Passanten gehen durch die Fußgängerzone in der Grimmaischen Straße in Leipzig.
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Studie zu deutschen Innenstädten Besucher finden Leipzigs Innenstadt am attraktivsten

Warum gehen Menschen in die Innenstädte, wo doch jeder auch online einkaufen und Dienstleistungen erledigen kann? Es gibt viele Gründe, mit denen Städte Besucher locken können. Unter den Großstädten gelingt das offenbar Leipzig am besten, denn die Stadt hat laut einer Umfrage die attraktivste Innenstadt zu bieten.

Passanten gehen durch die Fußgängerzone in der Grimmaischen Straße in Leipzig.
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Ostdeutsche Innenstädte sind bei Passanten beliebt. Bei den Großstädten hat Leipzig die besten Bewertungen bekommen. Das ergab eine Befragung von rund 59.500 Menschen in 116 deutschen Innenstädten des Kölner Marktforschungsinstituts IFH. Leipzig war bereits 2016 auf dem ersten Platz gelandet.

In der Größenklasse 200.000 bis 500.000 Einwohner setzte sich Erfurt durch, bei den kleineren Städten Stralsund und Wismar. Für die Studie "Vitale Innenstädte 2018" hatten die Forscher Passanten unter anderem nach Ambiente, Erreichbarkeit, Parkplätzen, Ladenöffnungszeiten, Gastronomie, Einzelhandels- und Freizeitangeboten gefragt. Vier Städte verschiedener Größen wurden in die bundesweite Studie mit einbezogen. Die Ergebnisse im Einzelnen:

Leipzig mit Siegernote 2,3

Im Wettstreit mit deutschen Großstädten wie Köln, Nürnberg und Frankfurt/Main empfanden die Befragten Leipzig als attraktivste Innenstadt und gaben die Gesamtnote 2,3. "Was die Leipziger Innenstadt auszeichnet, ist der funktionierende Mix aus Handel, Gastronomie, Kultur und vielfältigen Dienstleistungen auf kurzem Weg. Dazu kommt das einzigartige Passagen- und Hofsystem", sagte der Hauptgeschäftsführer der IHK, Thomas Hofmann. Er würdigte zudem die Teamarbeit der ansässigen Händler, Gastronomen, Stadt, Verbände und Interessengemeinschaften.

Chemnitz mit Note 2,8

Die Attraktivität der Innenstadt wird insgesamt mit Note 2,8 bewertet. Auffällig ist, dass die Befragten in der Chemnitzer City Restaurants und Kneipen viel seltener nutzen als Besucher vergleichbar großer Innenstädte. 13,3 Prozent nutzen in Chemnitz die gastronomischen Angebote. Andernorts sind es mehr als doppelt so viele (27,5 Prozent). Parkmöglichkeiten und Einzelhandelsangebote könnten für die Befragten noch attraktiver gestaltet werden. Einige bemängelten in der Studie auch das Flair der Straßenzüge.

Passantinnen mit Einkaufstaschen und Plastiktüten.
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Das spiegelt für die Initiative "Chemnitz City" Punkte wieder, an denen in den nächsten Jahren gearbeitet werden soll. "Konkret sprechen wir gerade zum Thema Gestaltung und Schaffung von Aufenthaltsqualität sowie Verweildauer mit Eigentümern innerstädtischer Objekte und Flächen", teilte Chemnitz City mit. Der typische Besucher der Chemnitzer Innenstadt sind Chemnitzerinnen im Alter von 42 und 43 Jahren. Sie gehen einmal in der Woche ins Stadtzentrum zum Einkaufen, für Behördengänge oder zu Arztterminen. Am Wochenende haben sie neben Shopping-Wünschen vor allem das Bummeln und Sightseeing im Sinn. Wenn die Besucherinnen wochentags in die Stadt fahren, dann meit mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Sonnabends sind Autos oder Motorräder das beliebsteste Verkehrsmittel für den Weg.

Zwickau bekommt Note 2,3

Die Attraktivität bewerteten die Befragten mit der Note 2,3. Vergleichbare Städte bekamen nur eine 2,5. Gute Bewertungen bekam die Innenstadt in den Kategorien Erreichbarkeit mit öffentlichen Verkehrsmitteln und mit dem Fahrrad (je eine 1,7), Ladenöffnungszeiten (1,9), Gastronomie- und Freizeitangebot (2,0). "Veranstaltungen wie das Stadtfest, das historische Markttreiben oder Events zu 900 Jahre Zwickau sind jeder für sich ein Kraftakt, machen sich jedoch bezahlt", meinte die Leiterin des Büros für Wirtschaftsförderung der Stadt, Sandra Hempel. Als verbesserungswürdig werteten die Befragten das Thema Sicherheit in der Innenstadt. Dafür bekam Zwickau eine 2,6.

"Der typische Innenstadtbesucher kommt aus Zwickau, ist weiblich und 45 Jahre alt“, sagte die Referatsleiterin für Handel/Dienstleistungen bei der IHK Regionalkammer Zwickau, Kathrin Stiller.

Freiberg erhält auch eine 2,3

Die Durchschnittsnote für Städte in der Größe Freibergs liegt bei 2,7. Die Silberstadt konkurrierte mit Städten wie Fürstenfeldbruck und Itzehoe. Freiberg schnitt in der Befragung aber besser ab und erhielt für seine Gesamtattraktivität eine 2,3. Vor allem bei Freibergern im Alter von 48 Jahren, die mit dem PKW in die Innenstadt fahren, kommen die Innenstadt-Angebot gut an. Auch die Parkmöglichkeiten in der Freiberger Innenstadt wurden als gut bewertet. Laut IHK Chemnitz können sich die Geschäfte in Freiberg freuen: Die Innenstadt wird hauptsächlich zum Einkaufen besucht. Ebenso würdigten die Befragten das Altstadt-Flair (2,0), die historischen Fassaden und sanierten Gebäude (1,9). Neun von zehn befragten Passanten besuchen das Stadtzenzrum, wenn dort Veranstaltungen oder Feste stattfinden.

Die IHK will die Studienergebnisse Freiberger Händlern und Mittelständlern und Wirtschaftsvertretern vorstellen. Denn: "Attraktive Innenstädte sind zunehmend ein bedeutender Standortfaktor für Unternehmen aller Branchen", begründet IHK-Referentin Cindy Krause diesen Schritt.

Laue Begeisterung für Innenstädte

Im Vergleich mit anderen deutschen Innenstädten stechen die sächsischen Teilnehmerstädte mit ihren Bewertungen bei der Gesamtattraktivität positiv heraus. Insgesamt betrachtet gaben Verbraucher den deutschen Innenstädten nur die Schulnote "3". "Die Innenstädte kommen nicht voran. Eine 'Drei plus' reicht auf Dauer nicht, um in Zeiten des Strukturwandels konkurrenzfähig zu sein", sagte der Geschäftsführer des Befragungsinstituts, Boris Hedde. Die Kommunen müssten mehr für die Aufwertung ihrer Innenstädte tun, denn der Handel befinde sich in einem "knallharten Standortwettbewerb". Wichtig ist den Verbrauchern der Umfrage zufolge vor allem das Ambiente und die Vielfalt des Einzelhandelsangebots in einer Innenstadt. "Wer mit einer historischen Altstadt oder einer in Jahrhunderten gewachsenen Stadtsilhouette punkten kann, hat es immer einfacher." Punkten könnten aber auch alle anderen Städte, wenn sie Events und Gastro-Erlebnisse böten und das Einkaufen für Kunden so bequem wie möglich gestalteten.

Quelle: MDR/kk/mw/dpa

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 23.01.2019 | ab 10:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus den Studios Leipzig und Chemnitz

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Zuletzt aktualisiert: 24. Januar 2019, 12:00 Uhr

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