20.05.2019 | 11:05 Uhr Unfallursache nach schwerem Busunfall bei Leipzig noch unklar

Auf der Autobahn 9 in Richtung München verunglückt ein Reisebus mit mehr als 70 Insassen an Bord. Eine Frau stirbt, neun Menschen sind schwer verletzt. Fiel der Fahrer in einen Sekundenschlaf? Diese Vermutung wurde bislang nicht bestätigt.

Autos stehen auf der Autobahn an der abgesperrten Unfallstelle von einem verunglückten Bus.
Bildrechte: dpa

Nach einem schweren Busunglück auf der A9 bei Leipzig ist die Autobahn am Montagmorgen wieder für den Verkehr freigegeben worden. Die Aufräumarbeiten seien nach zwölf Stunden abgeschlossen, sagte eine Sprecherin der Polizeidirektion Halle. Vermutungen der Autobahnpolizei Weißenfels, wonach ein Sekundenschlaf des Fahrers die Ursache gewesen sein könnte, bestätigte die Sprecherin nicht.

Bei dem Unfall am Sonntag war eine Frau ums Leben gekommen. Ihre Identität stehe noch nicht fest, sagte die Sprecherin der Polizeiinspektion Halle, Ulrike Diener, MDR SACHSEN. Der 59-jährige Busfahrer habe aufgrund seiner schweren Verletzungen noch nicht zum Unfallhergang vernommen werden können. Die Polizei untersuche den Bus, die Passagiere bekämen Anhörungsbögen, um die Unfallursache aufzuklären, hieß es. Neun Insassen wurden schwer verletzt, zunächst war von sieben Personen die Rede. Insgesamt waren 74 Passagiere und ein Fahrer an Bord.

Businsasse:"Alles relativ schnell passiert"

Ein 24 Jahre alter Student, der in dem Unglücksbus saß, schilderte den Unfallhergang: "Das ist alles relativ schnell passiert". Er habe Splitter fliegen sehen. Die Passagiere hätten dann sehr schnell zu den Nothämmern gegriffen und die Scheiben eingeschlagen, um ins Freie gelangen zu können. Er selbst habe zum Glück nur eine kleine Platzwunde am Kopf erlitten. Die Betreuung der Unfallopfer sei sehr schnell und professionell angelaufen.

Der Bus hatte sich zwischen Leipzig-West und Bad Dürrenberg überschlagen und war auf der Seite liegen geblieben. Das Fahrzeug war im Auftrag von Flixbus von Berlin nach München unterwegs. Das Unternehmen drückte am Montag den betroffenen Fahrgästen und ihren Familien und Freunden sein Mitgefühl aus. Für individuelle Auskünfte können sich Angehörige unter der kostenlosen Nummer 0080030013730 an Flixbus wenden.

Flixbus: Busse sind sicher

Nach Angaben des Unternehmens durchlaufen die Busfahrer ein umfangreiches Training. Dazu gehöre das Fahren und Bremsen unter verschiedensten Bedingungen – von vereisten Straßen bis hin zu stockendem Verkehr, teilte Flixbus auf Anfrage von MDR SACHSEN mit. Die Busse seien unter anderem mit Spurhalteassistent, Abstandsregeltempomat, Aufmerksamkeitsassistent sowie Brems- und Notbremsassistent ausgestattet. Flixbus gehe damit weit über die geforderten Standards hinaus.

Die Fahrer seien außerdem angewiesen, vor Beginn einer Fahrt in mehreren Sprachen auf die gesetzliche Anschnallpflicht hinzuweisen. Allerdings könnten die Fahrer nicht sicherstellen, dass alle Passagiere der Pflicht nachkommen. Auch die Polizei konnte nicht sagen, wie viele der Insassen des Unfall-Busses angeschnallt waren.

Wie lange der Fahrer vor dem Unfall am Steuer saß, wollte das Unternehmen nicht beantworten. Die internen Untersuchungen dauerten an. Im übrigen verweist Flixbus auf die strengen Regeln bei Lenk-und Ruhezeiten. Die Busfahrer müssten nach spätestens viereinhalb Stunden eine Pause von 45 Minuten einlegen.

Schwere Busunfälle auf deutschen Autobahnen Juni 2018: Bei Karlsruhe stirbt eine Frau in einem Bus auf der A5, weitere 31 Menschen werden verletzt. Bei stockendem Verkehr war der Busfahrer auf einen Müllwagen aufgefahren.

Juli 2017: 18 Menschen sterben in den Flammen, als auf der Autobahn 9 in Bayern ein Reisebus aus Löbau auf einen Sattelzug auffährt und sofort in Brand gerät. 30 weitere werden verletzt.

Oktober 2015: Ein mit Schülern aus Sachsen besetzter Bus verunglückt auf der A4 bei Erfurt. Der Bus war nach einem Überholmanöver von der Straße abgekommen und umgekippt. Ein Junge stirbt.

Dezember 2014: Bei einem Busunfall auf der A4 bei Bad Hersfeld in Hessen kommen fünf Menschen ums Leben. Der Bus war mit einem schlingernden Auto zusammengestoßen und eine Böschung hinabgestürzt.

Juli 2014: Elf Menschen sterben, als auf der A4 bei Dresden ein Reisebus aus Polen auf einen ukrainischen Bus auffährt.

September 2010: 14 Polen sterben bei Berlin, als ihr Bus von einem Auto gerammt wird und gegen einen Brückenpfeiler kracht.

November 2008: Nahe Hannover geht auf der A2 ein Reisebus wegen eines technischen Defekts in Flammen auf. 20 Mitglieder einer Reisegruppe auf dem Rückweg von einer Kaffeefahrt kommen ums Leben.

Juni 2007: Auf der A14 zwischen Magdeburg und Dresden kommen 13 Insassen ums Leben. Ein Lastwagen war auf den Bus aufgefahren.

Quelle: MDR/cb/kb

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 20.05.2019 | ab 05:00 Uhr in den Nachrichten

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