01.06.2020 | 14:17 Uhr Messe Leipzig hofft auf Kongresse im Herbst

Die Corona-Pandemie hat der Leipziger Messe geschätzte Verluste im zweistelligen Millionenbereich beschert. Jetzt hofft sie auf das zweite Halbjahr.

Fahnen vor der Glashalle, Eingang West
Nach der Corona-Zwangspause hofft die Leipziger Messe auf die neue Saison im Herbst. Bildrechte: Leipziger Messe/Zimmermann

Die Messe Leipzig plant für den Herbst wieder Messen und Kongresse. "Wir rechnen damit, dass wir unser Herbstprogramm unter den gebotenen Sicherheitsauflagen durchführen können", erklärte Prokuristin Silvana Kürschner MDR Sachsen. "Bislang haben wir noch nichts abgesagt." Geplant seien über 100 Veranstaltungen, darunter die internationale Weltmesse für Orthopädie-Reha-Technik "OT World", die Geschenkartikel-Messe "Cadeau" sowie die "Mutec"-Messe für Museums- und Ausstellungstechnik.

Kürschner zufolge seien die Messen in Leipzig, Dresden und Chemnitz in den vergangenen Wochen im intensiven Gespräch mit der sächsischen Regierung gewesen. Man habe an einem Papier gearbeitet, was "mögliche Wiederanlaufszenarien" aufzeige. "Wir hoffen, dass in einer der nächsten Verordnung die Wiedereröffnung der Messegeschäftes geregelt ist", sagte Kürschner.

Kinder spielen mit Technik-Baukasten
Wenn alles gut läuft, könnte die Publikumsmesse "Modell-Hobby-Spiel" vom 2. bis 4. Oktober 2020 wie geplant in Leipzig stattfinden. Bildrechte: Leipziger Messe/Tom Schulze

Erfahrungen mit Sicherheitsauflagen

Die Umsetzung der Corona-Auflagen hält Kürschner für machbar. Die Messe sei per se gut ausgerüstet, sie wende für ihre großen Veranstaltung grundsätzlich Sicherheits- und Schutzstandards an. Diese gelte es jetzt an die aktuelle Verordnung anzupassen. So erarbeite man derzeit für die Orthopädie-Messe ein hybrides Konzept, was auch internationalen Ausstellern die Teilnahme ermögliche.

Silvana Kürschner
Silvana Kürschner, Prokuristin der Leipziger Messe hofft auf Kongresse und Veranstaltungen im Herbst. Bildrechte: Messe Leipzig

Aussteller brauchen Information

Planungssicherheit sei für die Messe ein wichtiger Faktor, weil Veranstaltungen mit großen Vorlaufzeiten geplant werden, erklärte auch Messe-Sprecher Andreas Knaut. "Die Aussteller brauchen jetzt eine Information, wie es weitergeht." Die Herbstsaison ist Knaut zufolge nach dem Corona-Lockdown umso wichtiger, um wieder Umsätze einzuspielen.

Verluste im zweistelligen Millionenbereich

Die Zwangspause durch die Corona-Krise hat bei der Leipziger Messe zu erheblichen Umsatzeinbußen geführt. "Wir schätzen die Verluste auf einen zweistelligen Millionenbetrag", erklärte Kürschner. Genau ließe sich dies zum aktuellen Zeitpunkt jedoch noch nicht beziffern. Derzeit habe die Messe etwa ein Drittel des prognostizierten Jahresumsatzes erwirtschaftet.

Etwa 100 Veranstaltungen abgesagt

Nach einem starken Auftakt im Januar und Februar mussten wegen der Pandemie rund 100 Veranstaltungen abgesagt werden. Den Anfang machte im März die Leipziger Buchmesse, eines der großen Aushängeschilder der Messe. Zudem seien fast alle der 400 Mitarbeiter in Kurzarbeit gegangen.

Die leere  Glashalle der Leipziger Messe.
Keine Buchmesse 2020: Ein erster großer Einschnitt im März durch die aufziehende Corona-Pandemie. Bildrechte: dpa

855 Jahre: Messe Leipzig bislang nur drei Mal geschlossen

Die Messebranche gilt als die Branche, die mit am stärksten von Corona betroffen ist. Kürschner gibt sich allerdings optimistisch. Die Leipziger Messe habe in ihrer 855 jährige Geschichte viele Krisen erlebt und überstanden. "Wir kommen mit Sicherheit aus der Krise wieder heraus", erklärte die Prokuristin. "Messen und Kongresse sind ein Motor für die Wirtschaft."

"Wir sind vorsichtig optimistisch, trotzdem haben wir hier eine Situation, die wie noch nie erlebt haben", sagte Sprecher Knaut. Die Messe Leipzig sei in ihrer 855-jährigen Geschichte nur drei Mal geschlossen worden: während des 30-jährigen Krieges, nach der Völkerschlacht und am Ende des Zweiten Weltkrieges.

Doppel-M auf dem denkmalgeschützten Wintergartenhochhaus neben dem Leipziger Hauptbahnhof
Das Doppel-M auf dem Wintergartenhochhaus neben dem Hauptbahnhof gehört zu den Wahrzeichen Leipzigs und ist 18 Tonnen schwer. Im Februar 1917 wurde das Werbelogo vom Leipziger Grafiker Erich Gruner entwickelt. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Stadtratssitzungen und Prüfungen

Nach dem Corona-Lockdown läuft das Geschäft in Leipzig jetzt in kleinen Schritten wieder langsam an. So werden bereits Stadtratssitzungen und auch Diplomprüfungen in den Räumen der Messe abgehalten, sagte Knaut. Zudem hätten Unternehmen angefragt, die den eigenen Räumen die Abstandsregeln nicht einhalten können. "Wir rechnen mit weiteren kurzfristigen Anfragen".

Quelle: MDR/kt

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN | Radiotalk "Dienstags direkt" 02.06.2020 | 20:00 Uhr

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