ivanovic Tanzlehrerin

Ivanovic' Wunsch: Im Detail zu schauen, wen die Corona-Maßnahmen betreffen und dann individuell zu prüfen, in welchem Rahmen gearbeitet werden könnte.

Kulturschaffende demonstrieren in Leipzig: "Ohne uns bleibt's still"

Menschen stehen auf einem Platz und demonstrieren.
Etwas über 50 Menschen folgten dem Aufruf zur Kundgebung der soloselbstständigen Kulturschaffenden. Bildrechte: Mitteldeutscher Rundfunk/Barbara Brähler
Menschen stehen auf einem Platz und demonstrieren.
Etwas über 50 Menschen folgten dem Aufruf zur Kundgebung der soloselbstständigen Kulturschaffenden. Bildrechte: Mitteldeutscher Rundfunk/Barbara Brähler
Menschen in Clownskostümen stehen auf einem Platz und demonstrieren.
Auch die Mitglieder des Leipziger Clownmuseums waren bei der Kundgebung dabei. Durch die erneute Schließung im Zuge der Pandemie steht das ehrenamtlich geführte Museum vor dem Aus. Bildrechte: Mitteldeutscher Rundfunk/Barbara Brähler
Vier Menschen in Kostümen stehen auf einem Platz und demonstrieren.
Sogar die Eiskönigin war samt Gefolge anwesend. Normalerweise würde Eiskönigin Anja Hermann mit ihren Artistenkollegen von Stelzenbein über Weihnachtsmärkte tingeln, stattdessen lebt sie von Hartz IV und beantragt Nothilfen. Bildrechte: Mitteldeutscher Rundfunk/Barbara Brähler
Menschen stehen auf einem Platz und demonstrieren.
Der Protest war überschaubar und verlief still. Bildrechte: Mitteldeutscher Rundfunk/Barbara Brähler
Fünf Menschen stehen auf einem Platz und demonstrieren.
"Ohne uns bleibt's still" - unter diesem Motto forderten die Demonstranten die Corona-Maßnahmen zu überprüfen, die in ihren Augen unverhältnismäßig sind. Bildrechte: Mitteldeutscher Rundfunk/Barbara Brähler
Plakate auf denen die Öffnung von Tanzschulen gefordert wird
Viele Tanzstudios haben noch mit den Auswirkungen des ersten Lockdwons zu kämpfen. Zahlreiche Kursteilnehmer seien nach der Wiedereröffnung im Mai nicht mehr wiedergekommen. Bildrechte: Mitteldeutscher Rundfunk/Barbara Brähler
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Wenn die Kultur einfriert

Fagottist Georg Eckert ist extra aus Dessau nach Leipzig gekommen, um die freie Kunstszene zu unterstützen. Zwar bekommt er als Mitglied der Anhaltinischen Philharmonie Kurzarbeitergeld, doch Eckert befürchtet, dass die finanziellen Hilfen von Bund und Ländern irgendwann knapp werden. Damit wären seiner Ansicht nach Kultureinrichtungen von Schließungen bedroht. Der Musiker wünscht sich, dass dort, wo es mit Hygienekonzept möglich ist, Kultur und Kunst stattfinden kann.

Auch Katrin Rudloff würde sich individuell angepasste Maßnahmen für Soloselbständige wünschen. Sie arbeitet nebenberuflich als Tanzpädagogin und betreibt ein kleines Tanzstudio. Überbrückungshilfen greifen bei ihr nicht, da sie weniger als die Hälfte ihres Einkommens durch die freiberufliche Tätigkeit erwirtschaftet. Die Miete ihres Studios und andere laufende Kosten bleiben ihr aber weiterhin. Dass sie ihren Betrieb seit Anfang November trotz Investition in ein Hygienekonzept einstellen musste, stößt bei ihr auf Unverständnis.

Im Unterschied zum Einzelhandel können wir die Kontakte nachvollziehen.

Katrin Rudloff Tanzpädagogin

Wie auf dieser Kundgebung. So leer bleibt diesmal der Augustusplatz - im Unterschied zu den letzten Querdenker-Demos. Immerhin ein paar Passanten zeigten sich mit den freischaffenden Soloselbständigen solidarisch.

Quelle: MDR/bb

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 30.11.2020 | ab 20:00 Uhr

4 Kommentare

MAENNLEiN-VON-DiESER-WELT vor 7 Wochen

Mein Beitrag zur Friedhofskultur im mitteldeutschen Raum:

" Ich bin dann mal auch tot ! " --- eine Petition zum neuen
Friedhofsgesetz im Freistaat Sachsen auf Vorschlag des
sächsischen Sozialministeriums.

...weil ich meine Theaterberufung nicht mehr ausüben darf !

Freiheit vor 7 Wochen

"Es gibt noch keine Kommentare. Schreiben Sie doch einen..."

Nun, wie oft denn noch, einfach freischalten!

Freiheit vor 7 Wochen

Ich hoffe, daß die Kulturschaffenden wohlbehalten ihren Heimweg durch Leipzig geschafft haben.

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