Infrastruktur Millioneninvestition am Flughafen Leipzig/Halle

Das Frachtaufkommen am Flughafen Leipzig/Halle wächst und wächst. Seit 2010 hat es sich mehr als verdoppelt - von 150.000 Sendungen pro Nacht auf derzeit 350.000, Tendenz steigend. Für den größten mitteldeutschen Airport nun Grund, Millionen Euro zu investieren, um das DHL-Frachtdrehkreuz zu erweitern.

Zehn Jahre nach der Eröffnung des DHL-Frachtdrehkreuzes schiebt der Flughafen Leipzig/Halle die nächste Großinvestition an. Für rund 250 Millionen Euro will der Airport nach eigenen Angaben die Infrastruktur bei der Luftfrachtabfertigung erweitern und verbessern. Dazu werden bisher ungenutzte Flächen bebaut, um den wachsenden Anforderungen gerecht zu werden.

Groß, größer, Drehkreuz

Allein 210 Millionen Euro sollen in neue Rollbahnen und Stellflächen für Frachtflieger sowie in die verbesserte Anbindung der bereits bestehenden Rollbahnen fließen. Für die Stellflächen soll das Vorfeld 4 direkt vor dem DHL-Sortierzentrum erweitert werden. Bislang können dort bis zu 60 DHL-Flieger pro Nacht gleichzeitig be- und entladen werden, künftig soll es dort Platz für 36 weitere Flugzeuge geben. Mit der Erweiterung trage man den kontinuierlich steigenden Sendungsmengen Rechnung und sie sei essentiell für den Weiterbetrieb des Drehkreuzes am Standort Leipzig/Halle, teilte die Mitteldeutsche Flughafen AG mit. Das Geld für die Erweiterung kommt von der Flughafen Leipzig/Halle GmbH. Durch die Verkaufserlöse und die Einnahmen aus der langfristigen Vermietung des Vorfeldareals an DHL soll das Projekt refinanziert werden.

Dass wir vorhandene Flächenreserven jetzt gezielt erschließen können, ist ein maßgeblicher Standortvorteil unseres Airports und Grundlage für ein nachfragegerechtes Wachstum.

Johannes Jähn Vorstand Mitteldeutsche Flughafen AG und Geschäftsführer der Flughafen Leipzig/Halle GmbH

Wann genau gebaut wird, ist noch offen. Um alles umzusetzen, muss zuerst ein sogenanntes Planänderungsverfahren gestartet werden. Dazu will der Airport Anfang kommenden Jahres Unterlagen bei der Landesdirektion Sachsen einreichen - und dadurch auch die Öffentlichkeit besser einbeziehen.

Gegner fürchten mehr Lärm, Gestank und Schmutz

Über die geplante Erweiterung kann sich die Interessengemeinschaft Nachtflugverbot gar nicht freuen. Vorstand Peter Richter sagte MDR SACHSEN, die Investitionen führten nur zu mehr Lärm, Gestank und Schmutz.

Der Lärmschutz wird ja weder verbessert noch verändert.

Peter Richter Vorstand IG Nachtflugverbot

Gerade um mehr Akzeptanz in der Bevölkerung zu bekommen, will der Flughafen auch Gutachten zu Auswirkungen des Ausbaus erstellen. Hierzu zählen unter anderem Untersuchungen zur Umweltverträglichkeit, zur Entwicklung des Verkehrsaufkommens, zu Boden- und Fluglärmsituation sowie zu Luftschadstoffimmissionen. Auch das ist für IG-Fluglärm-Vorstand Richter nur Makulatur. Das sei nichts Neues, davon spreche der Flughafen ja schon von Anfang an. Man werde zwar einbezogen, aber das auf den lärmgeplagten Bürger gehört werde, sei nicht der Fall. "Die Wirtschaft steht im Vordergrund", so Richter. Auch dass die Fluglärmkommission über die Pläne des Airports informiert worden ist, sei in seinen Augen unnötig. Bislang habe dieses Gremium zu keinen Verbesserungen oder Veränderungen für die Fluglärmgegner geführt.

Verbesserte Infrastruktur

Neben den 210 Millionen Euro, die in die Erweiterung des DHL-Frachtdrehkreuzes fließen, werden noch rund 40 Millionen Euro in kleiner Projekte investiert, die schon genehmigt sind. Bereits im nächsten Jahr sollen die Arbeiten an einem Leercontainer-Terminal, einem speziell gesicherten Lkw-Stellplatz sowie einem Hangar für Kleinflugzeuge am Airport starten.
Begonnen wurde dagegen schon mit der neuen Autobahnraststätte an der A14, direkt neben dem Flughafen. Nach Angaben eines Flughafensprechers untersuchen derzeit Archäologen das Gelände. Sollte nichts gefunden werden, könne der Bau zügig beginnen.

Alleinstellungsmerkmal: Keine Beschränkung für Frachtflüge in der Nacht

Das DHL-Drehkreuz war 2008 in Betrieb genommen worden. Seitdem ist die Frachtmenge beständig gestiegen und der Standort immer weiter vergrößert worden. Mittlerweile sind rund 5.700 Menschen am Drehkreuz beschäftigt. Durch ein neues Anflugverfahren können seit einigen Wochen drei Maschinen mehr pro Stunde landen. Landungen, Frachtumschlag und Starts finden hauptsächlich nachts statt. Möglich ist das, weil es am Flughafen Leipzig/Halle - als einzigem Flughafen in Deutschland - keine Nachtflugbeschränkungen für Frachtmaschinen gibt. Gegner der Nachtflüge waren nach langem juristischem Kampf 2009 vor dem Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe endgültig gescheitert. Da die Landerechte für den Frachtverkehr am Airport nach einem Beschluss der Bundesregierung erweitert werden sollen, wird der Flugverkehr voraussichtlich weiter anwachsen. In Zukunft könnten dann auch ausländische Fluggesellschaften Leipzig/Halle als zentralen Landeplatz ansteuern.

Quelle: MDR/bb

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 17.10.2018 | 18:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Leipzig

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Zuletzt aktualisiert: 18. Oktober 2018, 20:22 Uhr

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6 Kommentare

19.10.2018 17:22 Paule 6

Der Wahnsinn wird potenziert. Ist der Klimawandel nur für das einfache (zahlende) Fußvolk gedacht? Oder haben die Leugner recht? Wieviel Geld wurde von der Politik schon verquatscht? Fragen über Fragen, bekanntlich gibt es aber keine dummen Fragen, sondern nur dumme Antworten.

19.10.2018 11:24 Deutschland schafft sich ab 5

@ Korrektur:

Es muss lauten:
"........auch NOCH die volle Energiesteuer...."

19.10.2018 11:21 Deutschland schafft sich ab 4

@ Nummer 1:

So dürfen Sie nicht fragen und reden.

Sie widersprechen damit ja der Politik, die immer noch auf die Besteuerung von Flugbenzin verzichtet und auch keine Mehrwertsteuer auf Flugscheine erhebt.

Die gleiche Politik übrigens,
die ihrem eigenen Unternehmen Bahn nicht nur die volle Mehrwertsteuer und Mineralölsteuer auferlegt,
und von ihm auch nicht die volle Energiesteuer verlangt.

Wundert sich da noch jemand über die divergierende Preisgestaltung dieser Verkehrsträger?

Der dreckigste wird
steuerlich belohnt,
der sauberste bestraft.
Das ist Politik in Deutschland!

19.10.2018 10:07 Sören Matthis 3

Wan wird der Flugtreibstoff endlich besteuert, so dass das viele sinnlose rumfliegen von Menschen und Gütern aufhört. Muss denn jeder Unternehmensberater jeden Woche 5 mal durch Deutschland fliegen? Ich denke nein.

18.10.2018 21:38 W. Merseburger 2

Wer jeden Tag in den frühen Stunden, also zwischen 4 und d 6 Uhr, die Startgeräusche der schwer beladenen Transportflugzeuge ertragen muss, hat die berühmte Karte gezogen, die der Fußballschiedsrichter hinten unten rechts positioniert hat. Andere Regionen in Europa haben sich das nicht bieten lassen, aber hier im Raum Leipzig Halle ist DHL eine Erfolgsgeschichte und wem es nicht passt, der sollte doch einfach wegziehen, vielleicht an die Cote Azur oder die Blumenriviera. Das ist natürlich bittere Satire.

18.10.2018 21:00 NRW-18 1

Hier sind Abgase und Partikel aus Jet-A1-Kraftstoffen, sowie Lärm und obskure Dauer-Kondensstreifen plötzlich völlig egal. Der Autofahrer, besonders der Dieselfahrer wird hingegen als "Das Böse" dargestellt und die Verschrottung seines recht neuen Autos soll die Welt retten.
Wo bleibt die Klimahysterie eigentlich, wenn es ums Fliegen geht?
Gruß aus NRW,
wo man die Steig- und Landeanflüge von DUS und und CGN fast dauerhaft zu hören bekommt und Autofahrer wegen der Errichtungen von Lärmschutzwänden stundenlang im Stau stehen ...

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