Waldbrand Kalifornien
Bildrechte: IMAGO

Spendenaktion Sächsische Feuerwehr sammelt Geld für kalifornische Waldbrand-Opfer

Waldbrände in Kalifornien mit verheerendem Ausmaß - das klingt zunächst nach einer weit entfernten Katastrophe. Doch für die Kameraden des Deutsch-Amerikanischen Feuerwehraustausches ist es das nicht. Sie wollen helfen.

Waldbrand Kalifornien
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In Kalifornien toben seit Wochen Waldbrände mit verheerendem Ausmaß: Dutzende Tote, Hunderte Vermisste und Zehntausende, die nun obdachlos sind. Eine Katastrophe, die auf den ersten Blick sehr weit weg ist. Einigen Feuerwehr-Kameraden aus Leipzig, Dresden und Chemnitz gehen die Ereignisse in den USA aber sehr nah. Aufgrund eines 25-jährigen Austausches mit amerikanischen Kollegen kennen sie einige der Einsatzkräfte, die seit Anfang November gegen die Flammen ankämpfen. Als die Sachsen die Bilder der vor dem Feuer geflüchteten Menschen und die Zerstörung gesehen haben, wussten sie, dass sie handeln müssen. Die Kameraden starteten umgehend einen Spendenaufruf.

Die Amerikaner haben uns nach der Wende auch sehr viel weiter geholfen. Ich denke an die vielen Millionen an Spenden, die die Amerikaner für die Frauenkirche gegeben haben oder beim Oder-Hochwasser. Da haben wir einfach gesagt, wir als Feuerwehr, die das hautnah erlebt haben, müssen jetzt einfach was tun.

Matthias Dünkel Vorsitzender EuroFire e.V.

Bis Ende des Monats wollen die sächsischen Kameraden Geld für die Opfer der Brände sammeln. Nach Abschluss der Aktion wollen einige Kameraden wieder nach Kalifornien fliegen. Die Spende soll auf jeden Fall noch vor Weihnachten an den amerikanischen Feuerwehrverband übergeben werden, so Dünkel. Die Kameraden vor Ort wissen nach Aussage des 53-Jährigen noch nichts von der Aktion und sollen überrascht werden.

Ziel ist es nicht, die Villen von Celebrities in Malibu wieder aufzubauen. Wir wollen den Menschen helfen, denen keiner hilft.

Matthias Dünkel Vorsitzender EuroFire e.V.

Es ist nicht das erste Mal, dass der Verein EuroFire zu einer Spendenaktion aufruft. Nach dem Terroranschlag in New York am 11. September 2001 haben die Kameraden schon einmal Gelder gesammelt. Damals kamen knapp 100.000 US-Dollar zusammen, berichtet Dünkel nicht ohne Stolz. Er und seine Mitstreiter sind gespannt, wie viel es diesmal wird: "Ob wir diese Summe wieder erreichen, weiß ich nicht. Aber jeder Euro zählt!"

Information zur Spendenaktion Stichwort: "Hilfe für Kalifornien"
IBAN: DE18 8605 5592 1180 8274 45

Ein Gruppenbild mit Feuerwehrkameraden vor einem Löschzug
Erinnerungsfoto: Die sächsischen Feuerwehrmänner (hellblaue Hemden) mit ihren Kollegen aus Orange City, Kalifornien. Bildrechte: EuroFire e.V.

25 Jahre deutsch-amerikanischer Austausch

Ein Mann zerteilt einen riesigen Burger
"In Amerika ist alles größer: die Kühlschränke, die Burger und eben auch die Feuer", fasst Dünkel seine Eindrücke und Erfahrungen zusammen. Bildrechte: EuroFire e.V.

1993 hat Matthias Dünkel den Austausch zwischen deutschen und amerikanischen Feuerwehrkameraden initiiert. Anstoß für ihn war die Wiedervereinigung, die die "einmalige Chance" bot, eine Feuerwehr neu aufzubauen, erzählt der passionierte Feuerwehrmann. Dabei habe man das Rad nicht neu erfinden wollen, sondern sich in der Welt umgeschaut, was es schon gibt und die Ideen mit nach Hause genommen.

Seitdem fährt regelmäßig eine Gruppe sächsischer Kameraden für rund zwei Wochen nach Kalifornien. Knapp 150 Feuerwehrmänner waren im Zuge des Austausches bereits in den USA und 75 Amerikaner haben sich in Leipzig, Dresden und Chemnitz anschauen können, wie hierzulande gearbeitet wird. Jede der zwei Nationen ist Vorreiter auf unterschiedlichen Gebieten. So haben die deutschen Kameraden in den vergangenen Jahren viel über Einsätze in Katastrophensituationen gelernt, Löscharbeiten in Hochhäusern oder die Pressearbeit. Umgedreht sind die amerikanischen Kollegen von der Technik begeistert, die in deutschen Wachen zur Verfügung steht. Sie streben beispielsweise die Anschaffung eines Löschroboters an, wie es ihn in Leipzig gibt. Dieses Gerät könne bei der Brandbekämpfung in Tunneln eingesetzt werden und hat bei der Feuerwehr von San Francisco großes Interesse geweckt.

Deutsch-Amerikanischer Feuerwehraustausch Das Projekt zum internationalen Austausch wird vom Verein EuroFire organisiert. Jeder Feuerwehrmann kann sich auf die entsprechende Ausschreibung bewerben. In der Regel fliegen zehn bis zwölf Kameraden in die Staaten. Die Teilnehmer müssen die Kosten für das Programm selber tragen, es wird jedoch auch von Sponsoren unterstützt. Es wird zudem versucht, die Ausgaben niedrig zu halten. Beispielsweise wird bei der Übernachtung gespart: Statt in Hotels schlafen die Kameraden auf den Wachen.

Ein Feuerwehrauto steht vor der Wache in San Francisco (Kalifornien, USA)
Während des Austauschprogramms besuchen die deutschen Kameraden mehrere Wachen in Kalifornien, unter anderem in San Francisco. Bildrechte: EuroFire e.V.

Sprachbarriere? Kein Problem!

Vier Feuerwehrmänner löschen ein Auto
Gemeinsamer Einsatz: Deutsche und amerikanische Kollegen (gelbe Uniform) bei der Brandbekämpfung. Bildrechte: EuroFire e.V.

Eine Voraussetzung für die Teilnahme an dem Austausch-Programm sind Englisch-Kenntnisse. Das sei für die meisten aber keine Hürde, meint Dünkel, da die meisten in der Schule entsprechenden Sprachunterricht hatten. Er ermutige seine Kameraden in Vorbereitung auf die Reise auch immer dazu, einfach drauf loszusprechen. "Sie sollen keine Angst habe, Fehler zu machen!" Die Amerikaner würden das ihren deutschen Kollegen auch hoch anrechnen. Die Kommunikation untereinander ist wichtig, da die Feuerwehrleute während des Austausches gemeinsam zu Einsätzen ausrücken. Nur so könnten beide Seiten von dem Projekt profitieren.

EuroFire bietet unabhängig von dem Austausch-Programm auch Englisch-Kurse für Rettungsstellen an. Das sei notwendig, da die Leitstellen zunehmend auch mit englischsprachigen Anrufern konfrontiert werden, so Dünkel. Zudem strebt der Verein zukünftig eine stärkere Vernetzung der deutschen, tschechischen und polnischen Feuerwehren an. So werde derzeit an einem Konzept gearbeitet, dass bei Großereignissen wie Waldbränden, Erdbeben oder Terroranschlägen einzelne Mitglieder zur Unterstützung entsendet werden können, ohne das Tagesgeschäft der entleihenden Wache zu beeinträchtigen.

Quelle: MDR/cb

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 21.11.2018 | 13:00 - 18:00 Uhr

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Zuletzt aktualisiert: 21. November 2018, 14:27 Uhr

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3 Kommentare

22.11.2018 10:13 Thore 3

Da werden sich Thomas Gottschalk und die anderen betroffenen "Stars" aber freuen, denn dann brauchen sie nicht an ihre eigenen Millionen !
Gottschalks Villa wurde ehedem zu großen Teilen vom deutschen Rundfunkzwangsgebührenzahler finanziert !
Dem Hr. Dünkel sei gesagt, das die Frauenkirche ja auch von den Ami-Bomben völlig grundlos zerstört worden ist !

21.11.2018 20:23 Enttäuschter 2

Na ich hoffe mal, daß der Trump hier nicht wieder einen Grund findet, um gegen Deutschland zu hetzen. Nicht nur, daß Deutschland bessere Autos`s als die Amis baut (trotz Dieselskandal), jetzt unterstützen die "German`s" auch noch eine Feuerwehr im demokratisch regierten Kalifornien.
Droht er jetzt mit Sanktionen wegen der Nutzung des Hydranten 35 in der "Bakerstreet"? Ach ja, ein bischen Ironie sollte schon sein.

21.11.2018 15:32 Firefly 1

Find ich super so eine Aktion.

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