27.01.2020 | 16:24 Uhr Sächsische Mediziner sehen Lage bei Coronavirus entspannt

Infektionsmediziner in Sachsen mahnen angesichts der Ausbreitung des Coronavirus‘ zur Ruhe. "Die Panik, die immer wieder droht überzugreifen, gilt nicht für Deutschland", betont Prof. Dr. Christoph Lübbert von der Klinik für Infektiologie und Tropenmedizin am Klinikum St. Georg Leipzig. Das neuartige Coronavirus zeige zwar eine Verwandschaft zu den SARS- oder MERS-Viren, die errechnete Sterblichkeitsrate liege derzeit jedoch nur bei drei Prozent. Der Meinung ist auch Uwe Liebert, Direktor des Instituts für Virologie am Universitätsklinikum Leipzig: "Das Virus ist nicht zu vernachlässigen, scheint aber nicht so dramatisch zu sein wie bei anderen Erregern."

Keine bestätigten Fälle in Deutschland

Auch die Behandlung der Infizierten scheint weniger problematisch zu sein. "Die klinischen Probleme, die das Coronavirus verursacht, sind nach jetzigem Stand beherrschbar", betont Lübbert. "Derzeit gibt es noch keinen bestätigten Fall in Deutschland. Also ruhig Blut." Trotzdem müssten sich die Kliniken vorbereiten. Am Klinikum St. Georg gibt es dafür eine spezialisierte Infektiologie mit zwei Infektionsstationen - bei Bedarf auch eine Sonderisolierstation für Erkrankungen durch hochansteckende Erreger. Allerdings sei letztere bei Infektionen mit dem neuen Coronavirus wahrscheinlich nicht notwendig, so Lübbert.

Im Ernstfall Quarantäne

Bei typischen Symptomen werden betroffene Personen getestet, ergänzt Virologe Liebert. Allerdings nur, wenn sie sich in Wuhan aufgehalten haben, oder mit Infizierten Kontakt hatten. Das Ergebnis liege nach zwei Stunden vor. Im Ernstfall würden alle Schwerkranken auf der Intensivstation unter Quarantäne gestellt oder an die Isolierstation des Klinikums St. Georg überwiesen.

Atemschutz nicht notwendig, Flugtickets nicht stornieren

"Coronaviren sind uns schon lange bekannt", erklärt Lübbert. In Deutschland würden zehn bis 15 Prozent der Erkältungskrankheiten durch diese Viren verursacht. Atemschutzmasken wie sie zum Beispiel bei Operationen benutzt werden, seien vernünftige Schutzmaßnahmen, hätten aber in Deutschland derzeit wenig Sinn. "Das sind momentan die Sorgen der Menschen in China", gibt Lübbert zu bedenken. Im Falle eines Ausbruchs könne der Atemschutz das Infektionsrisiko jedoch erheblich senken, fügt Liebert hinzu. Auch einmal mehr Hände waschen sowie nicht in die Handflächen, sondern in die Armbeuge husten, könne helfen. Und auch das Flugticket nach China würde Liebert nicht stornieren. "Direkt nach Wuhan würde ich nicht fliegen. Ansonsten sehe ich derzeit keine sonderlichen Risiken."

Quelle: MDR/mar

Dieses Thema im Programm MDR AKTUELL RADIO | 27.01.2020 | 09:00 Uhr

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