14.01.2020 | 15:57 Uhr Ermittlungen nach Tod eines Jungen in Bad Lausick eingestellt

Unglück Bad Lausick
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Mehr als drei Monate nach dem Tod eines Elfjährigen in Bad Lausick hat die Staatsanwaltschaft Leipzig ihre Ermittlungen zu dem Fall eingestellt. Es habe sich keine gesicherten Anhaltspunkte für ein Fremdverschulden am Tod des Jungen ergeben, teilte die Behörde am Dienstag mit. Ein Verfahren wegen fahrlässiger Tötung sei daher nicht eingeleitet worden. Ende September war der Junge in einem Silo einer alten Mühle 20 Meter in die Tiefe gestürzt und gestorben. Er soll mit anderen Kindern auf dem privaten Gelände gewesen sein.

Verkehrssicher oder nicht?

Neben den Ermittlungen zu den Umständen des Unglücks wurde auch zur möglichen Verletzung von Verkehrssicherungspflichten ermittelt, hieß es. Die Ermittler konnten die konkreten Umstände aber nicht aufklären. Daher könne auch kein "sicherungspflichtiger Dritter" - etwa der Grundstückseigentümer - verantwortlich gemacht werden.

Hinzu komme, so die Staatsanwaltschaft, "dass der Tod des Jungen in diesem konkreten Fall auch nicht vorhersehbar war". Im Zuge der Ermittlungen hatten Polizei und Staatsanwaltschaft das gesamte Gelände untersucht und dabei zwar eine "mangelhafte Gelände- und Gebäudesicherung" festgestellt, aber der Silo sei nur schwer zugänglich gewesen. Wegen sichtbarer Löcher auf der Plattform sei er zudem erkennbar gefährlich.

Unglück Bad Lausick
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Ruine als Ort für Mutproben

Dass sich dort Kinder aufhalten würden, sei den Ermittlungen zufolge vor dem Unglück nicht bekannt gewesen. Dem widersprechen einige Bürger der Stadt. "Der Ort des Unglücks ist hier allgemein bekannt", sagte die Bad Lausickerin Christina Hiebel MDR SACHSEN bereits einen Tag nach dem Unglück. "Bei YouTube gibt es Videos vom Gelände, Kinder toben dort, Erwachsene treffen sich auf ein Bier." Wie viele Anwohner habe Hiebel die Stadt bereits mehrfach darauf hingewiesen, dass das Gelände vom Eigentümer nicht richtig abgesichert wird. Das hatten damals auch Jugendliche aus Bad Lausick bestätigt.

Man kommt hier leicht rein. Gerade für die Jüngeren ist es ein Treffpunkt. Man sieht, wenn man hier nachmittags vorbeiläuft, wie die hier in Gruppen stehen und warten, bis keiner guckt und dann schnell rein.

Jugendliche aus Bad Lausick

Direkt nach dem Unglück wurde eine Online-Petition initiiert. Hauptforderung: das Mühlengelände endlich zu sichern. Auch die Kommune reagierte und setzte auf ihre Kosten für mehr als einen Monat einen Sicherheitsdienst ein. Ob der Besitzer der seit 1993 leerstehende Mühle inzwischen selbst Sicherungsmaßnahmen ergriffen hat, ist nicht bekannt.

Quelle: MDR/bb

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 14.01.2020 | 13:30 Uhr in den Nachrichten aus dem Studio Leipzig

Zuletzt aktualisiert: 14. Januar 2020, 15:57 Uhr

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