Christopher Street Day Workshop in Leipzig thematisiert Homosexualität und Schule

Auch an Schulen ist die Diskriminierung von Homo- und Transsexuellen kein unbekanntes Thema. Die Folgen für die betroffenen Schüler sind nicht zu unterschätzen. Ein CSD-Workshop hat sich mit der Thematik beschäftigt.

Demonstranten führen während des «Homolulu»-Protestmarsches ein Spruchband mit sich, auf dem «Schwule Lehrer und Schüler fordern: Homosexualität: Kein Tabu in der Schule» zu lesen ist.
Schon 1979 forderten Aktivisten, dass Homosexualität kein Tabu in der Schule sein soll. Bildrechte: dpa

"Schwul ist eines der beliebtesten Schimpfwörter auf deutschen Schulhöfen, um andere abzuwerten – unabhängig von ihrer tatsächlichen sexuellen Orientierung", beginnt der Ankündigungstext eines Workshops zum Auftakt der CSD-Woche in Leipzig. Viele Jugendliche warten mit ihrem Coming-out bis die Schulzeit vorbei ist, heißt es weiter. Lehrkräfte seien zudem häufig überfordert im Umgang mit homophoben Beleidigungen oder denken, das gehöre unter Jugendlichen dazu. Klemens Ketelhut von der Heidelberg School of Education hat sich lange mit diesem Thema beschäftigt und den Workshop geleitete.

Andere Weltsichten zulassen

Der Pädagoge erklärt im Gespräch mit MDR SACHSEN, dass Schule ein Ort ist, der die Gesellschaft im Kleinen widerspiegelt. "Dort finden auch alle Abwertungen statt, die uns im Alltag begegnen", so Ketelhut. Schule müsse aus diesem Grund dafür sorgen, dass alle Kinder "sicher, gut und frei lernen können. Das geht aber nur, wenn alle mit ihren Lebensformen anerkannt werden", betont er. Zudem müsse es ein Verständnis davon geben, dass Schüler nicht die gleichen Chancen haben, wenn sie aufgrund ihrer sexuellen Orientierung beleidigt werden. Junge Menschen sollen verstehen lernen, wie sie die Welt sehen und auch anerkennen, dass es andere Weltsichten gibt.

Liebesgeschichten von zwei Mädchen

Aber wie soll Homo- und Transsexualität in der Schule thematisiert werden? Für Ketelhut sind beides Lebenswirklichkeiten und können in allen Fächern Gegenstand der Lehre sein. "In Deutsch können Liebesgeschichten von zwei Mädchen gelesen werden. Das Thema gehört in die sozialwissenschaftlichen Fächer, in den Biologieunterricht, in die Politik, in die Ethikstunden." Denn in einer Gesellschaft, die romantisches und erotisches Begehren nur dann für normal hält, wenn es sich auf das Gegengeschlecht richtet, hätten es Homosexuelle schwer, meint der Wissenschaftler. Die psychischen Folgen für junge Menschen, die sich nicht trauen, mit ihren Regungen an die Öffentlichkeit zu gehen, seien nicht zu unterschätzen. Auch aus diesem Grund müsse an den Schulen viel mehr Aufklärungsarbeit geleistet werden.

Um diesem Auftrag gerecht werden zu können, fordert Ketelhut Veränderungen in der Lehrerausbildung. "Wir müssen die Lehramtsstudenten an den Hochschulen in die Lage versetzten, Diskriminierung zu erkennen und zu vermeiden", erklärt er. Nur so könne Schule zu einem Ort werden, der für alle Kinder gleich gut zugänglich ist.

Quelle: MDR/mar

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL | 14.07.2018 | 19:00 Uhr

AKTUELLES AUS SACHSEN

Zuletzt aktualisiert: 16. Juli 2018, 15:57 Uhr

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11 Kommentare

15.07.2018 21:38 Kieler 11

@ThüringerIn
Ihre Fragen sind doch leicht zu beantworten. Jede Stadt hat ihren CSD und ihre Prideweek mit Veranstaltungen für alle Menschen, die Interesse haben und eine tolerante Gesellschaft wünschen. Ausführlich und wohlwollend wird darüber berichtet, weil sich viele Menschen dafür interessieren. Schon mal nach den jährlich steigenden Teilnehmerzahlen der CSDs gegoogelt? Die Kommentare hier spiegeln nicht die Gesellschaft wieder! Es gehen viele Heteros und Familien zum Mitfeiern dahin. Die LGBTMenschen haben Freunde und Familien, die sie bedingungslos unterstützen. Und warum sollen sich Journalisten kritisch mit tausenden friedlich und fröhlich miteinander demonstrierenden und feiernden Menschen auseinandersetzen? Was soll es denn daran zu kritisieren geben? Gehen Sie mal hin, feiern Sie mit den Menschen. Sie werden feststellen, dass jeder willkommen ist. Sie wären auch willkommen. Und könnten Ihre brennenden Fragen loswerden. Und das schreibt ein Hetero.

15.07.2018 20:28 ErebMacar 10

@Maria A.:
Ich bin zweifelsohne das, was in gewissen Kreisen als Gutmensch verschrien wird, aber ich versichere Ihnen, dass ich mir das Geschriebene nicht ausgedacht habe. Meine Schulbildung habe ich übrigens in Sachsen-Anhalt, gut eine Auto-Stunde von Leipzig entfernt genossen.
Mich irritiert allerdings ein wenig, dass Sie sich offenbar hauptsächlich an "Jude" als Schimpfwort zu stören scheinen, "schwul" (und dessen Derivate, wie bspw. "Homo") hingegen in Ihrem Kommentar kaum zu beanstanden scheinen.

@Horst1:
Während des CSD feiert sich die LGBTQ-Gemeinde auch zu einem großen Teil selbst, wozu natürlich auch eine etwas aggressivere Zurschaustellung gehört, als das privat der Fall ist. Die Schwarze Szene putzt sich zum WGT ja auch heraus und läuft nicht in ihren Alltagsklamotten herum. ;)

15.07.2018 19:07 Maria A. 9

Noch was: Wer ist Ketelhut, muss man den kennen?
Es tauchen heutzutage in den Medien "Experten" auf, die mich irgendwie sofort an solche Dinge erinnern, die, einem Spruch nach, "die Welt nicht braucht"...

15.07.2018 13:52 Maria A. 8

Wenn das stimmen sollte, also nicht einer der typischen "Gutmenschen"-Kommentare ist, ErebMacar, dann bin ich sehr unangenehm überrascht, und falls sogar in Sachsen passiert, direkt baff! Jude als Schimpfwort entzieht sich völlig meiner Kenntnis, davon habe ich, wie ich mich vergewisserte, auch meine Bekannten und Freunde, noch nie was gehört! Aber wir sind in der DDR erzogen wurden, da ging man mit bestimmten Begriffen und Anschuldigungen sowieso vorsichtiger um. Im Nachhinein betrachtet gab es den positiven Nebeneffekt - Verballhornung wurde auch vermieden... Da wurden "rechtsnational", "faschistisch", "Nazi", ja auch "Antifaschist", nicht leichtfertig gebraucht, schon gar nicht, wie heutzutage, leider alltäglich. Ich wünsche mir ab und an, dass mehr nachgedacht wird, ehe man Mitbürger, deren Ansichten einem nicht oder besonders passen, geradezu leichtsinnig mit einem tendenziellen Zusatz versieht.
Genau das sollte sich vorrangig die Prominenz "auf ihre Fahnen schreiben".

15.07.2018 10:55 Bernd L. 7

Jeder Mensch sollte sexuell nach seiern Fason leben- das geht keinen etwas an. die besondere Betonung und Zurschaustellung homosexueller Lebesnformen finde ich aufdringlich. Wie oft wollte ihr noch über den EINEN Angriff auf das Transmädel berichten? Über Übergriffe auf und Vergewaltigungen von deutsche Frauen und Mädchen berichtet ihr doch kaum oder gar nicht. Hier ist etwas aus dem Ruder gelaufen.

15.07.2018 08:13 ThüringerIn 6

Bei diesem Thema wurden meine Kommentare oftmals erst nach einer Beschwerde freigeschaltet. Mal sehen, wie es diesmal läuft, zumal mein Kommentar (wieder) eher Beobachtungen und Fragen enthält (aber eben unbequeme Fragen):
Der CSDay scheint mittlerweile kein TAG mehr zu sein, es finden mittlerweile Festwochen statt. Und es gibt auch nicht mehr DEN Tag sondern über die Sommermonate wird der CSD an versch. Orten zelebriert. Vorige Woche z.B. erst in Pirna. Warum ist das so? Und warum wird jedesmal ausführlichst und wohlwollend darüber berichtet? Und zwar im Web, im Fernsehen und sicher auch im Radio. Der Link zu diesem Artikel hier ist seit Freitag abend auf der Startseite in quasi "bester Lage". Warum genügt keine nüchterne Erwähnung und "normale" Berichterstattung?
Findet das Thema soviel Interesse oder soll es soviel Interesse finden?
Gibt es auch Journalisten, die sich kritisch mit dem Thema auseinandersetzen?

15.07.2018 05:53 Bb 5

Wie wichtig das Thema an Schulen ist, sieht man am besten wieder in dieser Kommentarspalte. Wie soll ein Jugendlicher lernen, dass sein schwuler Klassenkamerad genau so ein Mensch ist wie er und das Mobbing egal wegen welcher Dinge falsch ist, wenn er aus einem Elternhaus stammt, in dem Sätze wie von Tim und Horst1 fallen? By the Way, wenn alles doch schon so toll gleichberechtigt ist, warum werden Schwule dann immer noch angegriffen und z.b. im Job diskriminiert? Ein bisschen mehr schulische Erziehung hätte wohl schon früher ganz gut getan. Hoffen wir auf die nächste Generation, dann werden sich LGBT Jugendliche hoffentlich auch nicht mehr wegen Mobbing 7x häufiger umbringen als Heterojugendliche.

14.07.2018 20:39 ErebMacar 4

@Phrasenhasser:
Ich kann Ihnen versichern, dass "schwul" (übrigens ebenso wie "Jude") auch zu meiner noch nicht allzu lang zurückliegenden Schulzeit am Gymnasium gängige Schimpfwörter waren. Und wir konnten unsere Ausländer an einer Hand abzählen. An denen hat's also nicht gelegen.

@Horst1:
Wenn Sie den Artikel aufmerksam lesen, wird Ihnen auffallen, dass es ein Workshop war, der von der LGBTQ-Gemeinde im Rahmen einer Themenwoche veranstaltet worden ist. Naheliegenderweise ist das eine Gruppe, der das Thema sehr wichtig ist.

14.07.2018 18:31 Morchelchen 3

Ehrlich, warum kann man denn so einen Tag nicht würdevoller gestalten, als durch einen Klamauk? Halb Nackte, dazu knallbunte Klamotten, solche "Demonstranten" wollen Akzeptanz und Achtung erstreiten? Ich glaube nicht, dass die Mehrheit der Homosexuellen diese Vorgehensweise der Selbstdarsteller gut findet, die an solchen Tagen mehr peinlich als erfreulich die Blicke auf sich lenken. Außerdem - in einem Land, wo sich Minderheiten großer Unterstützung erfreuen, ja sich sogar einer beurkundeten Förderung durch Staat und Gesellschaft sicher ist - da ist doch schon alles erreicht. Vielleicht sollten die Teilnehmer sich aufraffen, dahin zu reisen und sich dort zu versammeln, wo es stark daran hapert.

14.07.2018 18:14 Fakten-Jacky 2

Nur ein kleines Gedankenexperiment:
Würde man bei Komm2 oder auch dem obengenannten Workshop das Thema "Homosexualität" (was man aus aktuellem Anlaß wohl noch um "und Transsexualität" ergänzen muß) durch "Erziehung zum sozialistischen Menschen" (die erfahrenen DDR-Bürger wissen, was ich meine) ersetzen, dann habe ich zumindest ein Deja-vue.
Ja die Schule muß stärkeren Einfluß auf unsere Kinder gewinnen, der schädliche Einfluß von Eltern und Familie muß verringert werden.
Alles schonmal dagewesen, alles schonmal gescheitert.

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