Zei Wähler bei der Kommunalwahl am 07.05.1989 in Karl-Marx-Stadt (heute Chemnitz).
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06.05.2019 | 06:06 Uhr Rückblick: Leipzig am Vorabend der Friedlichen Revolution

Am 7. Mai 1989 fälschte die SED-Führung das Ergebnis der Kommunalwahlen in Dresden, Leipzig und Karl-Marx-Stadt. Bürgerrechtler hatten mitgezählt. Zum 30. Jahrestag wurden sie im Leipziger Paulinum geehrt.

Zei Wähler bei der Kommunalwahl am 07.05.1989 in Karl-Marx-Stadt (heute Chemnitz).
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Im Leipziger Paulinum wurde am Sonntag an die Kommunalwahl vor 30 Jahren in der DDR erinnert. Unter dem Motto "Vom Mut, nicht wegzusehen" sprachen unter anderem Ex-Bundespräsident Joachim Gauck und Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer mit Zeitzeugen. Mehr als 500 Menschen nahmen die Einladung an.

Festakt im Leipziger Paulinum

Zum 30. Jahrestag der letzten Wahlen in der DDR lud die Konrad Adenauer Stiftung ins Leipziger Paulinum.

Festakt im Leipziger Paulinum zur letzten Kommunalwahl der DDR vor 30 Jahren
Am Sonntag gab es im Leipziger Paulinum einen Festakt. Bildrechte: MDR/Lars Tunçay
Festakt im Leipziger Paulinum zur letzten Kommunalwahl der DDR vor 30 Jahren
Am Sonntag gab es im Leipziger Paulinum einen Festakt. Bildrechte: MDR/Lars Tunçay
Festakt im Leipziger Paulinum zur letzten Kommunalwahl der DDR vor 30 Jahren
Anlass war der 30. Jahrestag der letzten Kommunalwahlen in der DDR 1989. Bildrechte: MDR/Lars Tunçay
Festakt im Leipziger Paulinum zur letzten Kommunalwahl der DDR vor 30 Jahren
Ministerpräsident Michael Kretschmer, Beate Neuss,
Stellvertretende Vorsitzende der
Konrad-Adenauer-Stiftung, Bundespräsident a.D. Joachim Gauck, Joachim Klose, Landesbeauftrager für Sachsen der Konrad Adenauer Stiftung, und Beate Schücking, Rektorin der Universität Leipzig.
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Festakt im Leipziger Paulinum zur letzten Kommunalwahl der DDR vor 30 Jahren
Rektorin Schücking sprach die Begrüßungsworte. Bildrechte: MDR/Lars Tunçay
Festakt im Leipziger Paulinum zur letzten Kommunalwahl der DDR vor 30 Jahren
Mehr als 500 Gäste hatten sich angemeldet. Bildrechte: MDR/Lars Tunçay
Festakt im Leipziger Paulinum zur letzten Kommunalwahl der DDR vor 30 Jahren
Ministerpräsident Kretschmer lud die Leipziger ein, die Wahllokale zu besuchen und ins Gespräch zu kommen. Bildrechte: MDR/Lars Tunçay
Festakt im Leipziger Paulinum zur letzten Kommunalwahl der DDR vor 30 Jahren
Bundespräsident Gauck lobte die Zivilcourage der Bürgerrechtler. Bildrechte: MDR/Lars Tunçay
Festakt im Leipziger Paulinum zur letzten Kommunalwahl der DDR vor 30 Jahren
"Die Art und Weise, wie wir leben dürfen oder gelebt werden, prägt uns." Bildrechte: MDR/Lars Tunçay
Festakt im Leipziger Paulinum zur letzten Kommunalwahl der DDR vor 30 Jahren
Im Anschluss an die Grußworte sprachen die Gäste mit Zeitzeugen. Bildrechte: MDR/Lars Tunçay
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Wahlfälschung der SED nachgewiesen

Bei der Kommunalwahl am 7. Mai 1989 hatten Bürgerrechtler in mehr als 1.000 Wahllokalen die Stimmenauszählung verfolgt. Dadurch konnten sie nachweisen, dass das offiziell verkündete Ergebnis manipuliert worden war. Die aufgedeckte Wahlfälschung war ein entscheidender Auslöser für die Friedliche Revolution im Herbst 1989.

Aufbruchstimmung in der DDR

Peter Wensierski beobachtete damals die Wahlen. Der Journalist erinnert sich: "Es waren spannende Tage. Es gab schon im Vorfeld Aufrufe, die Wahlen nicht so ablaufen zu lassen, wie bisher, das immer selbe Ritual zu durchbrechen, sich zu verweigern und vor allem die Auszählung nach dem Schließen der Wahllokale zu kontrollieren." Wensierski war damals einer der wenigen Journalisten, die über die Wahlen für das Westfernsehen berichtet hatten.

Schritt in die Freiheit

Gauck und Kretschmer würdigten die Zivilcourage der Bürger als großen Schritt in die Freiheit. "Mutige Menschen, darunter viele aus Sachsen, haben vor 30 Jahren in der DDR aufgedeckt, dass es bei der Kommunalwahl flächendeckend Manipulation gab", lobte Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer. "Das hat mit dazu beigetragen, dass wenige Monate später im Herbst 1989 die Mauer fiel und der Traum von Freiheit und Demokratie Wirklichkeit werden konnte."

Der Blick zurück macht deutlich und erinnert daran, dass wirklich freie und demokratische Wahlen nichts Selbstverständliches sind. Wir alle gemeinsam sind aufgerufen, die damals erkämpften demokratischen Werte zu schützen und zu verteidigen.

Michael Kretschmer Ministerpräsident Sachsen

Zwischen 9 und 11 Prozent Gegenstimmen

Bundespräsident Gauck sprach auf Augenhöhe mit den anwesenden Zeitzeugen, lobte jene, die damals aktiv wurden, sprach aber auch das junge Publikum an, aktiv zu werden. Für sie erklärte Gauck den Wahlvorgang in der DDR, verdeutlichte, dass man, um mit Nein zu stimmen, jede einzelne Zeile auf dem Wahlzettel durchstreichen musste. Das erregte damals die Aufmerksamkeit der Wahlhelfer. Man machte sich verdächtig. Danach musste man, ohne sich etwas anmerken zu lassen, den Zettel in die Wahlurne geben. In Leipzig kamen so 1989 zwischen 9 und 11 Prozent Gegenstimmen zustande.

Aufruf zur Wahl zu gehen

"Man muss sich bewusst machen", sagte Gauck, "Abschied von der Ohnmacht ist möglich. Zunächst muss in uns der Wille und die Kraft wachsen, etwas zu tun. Kunde sein kann jeder, Bürger sein verlangt mehr." Gauck appellierte an die Bürger, wählen zu gehen. Dies unterstrich auch Joachim Klose, Landesbeauftrager für Sachsen der Konrad Adenauer Stiftung: "Es geht um die Zukunft unserer Gesellschaft und ob wir heute immer noch die gleiche Courage aufbringen, um diese Gesellschaft zu gestalten."

Festakt im Leipziger Paulinum zur letzten Kommunalwahl der DDR vor 30 Jahren
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Wir haben in diesem Jahr wichtige Wahlen vor uns. Ich hoffe, dass die Menschen zur Wahl gehen und für die Gemeinschaft einstehen, genau hinschauen, was passiert und daraus Konsequenzen ziehen. 

Joachim Klose Konrad Adenauer Stiftung

Peter Wensierski betonte: "Ich glaube, es wird manchmal unterschätzt, was Wahlen wirklich bedeuten. Dass gesagt wird, die da oben machen doch sowieso, was sie wollen. So ist es nicht. Es gibt mehr Möglichkeiten als je zuvor, sich seine Meinung zu bilden. Diese Möglichkeiten sollte jeder nutzen."

Quelle: MDR/lt

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL | 05.05.2019 | 19:00 Uhr

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