02.02.2020 | 22:22 Uhr CDU-Kandidat Gemkow gewinnt erste Runde der OB-Wahl in Leipzig

In Leipzig waren am Sonntag die Bürgerinnen und Bürger aufgerufen, ein neues Stadtoberhaupt zu wählen. Im ersten Wahlgang konnte keiner der Kandidaten die erforderliche absolute Mehrheit erreichen. Das Ergebnis war dennoch überraschend. Amtsinhaber Burkhard Jung (SPD) unterlag seinem CDU-Herausforderer Sebastian Gemkow. Für die rund 470.000 Wahlberechtigten heißt das, sie müssen am 1. März erneut an die Wahlurnen.

Sebastian Gemkow (CDU,M), Wissenschaftsminister von Sachsen und Kandidat der CDU für die Oberbürgermeisterwahl, erhält am Wahlabend im Neuen Rathaus Glückwünsche von seinen Parteifreunden.
Wissenschaftsminister Sebastian Gemkow (CDU) wird am Sonntagabend von seinen Anhängern gefeiert. Bildrechte: dpa

Bei der Oberbürgermeisterwahl in Leipzig hat am Sonntag keiner der Kandidaten die erforderliche absolute Mehrheit erreicht. Dennoch war das vorläufige Wahlergebnis für viele überraschend.

Amtsinhaber Burkhard Jung (SPD) erhielt nur 29,8 Prozent der Stimmen und unterlag damit seinem CDU-Herausforderer Sebastian Gemkow, der 31,6 Prozent erreichte. Das drittbeste Ergebnis erzielte mit 13,5 Prozent Franziska Riekewald von den Linken vor der Grünen-Bewerberin Katharina Krefft mit 12,0 Prozent. Der AfD-Kandidat Christoph Neumann kam mit 8,7 Prozent nur auf ein einstelliges Ergebnis. Marcus Viefeld von der FDP, Katharina Subat von Die Partei und Ute Elisabeth Gabelmann von der Piratenpartei landeten abgeschlagen auf den letzten Plätzen.

Insgesamt lag die Wahlbeteiligung bei 49,1 Prozent und damit höher als bei der Wahl vor sieben Jahren. Der zweite Wahlgang findet am 1. März statt. Dann reicht die einfache Mehrheit.

Wahlkampf 2.0 bei CDU und SPD

Sebastian Gemkow zeigte sich schon während der Auszählung am Abend dankbar für das Vertrauen, dass ihm die Wählerinnen und Wähler entgegenbrachten. "Jetzt gilt es, in den nächsten Wochen noch mehr von der Richtigkeit der Ideen zu überzeugen", sagte der 41-jährige Christdemokrat MDR SACHSEN. Ausschlaggebend für seinen Wahlerfolg seien aus seiner Sicht die richtigen Themen und das Vertrauen in seine Lösungsansätze gewesen - vor allem bei den bestimmenden Themen wie Innere Sicherheit, Mobilität oder Wohnen.

Es wird in den nächsten Wochen noch einmal darauf ankommen, zu mobilisieren und zu überzeugen. Ich schaue optimistisch auf die kommenden Wochen und den nächsten Wahlgang.

Sebastian Gemkow OB-Kandidat CDU

Amtsinhaber Burkhard Jung musste bei dieser Wahl zehn Prozent Stimmverluste hinnehmen. Der 61-Jährige nutzte aber den öffentlichen Wahlabend im Leipziger Neuen Rathaus gleich für eine Kampfansage in Richtung CDU. Jetzt gehe es um die Wurst, sagte der Sozialdemokrat vor seinen Anhängern. "Jetzt geht es um Progessivität oder Rolle rückwärts, um Modernität oder fest verwurzelte Homogenität, es geht um Internationalität, Weltoffenheit, bunte Stadt oder rechts, gescheitelt, rechts gekämmt."

Ich denke, wir haben jetzt die Aufgabe, alle, die eine moderne, offene und internationale Stadt wollen, zusammenzubringen und in den zweiten Wahlkampf zu bringen. Und wir werden gewinnen.

Burkhard Jung, SPD Oberbürgermeister

Burkhard Jung (SPD), amtierender Oberbürgermeister, kommt mit seiner Frau Ayleena und Martin Dulig (SPD), Wirtschaftsminister von Sachsen, am Wahlabend ins Neue Rathaus
Bildrechte: dpa

Enttäuschung bei den Linken, Freude bei den Grünen

Franziska Riekewald von der Partei Die Linke war von ihrem Wahlergebnis enttäuscht, freute sich aber über den dritten Platz. "Das war eines meiner Wahlziele", sagte sie MDR SACHSEN. Das Ergebnis, das Burkhard Jung erzielte, überraschte aber auch sie.

Ich bin erstaunt, dass Herr Jung so viele Prozente verloren hat. Das hätte ich nicht gedacht.

Franziska Riekewald OB-Kandidatin Die Linke

Am Dienstag will der Stadtvorstand der Linken in einer Sondersitzung entscheiden, wie mit dem Ergebnis umgegangen werden soll.

Katharina Krefft zeigte sich mit ihrem Ergebnis zufrieden. Zweistellig bedeute, dass die Grünen in der Wählergunst im Vergleich zur OB-Wahl 2013 mit 6,9 Prozent zugelegt hätten, sagte sie. Das sei erst einmal eine Bestätigung für ihre Partei.

Das heißt, dass die Wählerinnen und Wähler uns Grüne stark machen und mehr von uns an grüner Politik wollen.

Katharina Krefft OB-Kandidatin Bündnis 90/Die Grünen

Auch sie werde sich mit ihrer Partei nun beraten und entscheiden, ob sie am 1. März erneut antritt.

Viefeld: "Unter die Räder gekommen"

Marcus Viefeld von der FDP war mit seinem Wahlkampf zufrieden, von dem Ergebnis von 1,2 Prozent allerdings enttäuscht. "Wir haben einen modernen und nach zukunftsorientierten Themen ausgerichteten Wahlkampf geführt." Bei der Oberbürgermeisterwahl schaue man auf die Großen, da komme man als kleine Partei bei den Ergebnissen auch mal gefühlt unter die Räder, sagte Viefeld.

Die Themen, die wir gespielt haben, waren wichtig. Hätten wir das Thema der digitalen Verwaltung nicht angesprochen, hätte es niemanden interessiert. Und das ist die wichtigste Zukunftsaufgabe für die Stadt Leipzig in den nächsten Jahren.

Marcus Viefeld OB-Kandidat FDP

Ob Viefeld noch einmal antreten wird, steht noch nicht fest. Er wolle das nicht allein, sondern mit seiner Partei entscheiden, sagt er MDR SACHSEN. "Ich bin nicht als Einzelkämpfer, sondern mit meiner Partei gemeinsam in den Wahlkampf gezogen. Wir werden das morgen in aller Ruhe beraten und entscheiden, wie es weitergeht."

Taktisches Wahlverhalten?

Auch Christoph Neumann von der AfD ist mit seinem Ergebnis nicht ganz zufrieden. Den Grund, warum er nur 8,7 Prozent der Stimmen erhielt, sieht er auch im Wahlverhalten in seiner Partei.

Wir haben es von verschiedenen Leuten gehört, auch aus den eigenen Reihen, dass man bewusst Herrn Gemkow die Stimmen gegeben hat, weil man ein Signal setzen wollte.

Christoph Neumann OB-Kandidat AfD

Das Bürgertum habe ein Signal setzen wollen, so Neumann. Leipzig solle wieder bürgerlich werden. Auch er werde für einen zweiten Wahlgang zur Verfügung stehen, sagte Neumann MDR SACHSEN. Man werde nächste Woche auf einem Parteitag entscheiden, wie es weitergeht.

Bis zum 7. Februar können die Wahlvorschläge für den zweiten Wahlgang zurückgezogen werden. Am gleichen Tag wird auch der Wahlausschuss die zugelassenen Wahlvorschläge für den zweiten Wahlgang bestätigen.

Machtwechsel nach 30 Jahren?

In Sachsen gibt es keine Stichwahlen, sondern zweite Wahlgänge. Theoretisch können alle acht OB-Kandidatinnen und -kandidaten noch einmal antreten. Für den Wahlsieg reicht im zweiten Wahlgang eine einfache Mehrheit. CDU-Herausforderer und Sieger des ersten Wahlgangs, Sebastian Gemkow, sowie der AfD-Bewerber Neumann haben ihren Willen zur zweiten Runde schon bekundet, ebenso Amtsinhaber Jung (SPD). Die Linken-Politikerin Riekewald, Krefft von den Grünen und FDP-Kandidat Viefeld wollen erst mit ihren Parteien sprechen.

Das Leipziger Rathaus ist seit drei Jahrzehnten in der Hand der SPD. Umfragen hatten den SPD-Mann Jung vor der Wahl am Sonntag noch weit vor Gemkow gesehen. Der 61-Jährige ist seit 2006 Rathauschef in Leipzig und bewirbt sich um eine dritte Amtszeit.

Quelle: MDR/bb

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL | 02.02.2020 | 19:00 Uhr

Mehr aus Leipzig, dem Leipziger Land und Halle

Mehr aus Sachsen