Universität Leipzig Forscher in Sachsen entwickeln Corona-Antikörpertest

Blutstropfen am Finger
Einige Tröpfchen Blut sollen für den neuen Corona-Antikörpertest ausreichen. Bildrechte: dpa

Wissenschaftler in Leipzig haben einen Corona-Antikörpertest auf den Markt gebracht. Nach Angaben der Pharmafirma Adversis Pharma ist er unter dem Namen "AProof" ab Dienstag in Apotheken verfügbar. Bei dem Test handelt es sich um ein gemeinsames Forschungsprojekt des Biotechnologisch-Biomedizinischen Zentrums (BBZ) der Universität Leipzig und der Firma Adversis Pharma in der BioCity. Es sei der erste in Sachsen entwickelte Corona-Antikörpertest, hieß es.

Test für den Heimgebrauch

Nach Angaben der Forscher eignet sich der Test für die Probenentnahme zu Hause – das Testkit enthalte alles nötige. Prof. Jörg Gabert von Adversis Pharma erklärt, wie es geht: "Man nimmt die im Test enthaltenen Lanzetten. Wenn sie sich gestochen haben, nehmen Sie die enthaltene Filterpapierkarte. Und darauf werden zwei, drei Blutstropfen getropft. Man sollte 20 bis 40 Minuten die Karte trocknen. In ein kleines Folientütchen kommt die getrocknete Filterpapierkarte rein und wird mit dem beigelegten Rückumschlag abgeschickt." Das ganze lande dann im Labor. Der Patient könne sich im Internet registrieren und nach 24 bis 48 Stunden mit einem persönlichen Code das Testergebnis abrufen.

Antikörper Test Universität Leipzig
Im Testkit ist alles enthalten, was für die Probenentnahme nötig ist: Lanzette, Testpapier, Gebrauchsanleitung, Folientütchen und die ID zur Ergebnisabfrage im Internet. Bildrechte: MDR/Barbara Brähler

"Nicht hundert Prozent eindeutig - aber aussagekräftig"

Die Entwickler beschreiben ihren Test als "relativ aussagekräftig". Prof. Ralf Hoffmann vom BZZ der Universität Leipzig stellt klar: "Er ist nicht hundert Prozent eindeutig. Es gibt falsch-positive Ergebnisse. Wir arbeiten daran, dass wir die verifizieren und ausschließen können. Aber der Test ist im Moment sehr zuverlässig und bietet damit eine gute Möglichkeit, auf Antikörper gegen das Corona-Virus zu testen."

Testreihe Dem Wissenschaftlerteam zufolge waren zuletzt 1.500 Proben aus den Jahren 2013 und 2014 untersucht worden – eine Infektion mit dem neuartigen Coronavirus konnte entsprechend ausgeschlossen werden. Die Proben stammten von Rauchern, Nichtrauchern, übergewichtigen Personen, Männern, Frauen und Menschen mit Vorerkrankungen. Das Ergebnis zeigte 1.480 negative und zehn positive Testergebnisse. Sieben Proben, konnten nicht eindeutig zugeordnet werden.

Bei wem könnte ein Test sinnvoll sein?

Laut Hoffman ist ein Test vor allem bei jenen sinnvoll, "die einen Infekt durchlebt haben, aber auch für Angehörige, die nicht positiv getestet wurden, aber vermuten auf Grund ihrer Symptome, das sie eventuell auch infiziert waren." Dr. Stephan Borte vom städtischen Klinikum St. Georg ergänzt: "Ich sehe ihn innerhalb der Alten- und Kranken-Pflegeeinrichtungen, der Kitas beispielsweise, um dort das Personal zu testen, was im direkten Kontakt mit den Risikogruppen ist. Und hier sollte man sicherlich vorschlagen, diesen Test durchzuführen und zu schauen: Wer hat möglicherweise unentdeckt und auch völlig unerwartet die Infektion bereits durchgemacht? Hier würden wir natürlich annehmen, dass eine Immunität, ein Schutz vor Ansteckung, schon besteht."

Antikörper Test Universität Leipzig
Der Antikörpertest aus Sachsen trägt den Namen "AProof". Bildrechte: MDR/Barbara Brähler

Made in Sachsen als Alleinstellungsmerkmal

Der Antikörpertest aus Sachsen ist nicht der erste seiner Art. Das Besondere, so beschreiben es die Wissenschaftler, sei aber, dass von der Entwicklung bis zum Testergebnis alles in einer Hand bleibe. Auch unterscheide den Test aus Leipzig, dass nur sehr wenig Blut gebraucht werde, um zu einem Ergebnis zu gelangen.

Kretschmer: "Innovationskraft in Sachsen"

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer und Wissenschaftsminister Sebastian Gemkow hatten sich am Montag in Leipzig über die Ergebnisse des Forschungsprojekts informiert. Kretschmer sagte, "die Entwicklung dieses Antikörpertests ist ein gutes Beispiel dafür, wie sich Innovationskraft im Freistaat entfaltet. Dass es hier gelungen ist, binnen weniger Monate von der Idee zum fertigen Anwendertest zu kommen, macht deutlich, wie zielorientiert alle beteiligten Forscher, Unternehmen, Behörden und Zertifizierungsstellen hier gearbeitet haben. Darauf können alle sehr stolz sein."

Gemkow lobt Zusammenarbeit

Wissenschaftsminister Gemkow lobte Zusammenarbeit und Vernetzung zwischen universitären und außeruniversitären Forschungseinrichtungen und Unternehmen: "Dabei entstehen Produkte, die den Menschen nicht nur in Sachsen direkt zugutekommen. Jeder hier in die Forschungsförderung investierte Euro ist gut angelegt. Der Freistaat wird deshalb auch in Zukunft nach Kräften unterstützen."

Forschung mit Steuern unterstützt

Der Test ist Ausgangspunkt weiterer Forschungsaktivitäten, die mit europäischen Geldern auf dem Gebiet der aktuellen Pandemiebekämpfung gefördert werden. Nach Angaben des Wissenschaftsministeriums ist das Gesamtforschungsprojekt bis 2022 angelegt und wird mit 323.000 Euro aus Mitteln des Freistaats und der Europäischen Union unterstützt.

Antikörper
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Antikörpertests auf SARS-CoV-2 Ein wichtiger Indikator um die Verbreitung des Corona-Virus in der Bevölkerung zu bestimmen, ist der Nachweis von Antikörpern. Im Gegensatz zum Virus selbst, sind die Antikörper, die ein Organismus dagegen ausgebildet hat, länger nachweisbar. Somit lassen sich auch Infektionen erfassen, die der oder die Betroffene noch gar nicht bemerkt hatte. Insgesamt tragen die Antikörper-Tests dazu bei, ein vollständigeres Bild über die tatsächliche Verbreitung des Virus in der Bevölkerung zu bekommen. Darüber hinaus hilft er, Risikogruppen besser schützen zu können. Antikörper werden in der Regel zehn bis 14 Tage nach einer Infektion gebildet und sind ab diesem Zeitpunkt sicher nachweisbar.

Quelle: Sächsisches Ministerium für Wissenschaft, Robert Koch-Institut

Quelle: MDR/kp

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 31.08.2020 | 16:05 Uhr

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