30.06.2019 | 18:00 Uhr Fußball gegen das Vergessen jüdischer Schicksale in Leipzig

Am Sonntag wurde in Leipzig bereits zum fünften Mal der "Max und Leo Bartfeld Pokal" ausgetragen. Jugend-Mannschaften aus der Region, aber auch aus Israel, Polen und Tschechien waren angereist, um den interkulturellen und überkonfessionellen Dialog durch Sport zu fördern. Dabei halten die Jugendlichen auch die Erinnerung daran wach, dass in den 1930er-Jahren durch die Nationalsozialisten die jüdische Fußball-Kultur in Leipzig zerstört wurde.

Max und Leo Bartfeld-Pokal im 5. Internationalen, Interkulturellen Fußballbegegnungsfest, 2019
Zahlreiche Mannschaften kämpften am Sonntag um den Pokal. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Am Wochenende geht die "Jüdische Woche" in Leipzig zu Ende. Das Gedenken an den jüdischen Fußball der Stadt macht jedes Jahr einen Teil der Erinnerungskultur aus. Am Sonntag fand das Fußballbegegnungsfest zu Ehren von Max und Leo Bartfeld in Leipzig-Schönefeld statt, bei der Jugend-Mannschaften aus Israel, Tschechien, Polen sowie einzelne Spieler aus der Schweiz angereist waren. Insgesamt waren mehr als 20 Vereine beteiligt, darunter auch Jugendliche und Erwachsene aus der Region.

Mädchen und Jungs setzen Zeichen gegen Antisemitismus

Seit 2015 organisiert der Familienverein Tüpfelhausen das Sportevent mit Jugendbegegnungen. Wie der Vorsitzende Christoph Schumacher MDR SACHSEN sagte, steht bei der Veranstaltung nicht die jüdische Religion im Vordergrund, sondern die Idee der Völkerverständigung über Landesgrenzen und Religionen hinweg. "Es sind zum Beispiel auch palästinensische Spieler mit dem Davidstern für israelische Mannschaften aufgelaufen. Das ist schon etwas Besonderes", betonte Schumacher. Mit dem Fußballbegegnungsfest setze man sich vor allem gegen Antisemitismus und Diskriminierung ein. Das schließe auch ein, dass Mädchen und Jungen in gemischten Teams gegeneinander spielten.

Beim Pokal gewonnen haben:

  • Pardes Hanna-Karkur (Israel)
  • Mongagua Usti nad Labem (Tscheschien)
  • SG Moorental (Thüringen)

Den "Pokal der Herzen" gewann das Team Tüpfelhausen.

Ich denke, wir können so eine Veranstaltung der interkonfessionellen Jugendbegegnung nur in Leipzig machen. In den ländlicheren Regionen wie es viele in Sachsen-Anhalt oder Brandenburg gibt, hätte ich Sorge wegen antisemitischer Störungen.

Christoph Schumacher Vorsitzender Verein Tüpfelhausen

Jüdisches Fußballleben im 20. Jahrhundert in Leipzig Der Max und Leo Bartfeld-Pokal ist nach den Brüdern Bartfeld benannt. Beide gehörten im Jahr 1920 zu den Gründern des jüdischen Fußballvereins SK Bar Kochba Leipzig, der 1939 durch die Nationalsozialisten zwangsaufgelöst wurde. Max Bartfeld war Kaufmann und Leichtathlet und er gewann noch in den 1930er-Jahren zahlreiche Pokale. Nach der Reichspogromnacht am 9. November 1938 wurde die Stimmung gegen Familien und Händler mit jüdischen Wurzeln immer aufgeheizter. Nur wenigen Mitgliedern der Familie Bartfeld gelang die Flucht in ein neues Leben. Die anderen starben in NS-Zwangsarbeits- und Konzentrationslagern. So auch Leo Bartfeld, der 1945 in Buchenwald ermordet wurde.

Neben dem Sport konnten Besucher auch die Ausstellung "Menschenwürde fängt mit Namen an" anschauen, die der Verein Tüpfelhausen mit Unterstützung vom Kulturamt Leipzig erstellt hat. Im Jahr 2016 wurden außerdem Stolpersteine für die Familie Bartfeld in der Waldstraße verlegt, und der SK Bar Kochba durch den Verein Tüpfelhausen neu gebildet.

BSG Chemie gewinnt Spiel für Demokratie und Toleranz

Am Sonnabend traten bereits der Leipziger Traditionsverein BSG Chemie und eine internationale Auswahlmannschaft, unter anderem mit aktiven und ehemaligen Spielern israelischer Ligen, im "Fußballauswahlspiel für Demokratie und Toleranz" gegeneinander an. Dabei schlug der BSG Chemie die Gäste mit 11:2.

Bildergalerie Interkulturelles Fußballbegegnungsfest

Max und Leo Bartfeld-Pokal im 5. Internationalen, Interkulturellen Fußballbegegnungsfest, 2019
Am Sonntag fand das Fußballbegegnungsfest zu Ehren von Max und Leo Bartfeld in Leipzig-Schönefeld statt, bei der Jugend-Mannschaften aus Israel, Tschechien, Polen sowie einzelne Spieler aus der Schweiz angereist waren. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Max und Leo Bartfeld-Pokal im 5. Internationalen, Interkulturellen Fußballbegegnungsfest, 2019
Am Sonntag fand das Fußballbegegnungsfest zu Ehren von Max und Leo Bartfeld in Leipzig-Schönefeld statt, bei der Jugend-Mannschaften aus Israel, Tschechien, Polen sowie einzelne Spieler aus der Schweiz angereist waren. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Max und Leo Bartfeld-Pokal im 5. Internationalen, Interkulturellen Fußballbegegnungsfest, 2019
Insgesamt waren mehr als 20 Vereine beteiligt, darunter auch aus der Region. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Max und Leo Bartfeld-Pokal im 5. Internationalen, Interkulturellen Fußballbegegnungsfest, 2019
Das Event fand bereits zum fünften Mal statt und wurde vom Familienverein Tüpfelhausen organisiert. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Max und Leo Bartfeld-Pokal im 5. Internationalen, Interkulturellen Fußballbegegnungsfest, 2019
Die Veranstaltung soll auch die Erinnerung wachhalten, dass in den 1930er Jahren durch die Nationalsozialisten die jüdische Fußball-Kultur in Leipzig zerstört wurde. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Max und Leo Bartfeld-Pokal im 5. Internationalen, Interkulturellen Fußballbegegnungsfest, 2019
Neben dem Sport konnten Besucher auch die Ausstellung "Menschenwürde fängt mit Namen an" anschauen, die der Verein Tüpfelhausen mit Unterstützung vom Kulturamt Leipzig erstellt hat. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
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Quelle: MDR/sm

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 01.07.2019 | 06:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Leipzig

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4 Kommentare

01.07.2019 12:20 Kirchenmitglied 4

Wer mit den Juden und mit Israel in seinem Herzen Frieden geschlossen hat, muss über solche Veranstaltungen keinen Groll hegen und keinen Spott betreiben, sondern wird sie einfach gut finden.

@2, welches besondere Leid haben denn die AfDler erfahren müssen oder welche herausragenden Leistungen haben sie denn für das deutsche Volk und die Welt erbracht, so dass man ihrer in 100 Jahren noch gedenken sollte?

01.07.2019 10:11 Jang 3

@2: Geht es bei Ihnen noch? Das Schicksal der europäischen Juden vor 1945 mit der Situation der AFD zu vergleichen, scheint mir nicht nur weit hergeholt, sondern erfüllt schon den Tatbestand der Verharmlosung.

30.06.2019 22:15 sei schlau, wähle blau 2

Demokratie ???

" Freiheit ist auch immer die Freiheit der Andersdenkenden "

Gibt es vielleicht in Hundert Jahren auch ein FEST für alle AfD'ler ???

Wobei ich das was damals passiert ist verabscheue und verurteile
!!!

30.06.2019 19:43 Otto Freundlich 1

Prima Sache, mehr davon. Fußball gegen Antisemitismus, scheint mir eine kluge Idee zu sein. Glückwunsch an alle Teilnehmer.

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