Freienkongress beim MDR in Leipzig
Auch Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (re.) schaute bei dem Kongress vorbei. Hier bei einer Podiumsdiskussion mit Gewerkschafterin Cornelia Berger und Prof. Hektor Haarkötter. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Freienkongress in Leipzig Freie Mitarbeiter des öffentlich-rechtlichen Rundfunks tagen in Leipzig zu fairen Arbeitsbedingungen

Fast die Hälfte der Beschäftigten von ARD, ZDF und deren Länderanstalten sind freie Mitarbeiter. Beim ARD/ZDF-Freienkongress tagen sie zu fairen Arbeitsbedingungen und Mitbestimmung.

Freienkongress beim MDR in Leipzig
Auch Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (re.) schaute bei dem Kongress vorbei. Hier bei einer Podiumsdiskussion mit Gewerkschafterin Cornelia Berger und Prof. Hektor Haarkötter. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

200 freie Mitarbeiter von ARD und ZDF treffen sich am Freitag und Samstag zu einer Tagung in Leipzig. Der Freienkongress steht unter dem Motto "Öffentlich. Rechtlich. Frei." und widmet sich unter anderem Fragen nach fairer Bezahlung und demokratischer Mitbestimmung. Zur Eröffnung sprach auch MDR-Intendantin Karola Wille. Freie Mitarbeiter in jeder einzelnen Rundfunkanstalt tragen Wille zufolge "tagtäglich mit hoher Professionalität, mit großem Engagement, mit einem ganzen Stück Leidenschaft dazu bei, dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk in der Gesellschaft akzeptiert ist."

Strukturreform und Sparmaßnahmen

In der Podiumsdiskussion "Sparen bei den Freien? – ARD-Finanzierung und Strukturreform 2021-2024" ging es unter anderem um die finanzielle Ausstattung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks und die Diskussion um die Gebührenerhöhung. Ministerpräsident Michael Kretschmer sagte dazu, er sei sehr dafür, für eine bessere finanzielle Ausstattung zu kämpfen. Dabei müsse man aber auch darauf achten, was der Öffentlichkeit vermittelbar ist. "Eine Institution muss das Geld bekommen, das es für die Erfüllung ihres Auftrags braucht", sagte Kretschmer. Von Gewerkschafterin Cornelia Berger (Ver.di/dju) gab es Kritik an der Politik: Sie würde sich wünschen, dass die Ministerpräsidenten den Menschen erklären würden, warum der öffentlich-rechtliche Rundfunk wichtig ist.

Freie als Manövriermasse?

Freienkongress beim MDR in Leipzig
MDR-Verwaltungsdirektor Ralf Ludwig. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

MDR-Verwaltungsdirektor Ralf Ludwig sagte Bezug nehmend auf die Diskussion um die Sparmaßnahmen des öffentlich-rechtlichen Rundfunks und den Vorwurf, dass die Freien diesbezüglich die Manövriermasse seien, es gehe nicht auf Kosten der freien Mitarbeiter, sondern auf Kosten der Rundfunkanstalt. Nach Ansicht von Hektor Haarkötter jedoch sei insbesondere am journalistischen Programm gespart worden. Das untergrabe die Legitimität der öffentlich-rechtlichen Sender, denn das sei die Kernaufgabe. "Wir brauchen die Beitragserhöhung ganz ganz dringend, sonst können wir das Programmgerüst weder in Qualität noch in Quantität aufrechterhalten", so Ludwig.

Viel positive Resonanz gab es von Seiten der Kongressteilnehmer bezüglich der Teilnahme von Intendantin Karola Wille und Ministerpräsident Michael Kretschmer. Es sei eine echte Aufwertung, dass Beide am Kongress teilnehmen würden, sagte ein rbb-Kollege. Am Ende der Diskussion sagte Ministerpräsident Kretschmer den Freienvertretungen zu, im Gespräch zu bleiben. In den kommenden Wochen werde es dazu Verabredungen geben. Mit seiner Teilnahme am Kongress, habe er auch seine Wertschätzung gegenüber den Freien im öffentlich-rechtlichen Rundfunk zum Ausdruck bringen wollen.

Von Festanstellung bis Age Management

Im Anschluss an die Podiumsdiskussion haben sich die Freien der öffentlich-rechtlichen Sender in verschiedenen Paneln unter anderem zu Themen wie Unternehmenskultur, Recherche und Bestandsschutz ausgetauscht. Am Samstag wird der Kongress fortgeführt und beginnt 10 Uhr mit Paneln zu den Themen Festanstellung freier Mitarbeiter, Berufseinsteiger, Age Management und Honorare. Am Mittag wird der Freien-Preis "Das dicke Brett" für besonderes Engagement für die Verbesserung der Lage freier Mitarbeiter vergeben. Im vergangenen Jahr ging der undotierte Preis an den rbb. Gewürdigt wurde damit das Engagement für den Bestandsschutztarifvertrag. Die Podiumsdiskussion ab 14 Uhr steht unter dem Titel "Anständige Vertretung – Freie in die Personalräte". Der ARD/ZDF-Freienkongress findet in diesem Jahr bereits zum vierten Mal statt. In den Vorjahren wurde der Kongress in Berlin, Stuttgart und Bremen ausgerichtet.

Studie: 94 Prozent der freien Mitarbeiter fühlen sich benachteiligt

Die Veranstalter erklärten, für den guten Ruf öffentlich-rechtlicher Sendeanstalten wie ARD, ZDF, Deutschlandradio und Deutsche Welle seien zu einem großen Teil freie Mitarbeiter verantwortlich. Dennoch habe eine Anfang des Jahres publizierte Studie ergeben, dass sich 94 Prozent der befragten Freien gegenüber den fest angestellten Mitarbeitern benachteiligt fühlen.

Fast die Hälfte der Beschäftigten sind freie Mitarbeiter

"In vielen Sendern sind Freienvertretungen vom guten Willen der Senderleitung abhängig, eine Vertretung auf Augenhöhe findet nicht statt, Freie haben geringe bis keine Mitbestimmungs- und Mitwirkungsrechte", hieß es weiter. Dass dies so sei, obwohl Freie fast die Hälfte der Beschäftigen bei den Öffentlich-Rechtlichen ausmachten, solle bei dem Kongress besprochen werden. Im öffentlich-rechtlichen Rundfunk arbeiten nach Angaben der Veranstalter ingesamt etwa 42.000 Mitarbeiter. Davon sind knapp 20.000 Beschäftigte nicht fest angestellt, sondern arbeiten als freie Journalisten. Beim Mitteldeutschen Rundfunk stehen den Angaben zufolge 1.500 freie MItarbeiter 2.000 Festangestellten gegenüber.

Grafik 2 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Potraitfoto von Rüdiger Trojok 3 min
Bildrechte: MEDIEN360G / Rüdiger Trojok

Vorsitzender des Freien-Sprecherrates im MDR

MDR FERNSEHEN Do 04.04.2019 08:55Uhr 02:36 min

https://www.mdr.de/medien360g/medienpolitik/audio-interview-ruediger-trolok-100.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Audio
Potraitfoto von Christoph Reinhardt 6 min
Bildrechte: MEDIEN360G / Christoph Reinhardt

Journalist und Freien-Vertreter beim rbb

MDR FERNSEHEN Do 04.04.2019 09:58Uhr 06:08 min

https://www.mdr.de/medien360g/medienpolitik/audio-interview-christoph-reinhardt-100.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Audio
Potraitfoto von Jörg Langer 7 min
Bildrechte: MEDIEN360G / Studioline Photography 2014

Autor der Studie „Beschäftigte zweiter Klasse? Gute Arbeit auch für Freie“ im Auftrag der Rosa- Luxemburg-Stiftung

MDR FERNSEHEN Do 04.04.2019 10:44Uhr 06:40 min

https://www.mdr.de/medien360g/medienpolitik/audio-interview-joerg-langer-100.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Audio

Quelle: MDR/epd

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL| 05.04.2019 | 19:00 Uhr

AKTUELLES AUS SACHSEN

Zuletzt aktualisiert: 05. April 2019, 20:11 Uhr

Mehr aus Leipzig, dem Leipziger Land und Halle

Mehr aus Sachsen