13.07.2019 | 20:00 Uhr Regenbogen-Rekord: 12.000 bei CSD-Demo in Leipzig

Am Sonnabend zogen fast doppelt soviele Menschen als die Veranstalter erwartet hatten zum Leipziger Christopher-Street-Day mit einer Demonstration durch die Innenstadt. Angemeldet waren 7.000 Teilnehmende. Letztendlich kamen nach Veranstalterangaben 12.000 Menschen und brachten bunte Plakate mit politischen Forderungen mit. MDR SACHSEN-Autorin Sina Meißgeier war nicht zum ersten Mal dabei. Sie beobachtet, dass der Zulauf zum Leipziger CSD mit jedem Jahr größer geworden ist.

Bilder vom Christopher-Street-Day in Leipzig, 13. Juli 2019
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Unter dem Motto "50 Jahre Stonewall - Wir sind noch nicht fertig" fand am Sonnabend in Leipzig die Abschlussdemonstration der CSD-Woche statt und schlug alle bisherigen Rekorde. Nach Angaben der Veranstalter kamen etwa 12.000 Menschen. Angemeldet war die Demonstration mit 7.000 Teilnehmenden. In diesem Jahr erinnerte der CSD besonders an den Aufstand von Homosexuellen, Drag-Queens und Transgender gegen die Polizeiwillkür in der Christopher Street in New York Ende der 1960er-Jahre. 2009 bin ich zum ersten Mal nach New York gereist und stand auch vor dem Nachtklub "Stonewall Inn", wo die Schwulen- und Lesbenbewegung in den USA ihren Anfang nahm.

"50 Jahre Stonewall" und "Christopher-Street-Day" 2019 jährt sich zum 50. Mal der Aufstand von Homosexuellen, Drag-Queens und Transgender, die sich im New Yorker Nachtklub "Stonewall Inn" Polizeiwillkür widersetzt haben. Nach diesen Aufständen nahm die Lesben- und Schwulenbewegung in den USA an Fahrt auf. Den Nachtklub gibt es heute noch und er befindet sich in der Christopher-Street im New Yorker Stadtteil Manhattan.

In Deutschland heißen die Demonstrationen für die Rechte von Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Transgender (LGBT) Christopher-Street-Day, kurz CSD, während sie im Rest der Welt "Pride" (engl. Stolz) genannt werden. Anfang Juli fand der "World Pride" mit 4 Millionen Teilnehmenden in New York City statt.

Größter CSD bisher in Leipzig

Bilder vom Christopher-Street-Day in Leipzig, 13. Juli 2019
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Was ich am Sonnabend beim Leipziger CSD erlebt habe, hat nicht nur meine Erwartungen, sondern sicher auch die des CSD-Teams und vieler anderer Teilnehmenden übertroffen. Während bei meinem ersten Besuch vor mehreren Jahren eine handvoll kleine Wagen und etwa 3.000 bis 5.000 Menschen kamen, waren dieses Mal auffallend mehr und größere Wagen dabei.

Der Demonstrationszug startete am Marktplatz und führte am Hauptbahnhof entlang über den Augustusplatz, den Leuschnerplatz, vorbei am Neuen Rathaus, dem Bundesverwaltungsgericht und über die Harkortstraße und den Petersteinweg zurück zum Marktplatz. Der Zug war so lang, dass die Ersten schon das Bundesverwaltungsgericht passierten, während die Letzten noch am Leuschnerplatz waren. Auch die weiten Räume zwischen den Wagen waren gefüllt mit Laufgruppen.

Vielfalt der Community durch Plakate und Fahnen sichtbar

Schon längst sind außerdem nicht ausschließlich Schwule, Lesben und Drag-Queens auf der Demonstration sichtbar. An den Regenbogenfahnen zeigt sich zwar, dass die Sichtbarkeit der Homosexuellen am stärksten ist, aber immer mehr Menschen, die sich keinem der beiden Geschlechter oder einer sexuellen Orientierung zuordnen, waren mit Plakaten und Fahnen sichtbar. Zum ersten Mal sah ich eine Freundin von mir, die zur asexuellen Community gehört, selbstbewusst Flyer verteilen und Fragen beantworten. Das hätte ich mir vor einigen Jahren noch nicht so vorstellen können, denn es gibt nach wie vor auch Ausgrenzung in der sehr vielfältigen Gemeinschaft von Menschen, die letztlich ihr Recht auf Menschenwürde, gesellschaftliche Akzeptanz, Liebe und persönliches Glück leben wollen.

Bildergalerie Das war der Christopher-Street-Day 2019

Bilder vom Christopher-Street-Day in Leipzig, 13. Juli 2019
Unter dem Motto "50 Jahre Stonewall - Wir sind noch nicht fertig" fand am Sonnabend die Abschlussdemonstration der CSD-Woche statt. In diesem Jahr erinnerte der CSD besonders an den Aufstand von Homosexuellen, Drag-Queens und Transgender gegen die Polizeiwillkür in der Christopher Street in New York Ende der 1960er-Jahre. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Bilder vom Christopher-Street-Day in Leipzig, 13. Juli 2019
Unter dem Motto "50 Jahre Stonewall - Wir sind noch nicht fertig" fand am Sonnabend die Abschlussdemonstration der CSD-Woche statt. In diesem Jahr erinnerte der CSD besonders an den Aufstand von Homosexuellen, Drag-Queens und Transgender gegen die Polizeiwillkür in der Christopher Street in New York Ende der 1960er-Jahre. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Bilder vom Christopher-Street-Day in Leipzig, 13. Juli 2019
An den Regenbogenfahnen zeigt sich, dass die Sichtbarkeit der Homosexuellen am stärksten ist. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Bilder vom Christopher-Street-Day in Leipzig, 13. Juli 2019
Auffällige Kostüme gehören auch zum CSD. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Bilder vom Christopher-Street-Day in Leipzig, 13. Juli 2019
Das Team des CSD Leipzig selbst erfährt politische Unterstützung von SPD, Grünen, Linken und der Interessenvertretung von Schwulen und Lesben in der CDU. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
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Der Demozug führte unter anderem durch die Reichsstraße. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
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Die L-Gruppe stellte als städtischer Betrieb einen großen Wagen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
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Der Demonstrationszug startete am Marktplatz und führte am Hauptbahnhof entlang über den Augustusplatz ... Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
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... vorbei am Neuen Rathaus, dem Bundesverwaltungsgericht und über die Harkortstraße und den Petersteinweg zurück zum Marktplatz. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
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Der Leipziger CSD bleibt politisch

Das Team des CSD Leipzig selbst erfährt politische Unterstützung von SPD, Grünen, Linken und der Interessenvertretung von Schwulen und Lesben in der CDU. Es tritt mit klaren Forderungen auf: Anerkennung verschiedener Lebensweisen, Ablehnung von Rassismus, Nationalismus, Sexismus und sonstige Ausgrenzung, Abschaffung des Transsexuellen-Gesetzes und die Aufnahme von Hassverbrechen ins Strafgesetzbuch. Besonders auf letztere Forderung wurde in den Redebeiträgen wert gelegt und die Veranstalter reagieren damit auf eine vergangenen Monat veröffentlichte Studie zu Gewalt gegen Schwule, Lesben und Transgender in Sachsen. Die Forderungen wurden in allen Redebeiträgen wiederholt.

Quelle: MDR/sm

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 13.07.2019 | 15:00 Uhr in den Nachrichten

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22 Kommentare

16.07.2019 02:28 Michi aus München 22

Servus aus München, ich war am 13 Juli bei CSD München. Ein langer Zug mit vielen Tracks und Fußgruppen queer durch die Münchner Innenstadt. Unser Oberbürgermeister Reiter wie immer an der Spitze des Zuges. 155.000 Menschen die teilnahmen oder Zuschauer waren und das bei teilweisem Gewitter.
Eine Stadt wo alles auf den CSD ausgerichtet ist und es ganz normal ist das es so ist. Und ich gehe mit meinem Freund Hand in Hand in München, nicht nur am CSD, sondern wann immer wir es wollen. Ich denke ihr müsst in Leipzig noch vieles verändert, damit ihr das erreicht was bei uns normal ist. VG Michi

15.07.2019 21:48 Der Beobachter @ Alex 20 21

Belege? Schon allein aufgrund der geringen Zahl homosexueller unwahrscheinlich. Vor paar Jahren wurde ähnliches von HIV behauptet, bis sich heraus stellte, dass es v.a. heterosexuelle mit häufig wechselndem GV betraf.

15.07.2019 10:08 Alex 20

Die Zahl der bestätigten Syphilis-Fälle in Europa ist in den vergangenen Jahren stark gestiegen. Dies gelte vor allem für Männer, die Sex mit anderen Männern haben und in Städten leben. In Deutschland hat sich die Rate zwischen 2007 und 2017 verdoppelt. Schöne bunte Welt und viel Spaß weiter.

[Liebe User,
bitte bleiben Sie beim Thema.
Kommentare ohne Bezug zum Thema des Artikels werden entsprechend unserer Kommentarrichtlinien (http://www.mdr.de/service/kommentarrichtlinien100.html) nicht freigegeben.
Ihre MDR.de-Redaktion]

14.07.2019 22:50 Walter 19

@5 Kein Problem, ich war gestern Golfen.

Und wo ich einkaufe, sind keine Demonstranten, egal welcher Orientierung.

14.07.2019 22:19 Walter 18

@17 Ich nehme an, sie beziehen sich auf meinen mittlerweile nicht mehr lesbaren Kommentar.

Sie haben sicher vollkommen recht und ich habe auch nichts anderes behauptet.

Gleichgeschlechtlichtikeit ist natürlich und in jeder Art vorhanden.

Es ist aber eben so, dass homosexualität zur Erhaltung der Art die Ausnahme bleiben muss.

Das wird sicher jeder Zoologe und Naturwissenschaftler bestätigen.

14.07.2019 20:51 DER Beobachter 17

Erstaunlicherweise finden Sie zumindest unter in gruppen lebenden Vögeln und Säugetiere proportional zum Menschen vergleichbar Homosexualität. Wird ihnen jeder Zoologe bestätigen. Von wegen naturwissenschaft und so.

14.07.2019 17:51 Walter 16

[Wegen des Verstoßes gegen unsere Richtlinien (http://www.mdr.de/service/kommentarrichtlinien100.html) wurde dieser Kommentar entfernt. Die MDR.de-Redaktion]

14.07.2019 14:33 aus Dresden 15

Mein schwuler Freund sagt gerne:
"Ohne das klassische Modell von Ehe und Familie gäbe es gar keine Schwulen".
Leben und leben lassen, ist das Motto.

14.07.2019 13:00 Andi 14

Bitte korrigieren Sie die Grammatik im ersten Satz des Artikels : "Am Sonnabend zogen fast doppelt soviele Menschen als die Veranstalter erwartet hatten."
Mehr als erwartet, aber doppelt soviel WIE erwartet. Mir stellen sich da als Grammatik-Nazi die Nackenhaare auf. Ansonsten aber ein sehr guter und schöner Artikel :)

14.07.2019 12:00 Kirchenmitglied 13

Ja, @Wachtmeister, das eigentlich Fatale ist doch, dass die Genervten der festen Meinung sind, man könne die sexuelle Orientierung und die damit verbundenen Emotionen willentlich beliebig steuern. Und aus dieser Überzeugung heraus verurteilen die Genervten die an der CSD-Demo aktiven Teilnehmer als willensschwach und ordnen ihnen noch viel schlimmere Attribute zu. Die Genervten sind gegenüber vernünftiger Argumentation und vor allem wissenschaftlichen Zusammenhängen resistent.

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