Fusion Hunderte Arbeitsplätze bei Durstexpress in Leipzig in Gefahr

Ein Lieferwagen von 'Durstexpress'
Aus Durstexpress wird Flaschenpost. Der Leipziger Standort von Durstexpress soll aufgelöst werden, rund 500 Arbeitsplätze sind dadurch in Gefahr. Bildrechte: dpa

In der Leipziger Niederlassung des Getränkelieferdienstes Durstexpress sind nach Angaben der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) rund 500 Arbeitsplätze durch den Zusammenschluss mit dem Lieferdienst Flaschenpost in Gefahr. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sollen demnach nicht wie an anderen Standorten in Deutschland automatisch vom Unternehmen Flaschenpost weiterbeschäftigt werden.

"Den Mitarbeitern wurde mitgeteilt, dass sie sich bei Flaschenpost bewerben können", sagt Jörg Most, Geschäftsführer der NGG-Region Leipzig-Halle-Dessau. Eine Bewerbung sei natürlich keine Garantie und bedeute auch neue Arbeitsverträge.

Die Gewerkschaft fordert einen fairen Betriebsübergang nach den Bestimmungen des Bürgerlichen Gesetzbuchs (Paragraf 613a BGB). Es könne nicht sein, dass ein Unternehmen wie Dr. Oetker das Start-up Flaschenpost für eine Milliardensumme kauft, aber nicht dafür sorgt, dass Arbeitnehmerbelange ernst genommen werden, so Most.

DGB befürchtet Lohneinbußen

Auch der sächsische DGB-Vorsitzende Markus Schlimbach hat Flaschenpost und den Oetker-Konzern aufgefordert, für einen fairen Betriebsübergang der Beschäftigten zu sorgen. "Die Beschäftigten von Lieferdiensten leisten viel. Gerade während der Corona-Pandemie sind die Aufträge deutlich gestiegen. Die Branche boomt, die Lieferdienste machen Rekordumsätze", erklärte Schlimbach.

Der Verzicht auf einen Betriebsübergang bedeutet für die Beschäftigten Lohneinbußen von bis zu 600 Euro.

Markus Schlimbach DGB-Vorsitzender Sachsen

Lieferfahrzeuge von Flaschenpost fahren auf dem Gelände eines Logistikzentrums.
Bundesweit bleibt die Mehrzahl der Lager aufgrund der hohen Nachfrage bestehen. Das Leipziger Lager von Durstexpress wird aber aufgelöst. Grund: Leipzig hat eine schlechtere Infrastruktur als das Lager in Dresden. Bildrechte: dpa

Betriebsrat geplant

Am Sonnabend hatten sich rund 150 Mitarbeiter zu einer Betriebsversammlung getroffen. Im Rahmen dieser Versammlung wurde ein Wahlvorstand gewählt. Damit seien die Weichen für die Wahl eines Betriebsrates gestellt, so Most. Auch über weitere Schritte wurde sich dort beraten wie Mahnwachen und andere Protestformen. So soll es am 28. Januar eine Demonstration vor dem Leipziger Lager von Flaschenpost geben.

Wir werden es nicht einfach so hinnehmen.

Jörg Most Geschäftsführer der NGG-Region Leipzig-Halle-Dessau

Fusion soll Logistik optimieren

Am Mittwoch hatte der Oetker-Konzern mitgeteilt, dass die beiden Getränkelieferdienste Flaschenpost und Durstexpress künftig unter einem einheitlichen Namen geführt werden. Um eine bestmögliche Logistik und Auslieferung an den Kundenstamm sicherzustellen, seien daher alle Standorte der Lieferdienste in Deutschland anhand objektiver Kriterien analysiert worden, teilte Martin Neipp, Unternehmenssprecher von Flaschenpost MDR SACHSEN mit. Dazu sei die Lage, die Verkehrsanbindung sowie die Infrastruktur des jeweiligen Lagers unter die Lupe genommen worden.

Der Leipziger Standort von Durstexpress hat nach Angaben Neipps dabei schlecht abgeschnitten. Die Konsequenz: Zugunsten des Flaschenpost-Lagers in Dresden, muss das in Leipzig weichen. Und auch in Dresden bringt die Zusammenlegung Veränderungen. So wird der Flaschenpost-Standort mit dem Durstexpress-Standort zusammengelegt. Alle knapp 100 Mitarbeiter von Durstexpress in Dresden sollen laut Neipp zur Flaschenpost wechseln.

Quelle: MDR/al/bb

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 22.01.2021 | 15:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Leipzig

5 Kommentare

part vor 5 Wochen

Es werden sich viel noch wundern wie die Pandemie zukünftig genutzt werden wird um die Gewinne auf der einen Seite zu erhöhen und Arbeitnehmerrechte weiter zu schleifen, denn das System ist sehr anpassungs- und ausnutzungsfähig.

Frank 1 vor 5 Wochen

Der § 613 a BGB ist ein Gummiparagraph der auch von anderen deutschlandweit bekannten Unternehmen ganz bewusst unterlaufen wird. Namen darf man wegen des "Wunderkonstruktes" DGVO nicht nennen. Hier hilft nur klagen, verhandeln ist in diesem Fall nicht zielführend. Ich kenne einen Fall eines großen Handelsunternehmens, der für die Belegschaft sehr erfolgreich war. Aber, wo kein Kläger da kein Richter.

NochJemand vor 5 Wochen

So ist das eben im Haifischbecken der kapitalistischen "freien" Wirtschaft.
Was mal gut funktioniert hat, wird von irgendeiner Heuschrecke aufgekauft und ausgesogen, der Rest wird entweder weiter verkauft oder weggeworfen. Auf einen grünen Zweig kommt so ein Unternehmen nie mehr, schon weil alle Gewinne von der Mutter-Heuschrecke aufgefressen werden. Meist wird dem einverleibten Unternehmen der eigene Kaufpreis als Schulden angerechnet, die es abzahlen soll.
Allerdings - wenn die Mitarbeiter Geschlossenheit zeigen und sich organisieren, haben sie schon Chancen, dass sie nicht einfach als Arbeitsmaterial ohne Rechte behandelt werden. Massenentlassungen erfordern einen Sozialplan... soviel zur rechtlichen Lage.
Ich wünsche den Mitarbeitern viel Glück und Kraft.
Ich war als Kunde immer sehr zufrieden.

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