25.04.2020 | 08:00 Uhr Lieder-Lieferdienst: MDR-Sinfonieorchester spielt für Corona-Helden

Adam Markowski und seine Kollegen vom MDR-Sinfonieorchester spielen den Corona-Alltagshelden Ständchen. Ab Montag sollen die Mini-Dankeschön-Konzerte überall dort stattfinden, wo Unterstützung gebraucht wird.

MDR KLASSIK Die beiden Musiker Adam Markowski und Annemarie Gäbler spielen sonst im MDR-Sinfonieorchester, heute aber als "MDR-Lieder-Lieferdienst" bei der Tafel in Eisleben.
Adam Markowski und Annemarie Gäbler spielen sonst im MDR-Sinfonieorchester, heute aber als "MDR-Lieder-Lieferdienst" bei der Tafel in Eisleben. Bildrechte: MDR KLASSIK

Die Musiker des MDR-Rundfunkchors und des MDR-Sinfonieorchesters spielen auf Empfehlung Mini-Dankeschön-Konzerte für Helden des Alltags. Ab Montag werden die Ständchen frei Haus geliefert. Im Garten, am Zaun, unterm Balkon oder vor dem Supermarkt – die Musiker kommen dorthin, wo man Danke sagen will. "Wir schicken mit unseren Musikern eine 'musikalische Umarmung'", erklärt MDR-Programmdirektorin Dr. Katja Wildermuth. "An Menschen, die aufopferungsvoll ihrer Arbeit nachgegangen sind, sei es die Arzthelferin, der Postbote oder ein neuer Nachbar. Gerne auch für sogenannte Risikogruppen, die auch weiterhin sehr vorsichtig und oft alleine bleiben müssen."

Jeder, der mit einem professionellen Ständchen Danke sagen oder eine musikalische Umarmung versenden möchte, kann sich online mit seiner Geschichte bewerben. "Wir möchten mit dieser Aktion auch Menschen in der Region und in kleineren Orten besuchen, die möglicherweise derzeit abgeschnitten oder einsam sind", sagt Programmdirektorin Wildermuth. "Wir als MDR wollen zumindest für einen kleinen Moment aufheitern und eine kleine musikalische Freude schenken."

Danke sagen

Einer der Musiker, die dorthin ausrücken, wo sie gebraucht werden, ist Adam Markowski. Der Violinist freut sich auf die Gelegenheit, Danke zu sagen. "Das ist eine schöne Möglichkeit für uns, wieder mit dem Publikum in Kontakt zu kommen. Ich finde, es ist eine gute Idee, dass man sich bei Leuten bedankt, die einfach gnadenlos durchziehen im Moment. Da habe ich einen großen Respekt vor und kann mich nur mit dem bedanken, was ich kann, nämlich Musik machen."

Annemarie Gäbler und Adam Markowski aus dem MDR-Sinfonieorchester bringen auf ihren Violinen ein Ständchen im Freien
Annemarie Gäbler und Adam Markowski im Garten der Tafel in Eisleben. Bildrechte: MDR KLASSIK/obs

Dabei ist es ausgerechnet das, was er und seine Orchesterkollegen zur Zeit nicht können. "Wir wollen total gerne für die Leute da sein mit unserer Musik. Da wir das aber aus gesundheitlichen Gründen gerade nicht dürfen, liegen wir gerade alle ein bisschen wie Fische auf dem Strand rum, zappeln und wissen nicht so richtig, was wir machen sollen." Die Konzerte seien auch eine willkommene Gelegenheit, um die Kollegen endlich mal wieder zu sehen, sagt Markowski. "Du bekommst sofort einen Eindruck davon, wie es bei den Leuten ankommt. Das ist genau das, was uns im Moment am meisten fehlt."

Ungewöhnlicher Rahmen

Den Auftakt machte in der vergangenen Woche ein Konzert bei der Tafel in Eisleben. "Dort haben wir im Garten gespielt und die Mitarbeiter haben sich um uns herum versammelt. Dieser improvisierte Rahmen gibt dem ganzen auch ein Stück mehr Authentizität. Man erlebt, dass es nicht nur für uns irgendwie komisch und schön ist, sondern auch für die Zuhörer."

Einige waren vielleicht schon mal in einem Konzert, aber im Gemüsegarten um uns herum zu stehen, das haben die auch noch nicht erlebt. So hat man ein gemeinsames Erlebnis und kreiert einen gemeinsamen Moment durch diese ungewöhnliche Situation.

Adam Markowski Violinist

Musiker in der Zwangspause

Derzeit sind Markowski und seine Orchesterkollegen in einer Corona-bedingten Zwangspause. Trotzdem machen sie sich bereits Gedanken darüber, unter welchen Umständen wieder Auftritte möglich wären. "Bei uns würde das mit dem Mundschutz natürlich funktionieren. Bei den Bläsern wird’s schwierig. Die müssten sich auch überlegen, dass sie in exakt dieselbe Richtung blasen und nicht zu den Leuten. Dafür sind die ein wenig lauter und die Leute könnten weiter weg stehen. Der Mindestabstand ist machbar. Wenn man mit Blickkontakt und mit Bewegung spielt, dann bekommt man sein Gegenüber auch mit."

Wir überlegen gemeinsam als Orchester wie es möglich sein könnte, denken über neue Konzepte nach, die es vielleicht noch gar nicht gibt und die man ausprobieren sollte. Das ist eigentlich auch eine sehr spannende Zeit, von der hinterher vielleicht auch viele Ideen bleiben.

Adam Markowski Violinist

Streaming-Konzerte hautnah erleben

Möglich wären vielleicht erstmal kleinere Formationen mit entsprechendem Abstand, überlegt Markowski. "Eine Idee ist, als Kammerorchester zu spielen und es so zu streamen, dass die Leute dabei sein können. Vielleicht mit 360-Grad-Kameras, wo man zuhause mit der Maus aussuchen kann, mit welchem Musiker man gerade diesen Moment erleben will." Noch gibt es keine fertigen Konzepte, aber es wird überlegt, sagt Markowski.

Erstmal freuen sich der Violinist und seine Kollegen aber auf die Solidaritäts-Konzerte und endlich wieder gemeinsam zu musizieren. "Es gibt bereits einen großen Pool von Kollegen, die sich da schon begeistert eingetragen haben und gerne mitmachen wollen. Wir wissen nicht, was da auf uns zukommt. Aber gerade das macht es spannend."

Quelle: MDR/lt

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 27.04.2020 | 20:00 Uhr

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