Leipziger und Gäste der Stadt stellen auf dem Augustusplatz Kerzen auf.
Bildrechte: dpa

Erinnerung an Friedliche Revolution Leipzig feiert Lichtfest

Mit Friedensgebet, der Rede zur Demokratie und Lichtfest haben Tausende Leipziger an die Friedliche Revolution erinnert. Unter dem Motto "ich. die. wir." würdigte die Messestadt die Ereignisse im Herbst 1989.

Leipziger und Gäste der Stadt stellen auf dem Augustusplatz Kerzen auf.
Bildrechte: dpa

Beim Friedensgebet in der voll besetzten Nikolaikirche hat der Pfarrer, Bürgerrechtler und letzte Außenminister der DDR, Markus Meckel, dazu aufgefordert, die Erinnerung an die Friedliche Revolution in der DDR wachzuhalten.

In seiner Ansprache betonte er zudem den Wert der Menschenwürde und nahm dabei auch Bezug auf die Flucht von DDR-Bürgern aus ihrem Land. In Flüchtlingen "den Menschen zu sehen, der eine Würde hat - das bleibt eine Grundlage für jedes menschliche und staatliche Verhalten, die wir nicht aufgeben dürfen", sagte Meckel. In der DDR seien viele Menschen für ihren Mut zur Flucht bewundert worden. Heute würden Schutzsuchende dagegen häufig abweisend als Wirtschaftsflüchtlinge bezeichnet. "Da frage ich mich dann doch, ob bei uns nicht einiges durcheinandergerät", so Meckel. Das Asylrecht sei auch vor dem Hintergrund der Fluchterfahrungen vieler Naziopfer im Grundgesetz verankert: "Seitdem haben wir es mehr und mehr ausgehöhlt, was uns nicht unbedingt zur Ehre gereicht."

Friedensgebet und Rede zur Demokratie Feierlichkeiten zum Lichtfest in der Nikolaikirche

Mit dem Friedensgebet und der Rede zur Demokratie beginnt am Dienstagabend das Lichtfest in der Leipziger Nikolaikirche. Es erinnert an die Montagsdemonstrationen in der Messestadt und an die Friedliche Revolution 1989.

Lichtfest Leipzig Feierlichkeiten Nikolaikirche
Am Dienstagabend haben in der Leipziger Nikolaikirche die Feierlichkeiten zum Lichtfest begonnen. Bildrechte: MDR/Dan Hirschfeld
Lichtfest Leipzig Feierlichkeiten Nikolaikirche
Am Dienstagabend haben in der Leipziger Nikolaikirche die Feierlichkeiten zum Lichtfest begonnen. Bildrechte: MDR/Dan Hirschfeld
Lichtfest Leipzig Feierlichkeiten Nikolaikirche
Zahlreiche Leipziger nutzten die Gelegenheit, ... Bildrechte: MDR/Dan Hirschfeld
Lichtfest Leipzig Feierlichkeiten Nikolaikirche
... um die Predigt von Pfarrer Markus Meckel, Außenminister a.D., zu hören. Bildrechte: MDR/Dan Hirschfeld
Lichtfest Leipzig Feierlichkeiten Nikolaikirche
Ein Chor untermalt die Feierlichkeiten musikalisch. Bildrechte: MDR/Dan Hirschfeld
Lichtfest Leipzig Feierlichkeiten Nikolaikirche
Auch Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer und der sächsische Justizminister Sebastian Gemkow nahmen an den Feierlichkeiten teil. Bildrechte: MDR/Dan Hirschfeld
Der Theologe und frühere Bürgerrechtler Markus Meckel (l-r), Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD), seine Ehefrau Ayleena Jung und Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU), stehen vor einem Gottesdienst in der Nikolaikirche beisammen.
Der Theologe und frühere Bürgerrechtler Markus Meckel, Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD), seine Ehefrau Ayleena Jung und Minsterpräsident Michael Kretschmer (v.l.n.r.) beim Friedensgebet in der Nikolaikirche. Bildrechte: dpa
Alle (6) Bilder anzeigen

Däubler-Gmelin würdigt Rolle der Brügerrechtlerinnen

Auch die ehemalige Justizministerin Herta Däubler-Gmelin würdigte in ihrer anschließenden Rede zur Demokratie die Leistungen und den Mut der Protestbewegung im Herbst 1989. Besonders unterstrich sie die Rolle der Bürgerrechtlerinnen. In diesem Jahr standen Frauen im Fokus des Lichtfests. Anlass war die Einführung des Frauenwahlrechts vor 100 Jahren. Däubler-Gmelin war zudem die erste Frau, die die Rede der Demokratie hielt.

Missbrauch des Rufs "Wir sind das Volk"

Die frühere Bundesjustizministerin Herta Däubler-Gmelin spricht nach einem Gottesdienst in der Nikolaikirche die „Rede der Demokratie“.
Die frühere Bundesjustizministerin Herta Däubler-Gmelin kritisierte den Missbrauch des Slogans "Wir sind das Volk“. Bildrechte: dpa

Besorgt zeigte sich Däubler-Gmelin über "das hohe Maß an Unzufriedenheit, das in einigen Regionen der östlichen Länder höher ist als anderswo […]." Sie kritisierte den Missbrauch des Slogans "Wir sind das Volk" und betonte, dass es Rechtsextreme seien, die hier im Hintergrund die Fäden zögen. Nichtsdestotrotz gebe es immer mehr Bürger, die sich den Rechtsextremen in den Weg stellten. "Da zeigt sich der Geist der Bürgerrechtler und das ist gut". Ministerpräsident Michael Kretschmer hatte bereits im Vorfeld der Gedenkveranstaltungen den Missbrauch des Rufs "Wir sind das Volk" durch populistische Strömungen angemahnt. "Mit großem Mut und Zivilcourage haben die Menschen so den entscheidenden Impuls für den Zusammenbruch des DDR-Regimes gegeben. Heute müssen wir umso mehr denjenigen entschieden entgegentreten, die den Ruf von 1989 missbrauchen", sagte der Regierungschef.

Däubler-Gmelin appellierte in ihrer Rede an die Eigenverantwortung aller Bürger. "Demokratie lebt vom Dialog, von der Diskussion um den besseren Weg."

Erinnerung an Montagsdemo

Im Anschluss an das Friedensgebet und Rede der Demokratie erinnerten Tausende Leipziger auf dem Augustusplatz an die Montagsdemonstration vor 29 Jahren, bei der 70.000 Menschen über den Innenstadtring gezogen waren. Aus Kerzen formten sie eine große 89. Auch in den Fenstern des City-Hochhauses prangte die Jahreszahl.

Tausende Kerzen Lichtfest auf dem Augustusplatz

Auf dem Augustusplatz in Leipzig erinnern die Menschen mit Tausenden Kerzen an die Friedliche Revolution vor 29 Jahren. Ein musikalisches Rahemnprogramm begleitet die Feierlichkeiten.

Lichtfest auf dem Augustusplatz in Leipzig 2018
Mit dem Lichtfest soll an die Montagsdemonstrationen und die Friedliche Revolution 1989 erinnert werden. Bildrechte: MDR/Dan Hirschfeld
Lichtfest auf dem Augustusplatz in Leipzig 2018
Mit dem Lichtfest soll an die Montagsdemonstrationen und die Friedliche Revolution 1989 erinnert werden. Bildrechte: MDR/Dan Hirschfeld
Leipziger und Gäste der Stadt stellen auf dem Augustusplatz Kerzen auf.
Die Leipziger waren aufgerufen, aus Tausenden Kerzen eine 89 zu formen. Bildrechte: dpa
Lichtfest auf dem Augustusplatz in Leipzig 2018
Seit 2001 findet das Lichterfest in Leipzig statt. Bildrechte: MDR/Dan Hirschfeld
Lichtfest auf dem Augustusplatz in Leipzig 2018
In diesem Jahr steht die Rolle der Bürgerrechtlerinnen im Fokus des Lichtfestes. Bildrechte: MDR/Dan Hirschfeld
Lichtfest auf dem Augustusplatz in Leipzig 2018
Auf dem Augustusplatz versammelten sich zahlreiche Menschen ... Bildrechte: MDR/Dan Hirschfeld
Lichtfest auf dem Augustusplatz in Leipzig 2018
... und lauschten Reden und Musikstücken. Bildrechte: MDR/Dan Hirschfeld
Alle (6) Bilder anzeigen

Quelle: MDR/mar/dpa/epd

DDR-Bürger demonstrieren in Leipzig für Reisefreiheit
Der 4. September 1989 ist der Tag, an dem die Leipziger Montagsdemos begannen. Im Anschluss an das traditionelle Friedensgebet in der Nikolaikirche versammelten sich Hunderte vor der Kirche und entrollten Plakate, auf denen sie unter anderem "Reisefreiheit statt Massenflucht" forderten. Bildrechte: dpa

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL | 09.10.2018 | 19:00 Uhr

AKTUELLES AUS SACHSEN

Zuletzt aktualisiert: 10. Oktober 2018, 12:50 Uhr

Mehr aus Leipzig, dem Leipziger Land und Halle

Mehr aus Sachsen