Obdachlose schlafen am Straßenrand
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Maßnahmenkatalog Leipzig will Hilfe für Wohnungslose verbessern

Es wird kälter und für Obdachlose in Leipzig wird es schwieriger in der Stadt einen warmen Schlafplatz für die Nacht zu finden. Leipzig will nun die Hilfen für Wohnungslose verbessern. Bereits ab diesem Winter sollen erste Maßnahmen greifen. Und im kommenden Jahr soll die Hilfe ausgeweitet werden. Unter anderem soll es mehr Notunterkünfte und mehr Straßensozialarbeit geben.

Obdachlose schlafen am Straßenrand
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Die Stadt Leipzig rechnet in den kommenden Jahren mit mehr Obdachlosen. Grund ist der angespannte Wohnungsmarkt, denn bezahlbarer Wohnraum wird immer knapper. Nun hat die Stadt ihre Strategie zur Wohnungsnothilfe bis 2022 überarbeitet. Am Mittwoch wurde das Papier vorgestellt. Das Ziel: die Hilfe für Wohnungslose zu verbessern. Dafür muss viel Geld in die Hand genommen werden. In den kommenden Wochen werden die Maßnahmen in den Gremien des Stadtrates beraten. Mitte Dezember sollen dann die Räte darüber entscheiden.

Es gehört zu den vordringlichen Aufgaben unserer Stadt, Hilfe zu leisten, wenn jemand wohnungslos oder sogar obdachlos ist.

Thomas Fabian Sozialbürgermeister der Stadt Leipzig

Bislang wurden jährlich rund sechs Millionen Euro für Notunterkünften, Wohnungen für obdachlose Familien sowie Personal ausgegeben. Allein im kommenden Jahr soll es für das Mehr an Hilfe 580.000 Euro zusätzlich geben. Für 2020 sind sogar 7,2 Millionen Euro vorgesehen. Die Mittel sollen unter anderem zur Anmietung von Wohnraum, für Straßensozialarbeit und zusätzliche Notunterkünfte genutzt werden.

Hilfe auch für Familien

Das Problem betrifft nicht nur alleinstehende Männer und Frauen, auch Familien sind von Obdach- oder Wohnungslosigkeit betroffen. Im vergangenen Jahr lebten insgesamt 87 Familien in sogenannten Gewährleistungswohnungen. Ende Dezember waren noch 172 Personen (davon 44 Frauen, 24 Männer und 104 Minderjährige) in diesen Wohnungen notuntergebracht. Dafür hatte die Stadt 105.008 Euro ausgegeben. Diese Summe soll im kommenden Jahr verdoppelt werden. Dann will die Stadt 218.000 Euro für Gewährleistungswohnungen bereitstellen. Auch die Leipziger Wohnungsbaugesellschaft (LWB) soll künftig zehn preiswerte Wohnungen monatlich zur Verfügung stellen. Diese vergibt das Sozialamt an Menschen, die wenig Chancen haben, eine Wohnung auf dem freien Markt zu bekommen.

Grafik Gewährleistungswohnungen Leipzig von 2013 bis 2017 Haushalte und Personen
Bildrechte: Sozialamt Stadt Leipzig / MDR

Was sind Gewährleistungswohnungen? In erster Linie sollen Haushalte mit Kindern und (Ehe-)Paare, sofern sie ihre Wohnung durch eine Zwangsräumung verloren haben, vorübergehend in Gewährleistungswohnungen untergebracht werden. Im Einzelfall können auch Alleinstehende in diesen Wohnungen leben.
Bereitgestellt und finanziert werden die Wohnungen von der Stadt Leipzig, vergeben vom Sozialamt.

Dass mehr Bedarf nach Wohnungen für Obdachlose besteht, zeigen die Zahlen. Diese sind in den letzten Jahren stetig gewachsen. So gab es im Vorjahr 1.978 Wohnungsnotfälle, im Vergleich zu 2013 ein Anstieg um 37,5 Prozent (2013: 1.438). Auch die Zahl der Räumungen hat zugenommen. Gab es 2013 "nur" 896 Fälle, waren es im vergangenen Jahr 1.025.

Obdach an kalten Tagen

Am Donnerstag startete das alljährliche Winterprogramm der Stadt Leipzig für Obdachlose. Zu den 94 ganzjährig vorhandenen Plätzen, werden 41 weitere hinzukommen. Auch Schlafsäcke und Notfallrucksäcke werden ab sofort bereitgestellt. Auch einige der neuen Maßnahmen aus dem Strategiepapier zur Wohnungsnothilfe sollen ab diesem Winter umgesetzt werden. Dazu zählen unter anderem:

  • Straßensozialarbeiter die erwachsene Wohnungslose, die auf der Straße oder in Behelfsunterkünften leben, aufsuchen und Hilfestellung geben sollen.
  • Ein Hilfebus der in den Abend- und Nachtstunden sowie am Wochenende, in Ergänzung der Straßensozialarbeit, schnelle Kontakte und Hilfe, Notversorgung und Transport zu Notunterkünften ermöglichen soll.

Noch mehr Hilfe

Für das kommende Jahr sollen weitere Hilfs-Angebote für Wohnungslose folgen. Unter anderem sind Plätze für Wohnungslose mit Hunden geplant, für schwer psychisch kranke Personen sollen zusätzliche Notunterbringungsplätze geschaffen werden und Schließfächer für persönliche Dinge und Wertsachen in den Übernachtungshäusern für Männer und für Frauen angebracht werden. Vermietern, die Wohnungen an wohnungslose Haushalte vermieten, sollen von der Stadt eine Mietausfallgarantie erhalten. Geplant ist auch, das Wohnprojekt "Alt Schönefeld", in dem Suchtabhängige betreut werden, zu sanieren, um es langfristig zu nutzen. Die geplanten Kosten dafür: 2,08 Millionen Euro.

Quelle: MDR/bb

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL |15.11.2018 | 19:00 Uhr

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Zuletzt aktualisiert: 25. November 2018, 16:30 Uhr

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