Auf einer Parkbank liegt ein Schlafsack und davor eine Plastiktüte und Flaschen.
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Neues Angebot Hilfebus für Obdachlose in Leipzig

Leipzigs Wirtschaft brummt, die Arbeitslosigkeit sinkt und doch gibt es Menschen in der Stadt, die von der positiven Dynamik nichts oder nur wenig abbekommen. Wie viele Menschen in Leipzig obdachlos sind, ist nicht bekannt. Um die Betroffenen besser zu unterstützen, rollt ab Montag ein Hilfebus durch die Stadt.

Auf einer Parkbank liegt ein Schlafsack und davor eine Plastiktüte und Flaschen.
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Ab 19 Uhr wird er rollen, der erste Hilfebus in der Stadt Leipzig. Das ergänzende Angebot für die Obdachlosenhilfe wird ab Montag täglich um diese Zeit im Stadtgebiet unterwegs sein. Am Wochenende ist der Bus von 15 Uhr bis 23 Uhr im Einsatz. Das rollende Angebot für wohnungslose Menschen wird das ganze Jahr betrieben - auch im Sommer. Wie das Sozialamt der Stadt mitteilte, werden dabei Sozialarbeiter obdachlose Personen aufsuchen und sie bei Bedarf unterstützen.

Erster Schritt Soforthilfe

Der Bus soll Wohnungslose mit dem Nötigsten versorgen, wie heiße Getränke, Schlafsäcke oder Kleidung, erklärte Michael Ose, Sozialarbeiter beim Suchtzentrum, das den Bus betreibt.

Es geht erstmal darum, Soforthilfe zu leisten. [...] Erst einmal muss eine Vertrauensbasis aufgebaut werden, um dadurch vielleicht eine Vermittlung in die bestehenden Hilfesysteme zu kriegen.

Michael Ose Suchtzentrum Leipzig

So sollen die Sozialarbeiter, die an Bord sind, die Betroffenen zu Hilfen bei Obdachlosigkeit informieren und beraten sowie auf die Übernachtungshäuser und Tagestreffs hinweisen. Der Bus wird Schwerpunktgebiete anfahren und dort feste Standzeiten haben. Auch Aufenthalts- oder Schlafplätze von obdachlosen Menschen im gesamten Stadtgebiet werden auf der Route des Hilfebusses liegen.

Ein Obdachloser schläft vorm Eingang des U-Bahnhofs Moritzplatz in Berlin
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Aktive Hilfe

Der "Hilfebus" soll nicht nur ein Projekt der Stadt und des Suchtzentrums werden, sondern auch die Bürger Leipzigs aktiv einbeziehen. Hinweise, auf die der Hilfebus flexibel reagieren kann, können per Mail oder Mobilnummer abgegeben werden. Die Kontaktdaten sind auf der Internetseite der Stadt Leipzig abrufbar.

Wenn Bürger selbst keine Hilfe anbieten können, dann können sie uns zu den Geschäftszeiten anrufen. Wir fahren dann dort vorbei und gucken mal, ob Hilfe, ein Vermittlungsangebote oder einfach mal ein offenes Ohr gebraucht wird.

Michael Ose Suchtzentrum Leipzig

Wer sich selbst für obdachlose Menschen ehrenamtlich engagieren will, kann sich zudem an das Sozialamt der Stadt Leipzig wenden.

Bereits im vergangenen Jahr hat die Stadt ihre Strategie zur Wohnungsnotfallhilfe bis 2022 überarbeitet. Für dieses Jahr stellt sie mehr als eine halbe Million Euro bereit, um ihre Angebote zu verbessern. Derzeit gibt Leipzig rund sechs Millionen Euro für ein Gesamtpaket aus Notunterkünften, Wohnprojekten, Gewährleistungswohnungen sowie notwendiges Personal aus. Für 2020 sind im Etatentwurf schon 7,2 Millionen Euro vorgesehen.

Quelle: MDR/bb

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 15.02.2019 | 16:30 Uhr im Regionalreport aus dem Studio Leipzig

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Zuletzt aktualisiert: 18. Februar 2019, 13:41 Uhr

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4 Kommentare

18.02.2019 15:39 Fragender Rentner 4

Wenn der Staat nicht mal weiß oder wissen will wieviele Obdachlose es in Deutschland gibt, da glaube ich nicht so recht an irgendwelche Versprechungen von ihm !!!

18.02.2019 09:29 Peter W. 3

@2: Obdachlose gab es auch schon mehr als genug vor der Flüchtlingskrise. Merken Sie was?

18.02.2019 09:06 sachse 2

Muss es denn erst soweit kommen? Unsere angehenden Fachkräfte aus anderen Ländern fühlen sich wohl (oder auch nicht wenn sie sich nicht benehmen können) und die eigenen Bürger finden kein Obdach! Schade und kein gutes Aushängeschild für Deutschland!!!!

18.02.2019 09:05 S. 1

Zu dieser Thematik sollte man nicht vergessen zu erwähnen, das die Mieten in Leipzig für Normalverdiener bzw. Arbeitslose und Arme Bürger kaum noch zu finanzieren sind. Die Zahl der Obdachlosen wird wohl zukünftig weiter steigen. Was nützt es so einen Kältebus zu betreiben, wenn man nicht die Ursachen bekämpft. Ich sehe den Kältehaus kritisch, weil dadurch die Bequemlichkeit der Obdachlosen gefördert wird. (Das heißt : Obdachlose kümmern sich nicht mehr , Leben selbst in die Hand zu nehmen. Das Essen und Kleidung wird praktisch geliefert. So entsteht ein Teufelskreis , in der die Obdachlosen sich noch mehr abhängig machen - siehe erlernte Hilfslosigkeit.) Besser wäre: denen erst eine Wohnung oder Zimmer geben und dann Hilfe bedarfsgerecht ermitteln.

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