03.10.2019 | 12:45 Uhr | Update Verdacht auf Anschlag: LKA ermittelt wegen brennender Kräne in Leipzig

Lautes Knallen hat in der Nacht zum Donnerstag Anwohner in Leipzig aufgeschreckt. Auf einer Baustelle standen drei Baukräne in Flammen. Da sie hätten umstürzen können, mussten angrenzende Wohnungen evakuiert werden.

Feuerwehrleute löschen brennenden Kran
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Auf einer Baustelle in Leipzig haben in der Nacht zum Donnerstag drei Baukräne und ein Bagger gebrannt. Die Polizei geht von Brandstiftung aus. Das Landeskriminalamt hat die Ermittlungen übernommen.

Bauträger schon mehrfach Opfer von Brandanschlägen

Der Leiter der Abteilung Staatsschutz im Landeskriminalamt Sachsen, Dirk Münster, sagte, ein politisch motivierter Hintergrund der Tat sei nicht ausgeschlossen. "Insbesondere am heutigen Datum, dem Tag der Deutschen Einheit."

Unabhängig davon werde in alle denkbaren Richtungen ermittelt. Da brennende Kräne jederzeit hätten umstürzen können, sei durch die Täter nicht nur erheblicher Sachschaden, sondern offensichtlich auch eine Gefährdung der Menschen auf anliegenden Grundstücken oder Benutzern der Straße in Kauf genommen worden, so Münster. Ersten Schätzungen zufolge beträgt der Schaden mehrere Millionen Euro. Auf der Gelände an der Prager Straße baut die CG-Gruppe vier große Wohntürme. Der Bauträger war laut Polizei schon mehrfach Opfer von Brandanschlägen. So standen 2016 sechs Fahrzeuge der Firma in Flammen.

Leipziger OB Jung spricht von Terroranschlag

Entsetzt zeigte sich auch Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD): "Wir sind konfrontiert mit einer massiven Gewalttat, bei der die Täter kaltblütig ohne Rücksicht auf das Leben der Nachbarn gehandelt haben. Die Polizei verdient jede Unterstützung, um die Hintergründe aufzuklären." Jung bezeichnete die Tat als Terroranschlag, auf den der Staat mit ganzer Konsequenz antworten müsse.

Kräne stehen an einer Baustelle.
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Dicker Rauch und lautes Knallen

Obwohl die Feuerwehr schnell vor Ort war, brannten zwei Kräne vollständig aus, der dritte wurde schwer beschädigt. Die Löscharbeiten auf der Bautslle am ehemaligen technischen Rathaus waren schwierig, da immer wieder Gasflaschen explodierten, die auf der Baustelle gelagert waren. Anwohnern zufolge war kurz nach Mitternacht eine halbe Stunde lang immer wieder lautes Knallen zur hören. Auch Baumaterial brannte und sorgte für eine starke Rauchentwicklung. Etwa 40 Anwohner mussten ihre Wohnungen vorübergehend verlassen. Sie konnten erst gegen 3 Uhr morgens in ihre Häuser zurück. Außerdem wurde eine angrenzende Gartenanlage bis auf weiteres gesperrt.

Zeugen, die Hinweise zum Sachverhalt geben können, werden gebeten, sich entweder persönlich bei der Kriminalpolizei in der Dimitroffstraße 1 in Leipzig zu melden oder unter der Nummer 0341 966 4 6666 anzurufen. Auch jede andere Polizeidienststelle nimmt Hinweise entgegen.

Quelle: MDR/sth

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 03.10.2019 | 07:00 Uhr in den Nachrichten

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