Ein Mann steht auf einem Lime-S Elektroroller.
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30.04.2019 | 13:22 Uhr Pro und Contra: E-Scooter bald auch in Leipzig

E-Scooter oder schlicht Elektroroller sind bereits in vielen europäischen Städten zugelassen. Bald könnten auch in Leipzig Passanten und Touristen mit den strombetriebenen Tretrollern durch die Innenstadt flitzen. Doch während die einen die Zulassung kaum erwarten können, graut es den anderen vor Chaos und Unfällen.

Ein Mann steht auf einem Lime-S Elektroroller.
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In Paris, Kopenhagen oder Madrid sausen sie bereits durch die Gegend. Menschen auf flüsterleisen Elektrorollern, die sich durch Passanten schlängeln, nicht immer auf dem Radweg fahren, mal mit Helm unterwegs sind und mal ohne. Schon bald könnten die kleinen E-Scooter auch zum Leipziger Stadtbild gehören. Das hängt zunächst von der Zustimmung des Bundesrates ab. Gibt der am 17. Mai grünes Licht, wird es für Stadt, Polizei und Verkehrsteilnehmer bald ernst. MDR SACHSEN hat nachgefragt, welche Bedenken Verkehrsministerium sowie Verkehrsplaner hegen und wie sich Stadt und Polizei in Leipzig auf die Elektroflitzer vorbereiten.

Sachsen will Mindestalter und Versicherungsmarke

Gleich vier Änderungsanträge hat der Freistaat Sachsen am Dienstag im Verkehrsausschuss des Bundesrats eingereicht. Es geht um die Klassifikation der Elektro-Kleinstfahrzeuge, wie sie in der Politik genannt werden. Darüber hinaus auch um das Mindestalter der Fahrer, die mögliche Erfordernis einer Fahrerlaubnis sowie die Flächennutzung. Beim letzten Punkt dreht es sich um die Frage, ob Elektroroller auch auf Gehwege gehören, der größte Streitpunkt zwischen Bund, Ländern und Gemeinden. "Grundsätzlich begrüßt Verkehrsminister Martin Dulig die geplante Verordnung", heißt es aus dem Ministerium in Dresden. "Die Zulassung darf aber nicht mit zusätzlichen Gefährdungen anderer Verkehrsteilnehmer verbunden sein." Außerdem plädiert Dulig dafür, dass E-Scooter eine Versicherungsmarke brauchen und Kinder nur mit gedrosselten Rollern fahren dürfen.

Wir brauchen in Deutschland eine Regelung um unsere Menschen die Sicherheit zu geben, wo bestimmte Fahrzeuge hingehören und wo nicht. Ein Roller der nur Schrittgeschwindigkeit, also bis 6 km/h fährt, den kann man auch auf dem Gehweg zulassen.

Sachsens Verkehrsminister Martin Dulig (SPD)

Mangelnde Infrastruktur in den Städten

Anders sieht das der Stadt- und Verkehrsplaner Tim Tröger vom Leipziger Stadtlabor. Wenn es um Parkpkätze oder Radfahrwege geht, müssten Passanten schon viel zu häufig zurückstecken. "Fußgänger sind Fußgänger und denen sollte der Gehweg immer vorbehalten sein. Leider haben Fußgänger die geringste Lobby", sagt Tröger im Gespräch mit MDR SACHSEN. Die aktuelle Debatte zeige außerdem, dass die Infrastruktur in den Städten mangelhaft sei.

"Wir haben keine Angebote, die sich zwischen klassischer Fahrbahn und entspanntem Radweg bewegen. Auch in Leipzig haben wir keine lückenlosen Netze, die beispielsweise für den Radverkehr geeignet sind", so Tröger. Deshalb sehe sich der Gesetzgeber nun gezwungen, die Elektroroller aus der Not heraus auf die Bürgersteige zu bringen.

Der Elektroroller ist ein mittelschnelles Verkehrsmittel. Man ist damit ein schnellerer Fußgänger und ein langsamerer Radfahrer.

Verkehrsplaner Tim Tröger Stadtlabor Leipzig

Polizeidirektion Leipzig wartet Gesetzgebung ab

Die Beamten der Polizeidirektion Leipzig beschäftigt derweil eine ganz andere Sorge. "Die E-Scooter haben teilweise sehr kleine Räder und der bauliche Zustand der Gehwege ist dafür nicht immer geeignet", sagt Sprecher Alexander Bertram. Fahre jemand mit einem Elektroroller in tiefere Löcher oder Rinnen, könnte er die Kontrolle über das Gefährt verlieren. Stürze und Verletzungen wären die Folge.

Ansonsten warten die Beamten gelassen ab, wie die Gesetzeslage konkret aussehen wird. "Wir können uns auf künftige Kontrollen noch nicht vorbereiten, weil es schlicht noch keine Regelungen gibt und viele Details umstritten sind", sagt Bertram. Eines stellt er allderings auch klar. Sollte der Einsatz auf Gehwegen vom Gesetzgeber erlaubt werden, könne man die Elektroroller in der Fußgängerzone nicht einfach so verbieten. Dann heißt es womöglich: Aufpassen beim Einkaufsbummel in der Leipziger Innenstadt.

Stadt Leipzig erwägt eigenen E-Scooter-Verleih

Für die Stadt Leipzig beschäftigt sich das Verkehrs- und Tiefbauamt mit der Thematik Elektroroller. Dort sorgt man sich, dass die Fahrradwege durch die E-Scooter überlastet werden könnten. "Von den Geschwindigkeiten erwarten wir hier die geringsten Probleme. Allerdings kann es zu einer großen Herausforderung werden, wenn die Flächen an ihre Kapazitätsgrenzen kommen", erklärte die Stadt. In einem solchen Fall würde man die E-Roller selbstverständlich in der künftigen Verkehrsplanung berücksichtigen.

Ein Verleihsystem analog zum Carsharing hält die Stadt ebenfalls für vorstellbar. "Zielstellung sollte dann auch eine Integration in die Mobilitätsplattform Leipzig mobil der LVB sein", so die Pressestelle. Erste Gespräche dazu würden bereits mit den Leipziger Verkehrsbetrieben geführt. Eine Entscheidung dazu und wie man genau mit den Elektrorollern umgeht würde aber von den politischen Entscheidungen und der Praxis abhängen.

Auch Rollerverleiher sitzen in den Startlöchern

Auf eine sichere Gesetzeslage warten auch Anbieter von Leih-Scootern, die sich bald auf dem deutschen Markt ausbreiten wollen. Wie beispielsweise der Verleier Hive, deren deutscher Ableger in Hamburg sitzt. Das Unternehmen verleit bereits Elektroroller in Warschau, Athen und Wien. Auf Anfrage von MDR SACHSEN erklärte ein Unternehmenssprecher, dass man die Zustimmung im Bundesrat abwarte. Dann wolle man sich entscheiden, in welchen deutschen Städten das Leihgeschäft aufgebaut werden soll. Ob und wann Leipzig, Dresden oder Chemnitz zu den Standorten zählen werden kann die Firma jetzt noch nicht sagen.

Quelle: MDR/cg

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 30.04.2019 | 11:00 Uhr in den Nachrichten

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4 Kommentare

01.05.2019 22:02 W. Holt 4

Die Herren/Damen und was weiß ich noch-Planer/Politiker /Experten sollten nicht vergessen das der Fußgänger auf Fußwegen das Hoheitsrecht besitzt!

01.05.2019 19:24 jackblack 3

Faulheit lass los, schon jetzt sind die Fusswege voll, am besten noch durch die Fußgängerzonen rasen, kommt aus Amerika, aber kam da schonmal was WIRKLICH Vernünftiges her ???

01.05.2019 11:03 Sonja 2

wir können uns dazu noch freuen für die alten Leute mit Rollador u s w . ist es eine bodenlose Frechheit, sowie auch dann für Kinder den man hört diese nicht von hinten,
naja es müssen auch paar weg an Bürger um neue wieder rein zuholen, logisch dieser unmögliche zustand, es werden sehr schöne Unfälle passieren das steht heut schon fest.

30.04.2019 18:25 Anfrage 1

Wer schützt endlich die Fußgänger vor den Radfahrern und nun auch von Elektorollern in DD z.B. vom aslbertplatz bis zum Hauptbahnhof? Hat der Fußgänger nun auch dort immer in Habachtstellung zu sein und kann nicht von einer Seite zur anderen bummeln und seinen Gedanken nachzuhängen? Nur noch eine Spaßgesellschaft!

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