21.04.2020 | 18:58 Uhr Mehr Schutzkleidung aus Sachsen in der Corona-Krise

Sachsen braucht Schutzkleidung. Der Bedarf ist groß, die Lager sind leer. Um die Produktion voranzutreiben, hatte das Innenministerium mit Beginn der Corona-Krise eine Task-Force gebildet. Sie soll die Beschaffung und die Verteilung von Atemschutzmasken, Einmalhandschuhen, Schutzkitteln, -anzügen und -brillen, sowie OP-Masken organisieren. Vom Zentrallager in Leipzig aus wird das Material an Gesundheitsämter, Krankenhäuser, Rettungsdienste, Alten- und Pflegeheime verteilt. Doch wie läuft die Verteilung?

Lager mit Schutzausrüstung in Leipzig
Täglich kommen neue Masken aus China an. Der Bedarf übersteigt jedoch deutlich die Menge der bisherigen Lieferungen. Bildrechte: dpa

Die Schutzausrüstung wird streng bewacht: Polizeischutz steht rund um die Uhr vor dem Lager. Auch die Lkw-Lieferungen, die meist aus Stuttgart nach Leipzig kommen, werden laut Polizeidirektor Jens Naumann von Streifenwagen begleitet. Der Leiter der Task-Force erklärt, dass die Schutzausrüstung von China nach Frankfurt geflogen und von dort zunächst verzollt nach Stuttgart gebracht werde, da das Unternehmen Porsche dort die Qualität der Ausrüstung prüfe.

Es herrschen nach wie vor Lieferengpässe von Atemmasken und Schutzkleidung, sagt Naumann. "Derzeit klemmt es vor allem an der Lieferung der Ware aus China. Wir haben einen Bedarf von 15 Millionen Schutzmasken in einem halben Jahr. Bestellt haben wir 16,5 Millionen. Geliefert wurden bisher aber nur eine Millionen Masken. Bei den übrigen Schutzmaterialien ist es vergleichbar."

Lager mit Schutzausrüstung in Leipzig
Bildrechte: dpa

Der Bedarf, den wir bislang decken konnten, liegt unter fünf Prozent. Doch: Wenn man sich mal die letzte Woche anguckt, was wir an Ware geliefert bekommen haben, im Vergleich zu den drei Wochen davor, so ist doch ein Trend erkennbar, dass es besser wird, dass mehr Ware kommt und vor allem auch kontinuierlicher.

Jens Naumann Leitender Polizeidirektor

Sowohl der Pflegerat als auch die Träger der Einrichtungen wie der Arbeiter Samariter Bund wissen, dass die Landesregierung - wie alle - mit der Materialknappheit kämpfen. Die bestellte Ausrüstung kam bislang in unberechenbarer Menge an. An einem Tag wurde sogar nur ein einziger Karton geliefert.

Der große Schlag ist noch nicht gelungen. Es ist noch kein Material in so einer Größenordnung angekommen, dass die Heime aufatmen können. Wir sprechen jetzt davon, dass wir eine 14-Tage-Reserve anlegen für Sachsen. Das reicht bei weitem nicht aus, wenn Sie ein Ausbruchsgeschehen haben in einem Heim mit 100 Bewohnern. Und dann die Pflegekräften in den isolierten Bereichen schützen müssen, dann brauchen Sie eine ganze Menge an Schutzausrüstung. Und die ist in dem Umfang noch nicht da.

Michael Junge Sächsischer Pflegerat

Eigenproduktion in Sachsen

Um den dringenden Bedarf zu decken und in Zukunft unabhängiger agieren zu können, treibt man deshalb die Produktion in Sachsen an. "Die OP-Masken stammen ausschließlich aus sächsischer Produktion. Wir prüfen derzeit, wie man die Produktion in Sachsen aufbauen und verstärken kann, so dass man perspektivisch unabhängig von Lieferungen aus China sein kann", so Naumann.

Bis Herbst könnten die begehrten medizinischen Schutzmasken nach seiner Einschätzung auch im Freistaat produziert werden. Bislang lieferten acht sächsische Textil- und Modeunternehmen Mund-Nase-Schutzmasken an das Zentrallager in Leipzig. Die Masken sind jedoch nicht für den medizinischen Einsatz geeignet.

Lager mit Schutzausrüstung in Leipzig
Ein Blick in das Zentrallager in Leipzig. Bildrechte: dpa

Quelle: MDR/dpa/lt

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL| 21.04.2020 | ab 19:00 Uhr
MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 21.04.2020 | ab 13:00 Uhr im Radioreport

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