Fußball Bundesliga Fans im Leipziger Stadion: Pilotprojekt oder Wettbewerbsverzerrung?

Seit dem 1. September dürfen in Sachsen wieder Großveranstaltungen mit mehr als 1.000 Menschen stattfinden - wenn ein genehmigtes Hygienekonzept vorliegt. Das haben zahlreiche Fußballclubs in Sachsen ausgearbeitet. RB Leipzig hat angekündigt, beim nächsten Heimspiel wieder vor Fans zu spielen. Die Ankündigung des Bundesligaspiels in Leipzig mit Zuschauern ruft neben Befürwortern der sächsischen Strategie auch Kritiker auf den Plan.

Red Bull-Arena in Leipzig ohne Fans
Leere Ränge in der Red Bull Arena sollen der Vergangenheit angehören. Ab dem 29. September ist die Rückkehr der Fans geplant. Bildrechte: imago images / Poolfoto / Kevin Voigt, Jan Hübner

Für viele Fußballfans ist es eine erleichternde Nachricht: Die ersten Vereine haben verkündet, in der neuen Saison wieder vor Fans spielen zu dürfen. Unter ihnen ist Bundesligist RB Leipzig. Am Mittwoch teilte der Verein auf seiner Internetseite mit:

Rückkehr zu Spielen mit Zuschauern! RB Leipzig plant, sein erstes Heimspiel der neuen Saison gegen den 1. FSV Mainz 05 am 20. September vor Zuschauern auszurichten.

RB Leipzig Vereins-Website

8.500 Fans aus Sachsen erlaubt

Nach Vereinsangaben wurde mit dem Gesundheitsamt der Stadt Leipzig ein "standortindividuelles Konzept" abgestimmt. Details zum Konzept sind bisher kaum bekannt: Klar ist aber, dass jeder Zuschauer einen Mund-Nase-Schutz ab Betreten des Stadions tragen muss. Um das Anreiseaufkommen gering zu halten, würden Tickets nur an Inhaber einer gültigen Dauerkarte und mit Wohnsitz in Sachsen verlost. "Bei der Vergabe der Tickets ist jeweils die sieben Tage Inzidenz von Neuinfektionen am Wohnort des Besuchers zu beachten. Übersteigt diese 20 Neuinfektionen auf 100.000 Einwohner am Montag vor dem Spiel, wird diese Person nicht für die Verlosung zugelassen", heißt es auf der Internetseite des Vereins. Rund 8.500 Besucher dürfen in den Zuschauer- und Hospitality-Bereichen der Red Bull Arena Platz nehmen.

Mintzlaff: "Rückkehr zur Normalität"

RBL-Geschäftsführer Oliver Mintzlaff sagte im Hinblick auf das Hygienekonzept: "Das ist keine Rocket Science. Wir haben dort keine neuen Erfindungen verpackt, die andere nicht auch haben. Auf der einen Seite haben wir hier in Leipzig einen geringen Infektionswert, der es uns grundsätzlich ermöglicht, Spiele mit Zuschauern durchzuführen. Auf der anderen Seite haben wir all die Erfahrungen der letzten Wochen und Monate gesammelt, mit weiteren Erfahrungen aus anderen Bereichen zusammengeführt und in ein Hygiene-Konzept gegossen." Alle sehnten sich nach Normalität zurück und das bedeute im Fußball, dass Zuschauer ins Stadion können. Daher sei die Akzeptanz des Konzepts der erste Schritt zurück zu ein bisschen Normalität.

Oliver Mintzlaff
RBL-Geschäftsführer Oliver Mintzlaff Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Eine Grafik veranschaulicht die erlaubte Anzahl an Fans in den Stadien verschiedener sächsischer Fußballvereine in der Corona-Pandemie.
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Weitere Fußballclubs in Sachsen wollen vor Fans spielen. Neben RB Leipzig wollen auch weitere Fußballvereine in Sachsen die Rückkehr ihrer Fans ins Stadion zulassen. Einige Clubs haben bereits grünes Licht von den zuständigen Gesundheitsämtern erhalten. Allerdings gelten auch hier strenge Auflagen und eine reduzierte Zuschauerzahl.

Kretschmer lobt

Unterstützt würden Konzept und Vorhaben von der Deutschen Fußball Liga (DFL), anderen Vereinen und der sächsischen Landesregierung, hieß von Seiten des Vereins. Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) lobte kurze Zeit später das Konzept der Leipziger Kicker auf Twitter.

Sachsens Sonderweg stößt auf Kritik

Eigentlich hatten Bundeskanzlerin Angela Merkel und die Ministerpräsidenten zuletzt entschieden, eine Arbeitsgruppe einzusetzen, die bis Ende Oktober Regelungen für den Umgang mit Zuschauern im Sport vorlegen soll. Nun könnte ein Flickenteppich bei der Zulassung von Zuschauern drohen - so die Befürchtung einiger Politiker.  

NRW und Bayern befürchten Wettbewerbsverzerrung

Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) sagte: "Man braucht in Deutschland vergleichbare Regeln. Natürlich ist das eine Wettbewerbsverzerrung, wenn in einem Stadion 8.000 Zuschauer sind und man einen Heimvorteil hat, und in einem anderen spielt man vor leeren Rängen." Dass Sachsen hier seinen eigenen Weg geht, kritisiert auch Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU).

Leipzig sendet kein gutes Signal. Die Liga muss selbst überlegen, ob sie jetzt tatsächlich einen Flickenteppich will.

Markus Söder Ministerpräsident Bayern im Interview mit der Funke-Mediengruppe

Baden-Württembergs Innenminister Thomas Strobl (CDU) strebt in der Debatte ebenfalls eine einheitliche Lösung an: "Wichtig ist mir für die Bundesliga eine einheitliche Regelung in allen Ländern und personalisierte Tickets sind dabei eine zentrale Anforderung und ein Muss - es geht um unsere Gesundheit, ja, am Ende sogar um unser Leben."

Markus Söder
Bayerns Ministerpräsident Markus Söder kritisiert die Sonderlösung in Sachsen. Bildrechte: dpa

VfL Wolfsburg: "Wird dem Fußball helfen"

Rückendeckung gibt es hingegen von anderen Vereinen. Der Geschäftsführer des VfL Wolfsburg, Michael Meeske, sieht in den Versuchen einiger Bundesligisten, so viele Fans wie möglich ins Stadion zu bekommen, keine Wettbewerbsverzerrung. Meeske sagte beim Interview bei Sky, alle hätten nun die Gelegenheit "mit den anderen Standorten, die größere Möglichkeiten haben, im Idealfall den Beleg zu erbringen, dass man durchaus Corona-kompatibel mit Zuschauern spielen kann. Und das wird dann mittelfristig sicherlich dem gesamten Fußball helfen können."

DOSB sieht Chancen für andere Sportarten

Auch der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), Alfons Hörmann, unterstützt das Vorhaben. Die Veranstaltungen in Leipzig könnten "möglicherweise als Pilotprojekt fungieren und wertvolle Hinweise liefern", wie man Zuschauer ins Wettkampfgeschehen verantwortungsvoll integrieren könne. "Für die Teamsportarten neben dem Fußball wird es in den kommenden Wochen vor allem darum gehen, dies auch in den Sporthallen zu ermöglichen", sagte Hörmann. Sportarten wie Handball, Basketball oder Eishockey seien in großem Ausmaß von Zuschauern und Ticketerlösen abhängig. Gemeinsam mit den Verbänden arbeite man intensiv an Konzepten und wolle "mit der Politik gemeinsam Wege aufzeigen, wie die Rückkehr in die Normalität erreicht werden kann."

Quelle: MDR/kp/dpa/SID

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL | 01.09.2020 | 19:00 Uhr

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