eine Gruppe von Männern und Frauen sitzt um einen Tisch
Bildrechte: MDR/Barbara Brähler

14.06.2019 | 14:37 Uhr Juso-Chef Kevin Kühnert diskutiert in Leipzig

Unter dem Motto "Diese jungen Leute - meckern reicht uns nicht!" wurde am Donnerstag in Leipzig über die Rolle und den Einfluss junger Menschen in der Politik diskutiert. Eingeladen hatten die Jusos Sachsen. Mit auf dem Podium, Kevin Kühnert, Juso-Bundesvorsitzende. Das "Sprachrohr" der Jungen in der Partei, hat nicht nur junge Leipziger in den Kupfersaal gelockt. Auch die ältere Generation wollte wissen, wie junge Menschen mehr Gehör und Einfluss in die Politik bekommen.

eine Gruppe von Männern und Frauen sitzt um einen Tisch
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Donnerstag, kurz nach 17 Uhr, vor dem Kupfersaal in Leipzigs Innenstadt. Felix Ramberg, stellvertrender Landesvorsitzender der Jusos in Sachsen, bereitet die Podiumsdiskussion mit Juso-Bundesvorsitzenden Kevin Kühnert und Sophie Koch, Jugendkandidatin der SPD für die sächsische Landtagswahl vor. Ein Bekannter von ihm kommt vorbei und fragt: "Was machst du denn hier?" Ramberg: "Der Kevin kommt!" Bekannter: "Ist das nicht der, dessen Partei in Sachsen weniger Prozente hat, als mein Bier?". Eine Szenerie, die das Problem der SPD in Sachsen und im Bund mehr als treffend beschreibt. Für die 150 Zuhörer und Mitdiskutanten war das sicher ein Grund, um in den Kupfersaal zu kommen. Ein anderer war personeller Art: Kevin kommt, Kevin zieht.

"Diese jungen Leute - Meckern reicht uns nicht!"

Ein Mann steht vor einem Lokal
Felix Ramberg, stellvertretender Landesvorsitzender der Jusos in Sachsen findet, dass junge Menschen nicht nur eine Rolle in der Politik spielen sollten, sondern müssen. "Wir brauchen eine Verjüngung der Parlamente, wir brauchen auch eine Verjüngung in vielen kommunalen Bereichen. Und junge Leute sind einfach die Zukunft innerhalb der Politik. Die alte Garde hat ein bißchen ausgedient und da müssen wir jetzt ran." Eine Personaldebatte um den SPD-Bundesvorsitz hält Ramberg derzeit für unpassend. Unabhängig davon würde er es als Juso-Mitglied toll finden, wenn Kevin Kühnert eine führende Rolle einnehmen würde. "Er ist schon ein sehr aktives und sehr lautes Mitglied im SPD-Bundesvorstand. Würde Kevin eine tragende Rolle übernehmen, würde tatsächlich eine Parteiverjüngung stattfinden." Bildrechte: MDR/Barbara Brähler
Ein Mann steht vor einem Lokal
Felix Ramberg, stellvertretender Landesvorsitzender der Jusos in Sachsen findet, dass junge Menschen nicht nur eine Rolle in der Politik spielen sollten, sondern müssen. "Wir brauchen eine Verjüngung der Parlamente, wir brauchen auch eine Verjüngung in vielen kommunalen Bereichen. Und junge Leute sind einfach die Zukunft innerhalb der Politik. Die alte Garde hat ein bißchen ausgedient und da müssen wir jetzt ran." Eine Personaldebatte um den SPD-Bundesvorsitz hält Ramberg derzeit für unpassend. Unabhängig davon würde er es als Juso-Mitglied toll finden, wenn Kevin Kühnert eine führende Rolle einnehmen würde. "Er ist schon ein sehr aktives und sehr lautes Mitglied im SPD-Bundesvorstand. Würde Kevin eine tragende Rolle übernehmen, würde tatsächlich eine Parteiverjüngung stattfinden." Bildrechte: MDR/Barbara Brähler
Porträts von einem Mann
Frank Weiße findet Kevin Kühnert erfrischend für die Politik. Auch das Thema "junge Leute in die Politik" findet er gut. "Mich interessiert die andere Herangehensweise der Jungen, obwohl ich zur älteren Generation gehöre. Mehr auf sie hören, muss man nicht zwangsläufig, man sollte ihnen aber generell zuhören. Die Jungen bringen eine andere Denke in die Politik. Die "Alten" sollten auch versuchen, Schlüsse und Erkenntnisse daraus zu ziehen. Manche der älteren Politiker kommen vielleicht mit Social Media nicht zurecht, sind überfordert. Von daher sollten sie unbedingt auf die Jungen hören, deren Ratschläge annehmen und nicht gleich negieren, nach dem Motto: zu jung und unerfahren." Bildrechte: MDR/Barbara Brähler
Porträts von einer Frau
Anita Fichtner kam in erster Linie wegen Kevin Kühnert und nicht wegen der Thematik in den Kupersaal. "Ich habe ihn im Fernsehen gesehen und mich hat er mit seinen Antworten beeindruckt. Mich interessiert die Person, er ist jung, bringt sich ein und gibt den jungen Leuten eine Stimme." Bildrechte: MDR/Barbara Brähler
Porträts von einer Frau
Nadja Meissner, selbst SPD-Mitglied, treibt die Frage um, wie sich die jungen Menschen an der Politik beteiligen können, sollen und müssen. "Ich bin der Überzeugung, dass die Jusos nur Teil der Erneuerung sein können und bereits eine treibende Kraft sind. Da wir uns vor den Landtagswahlen befinden, und der Wahlkampf sicher kein Zuckerschlecken wird, erhoffe ich mir auch neue Impluse, gerade von Sophie Koch, die ja für den Landtag kandidiert." Bildrechte: MDR/Barbara Brähler
Porträts von Männern
Peter Ambos ist jung und engagiert sich in der Politik, als Juso-Mitglied. Er ist zur Podiumsdiskussion gekommen, weil er wissen will, wie dafür gesorgt werden kann, dass die Meinungen der Jungen mehr in der Politik gehört werden. "Natürlich auch, weil ich finde, dass Kevin Kühnert die richtige Person ist, um darüber zu reden. Ich würde nicht hierher kommen, wenn es das gleiche Thema wäre, aber auf dem Podium Annegret Kramp-Karrenbauer und Olaf Scholz sitzen würden. Ich bin der Überzeugung, dass Kevin Kühnert nicht nur in der SPD die Stimme der Jugend vertreten kann, sondern auch darüber hinaus." Bildrechte: MDR/Barbara Brähler
Porträts von Männern
Kevin Voitel ist in keiner Partei organisiert, dennoch interessiert er sich für Politik. In den Kupfersaal kam er, weil er mehr über den Zustand der SPD erfahren wollte. "Viele in der Führungsriege der SPD sind für mich nicht mehr so vertrauenswürdig. Ich will mir auch von Kevin Kühnert ein Bild machen, ob er für manche Belange in Frage kommt. Dass sich junge Menschen zum Beispiel bei "Fridays For Future" engagieren, finde ich sehr wichtig. Man merkt ja auch, dass es denen da oben nicht so gefällt, dass die Jungen aktiv werden. Die poltern rum, dass man sich engagieren soll, macht man das, ist es auch wieder nicht recht." Bildrechte: MDR/Barbara Brähler
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Gleich zu Beginn der Diskussion ging es darum, was sich ändern muss, damit junge Menschen eine Rolle in der Politik spielen können. Sowohl Sophie Koch, als auch Kevin Kühnert sahen das Problem vor allem in den überalteten Parlamenten, dass junge Belange eine lange Zeit nicht wahrgenommen worden sind - auch nicht von der SPD. Von den "Altpolitikern", von denen an diesem Abend immer wieder von den "weißen alten Männer in Anzügen" gesprochen wurden, fühlen sie sich nicht vertreten. Als Einzelner käme man gegen die etablierten Politiker nicht an, hier helfe nur Solidarität von allen, erklärte Sophie Koch. Die Rollenmodelle, die es schon viel zu lange gibt, müssen nach Meinung von Kevin Kühnert auch gegen Widerstände aufgebrochen werden.

Das Nutzen von Kommunikationsmitteln der sozialen Medien, wie Youtube-Videos oder Tweets seien oftmals spannender als 1.000 Seiten Papier und könnten die jungen Menschen auch besser erreichen, um sie an der politischen Debatte zu beteiligen, erklärt Sophie Koch.

Wir werden erst wieder mit einem scharfen Profil und ohne GroKo cool.

Sophie Koch Juso-Landesvorsitzende Sachsen

Zwar sei die SPD eine überalterte Partei, die Werte seien aber immer noch gültig, auch für die Jungen, erklärte Kevin Kühnert. Die SPD stirbt nicht, so Kühnert, die Kräfteverhältnisse stimmen nur nicht. "Die Jungen haben pauschal auch nicht immer die besseren Ideen", erklärt der 29-Jährige. Die Wähler würden daher der Bundes-SPD gerne mal die Kompetenz in Themen wie digitalisierte Gesellschaft, Klimaschutz absprechen. Und dass, obwohl die Jusos schon lange auf die Wichtigkeit dieser Themen hingewiesen haben - ihnen wurde nur nicht zugehört.
Beide Jungpolitiker riefen ihren Mitstreitern zu, nicht zu verzagen, sich solidarisch zu zeigen und für die Grundwerte der Demokratie und der Sozialdemokraten zu kämpfen.

Wir können es uns derzeit wegen AfD, Klimawandel und den sächsischen Verhältnissen nicht erlauben, unpolitisch zu sein.

Sophie Koch Juso-Landesvorsitzende Sachsen

Natürlich war auch die Zukunft der SPD Thema der Runde. Wie kann sie sich inhaltlich neu aufstellen, damit sie von den Wählern wieder ernst und wahrgenommen wird. Auch dazu hat Kevin Kühnert eine klare Meinung: Über wesentliche Fragen, über soziale Fragen wie Wohlstandsverteilung, über den Wert von Arbeit, darüber was uns die Daseinsvorsorge wert ist, muss gestritten werden - vor allem mit der Union. Er erwartet daher von seiner SPD, nicht nur bei Gerechtigkeitsfragen, klare Konzepte, über die bei Wahlen abgestimmt werden kann, ohne dafür ein Wahlprogramm von Anfang bis Ende gelesen haben zu müssen.

Zwei Stunden wurde heftig diskutiert und manchmal etwas gejammert. Für die junge Garde der SPD ein Beweis, dass die Jugend nicht politikverdrossen ist, sondern eine, die an der Politik und dem Mitwirken sehr interessiert ist.

Quelle: MDR/bb

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 14.06.2019 | 06:20 Uhr

AKTUELLES AUS SACHSEN

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25 Kommentare

15.06.2019 20:46 Auf der Sonnenseite des Lebens 25

@Ein Wessi 24

"müsste da nicht ein Ungelernter wie ein Heiland auf sie wirken? Müssten sie nicht mit Jubelgeschrei auf die Straße laufen, weil einer von ihnen Kanzler werden könnte?"

da haben sie recht, so habe ich das noch gar nicht gesehen.

Hoch lebe Kevin! Hoch hoch hoch

15.06.2019 15:17 Ein Wessi 24

Ich verstehe die Leute nicht. Nachdem unter anderem ein Dachdecker und aktuell eine Physikerin den Osten ins Unglück gestürzt hat bzw. hält, müsste da nicht ein Ungelernter wie ein Heiland auf sie wirken? Müssten sie nicht mit Jubelgeschrei auf die Straße laufen, weil einer von ihnen Kanzler werden könnte?

15.06.2019 12:44 aus Dresden 23

@1 und @10
treffliche Analyse. Leute wie Kühnert sind bzw. werden reine Apparatschiks aus der Partei und keine nur ihrem Gewissen unterworfenen Mandatsträger aus dem Volke.
Das unabhängige Mandat sieht anders aus.

15.06.2019 12:17 Willy 22

@ 3 wunderbarer Kommentar nicht wahr MDR ? diesen sollten man den kleinen nichtsbringenden Kevin zusenden damit er weiß was sache ist , vieleicht oder auch nicht merkt er dann wie dumm er sich verhält.

15.06.2019 12:10 REXt 21

Nun wird es in Sachsen mit der SPD, erst richtig bergab gehen!

15.06.2019 11:47 jochen 20

Ohne einen Abschluss und ohne jede Berufsausbildung - Selbstverständlich - Er muss natürlich mitreden.

15.06.2019 06:19 Spottdrossel 19

So überflüssig wie ein Kropf ist die SPD! Zur Sachsenwahl weniger als 5%, das schafft ihr! Nur weiter so.

14.06.2019 23:13 aus Dresden 18

@16 Ich bin für 'ne Renaissance einer Troika:
- Kevin Kühnert
- Ralf Stegner
- Sawsan Chebli

14.06.2019 21:24 aus Dresden 17

@3 und @8
Guter Beitrag!

"Die Rollenmodelle, die es schon viel zu lange gibt, müssen nach Meinung von Kevin Kühnert auch gegen Widerstände aufgebrochen werden."
Kulturrevolution ääh Nachtigall heißt es ja, ich hör dir trapsen.

"Von den "Altpolitikern", von denen an diesem Abend immer wieder von den "weißen alten Männer in Anzügen" gesprochen wurden, fühlen sie sich nicht vertreten."
Warum gib es einen SENat (Rom und Karthago), eine GERusia (Sparta), einen ÄLTESTENrat (Indianer), einen ÄLTERmann (Hanse)? ganz sicher nicht, damit Leute ohne Lebenserfahrung und ohne Verantwortung (und im Fall von Kevin Kühnert auch ohne Berufsausbildung) das gesamte von den Vorfahren und den älteren Generationen aufgebaute Gemeinwesen vor die Wand fahren können.

14.06.2019 21:16 Dreißiger 16

Jetzt noch den Stegner nach Sachsen einladen und der Sprung unter die 5%-Hürde ist gesichert.
Wir schaffen das!

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