Größtenteils per Hand brechen die Bauarbeiter das Dach ab. Aus statischen Gründen können keine schwereren Geräte ins Obergeschoss gebracht werden.
Bildrechte: MDR/Christopher Gaube

15.05.2019 | 17:56 Uhr Leipziger Hotel Astoria - wie sieht es im Inneren aus?

Mehr als zwei Jahrzehnte stand das berühmte Hotel Astoria in Leipzigs Mitte leer. Seit dem vergangenen Jahr wird es durch eine Berliner Immobilienfirma saniert. Was hat sich bis jetzt getan? MDR SACHSEN hat sich mit dem Bauleiter zu einer Begehung verabredet.

Größtenteils per Hand brechen die Bauarbeiter das Dach ab. Aus statischen Gründen können keine schwereren Geräte ins Obergeschoss gebracht werden.
Bildrechte: MDR/Christopher Gaube

Als das Hotel Astoria im vergangenen Jahr eingerüstet und verhüllt wurde, verschwanden auch die traurigen Bilder von vernagelten Fenstern und jeder Menge Graffitis. In mehr als zwei Jahren soll die einstige Luxusherberge wieder in neuem Glanz erstrahlen. Dafür wurde das Gebäude komplett entkernt. Anschließend wird in den historischen und geschützten Außenmauern sozusagen ein neues Gebäude errichtet.

Entkernungsarbeiten beinahe abgeschlossen

Der Dresdner Bauleiter Rainer Lesch ist für das große Umbauprojekt verantwortlich.
Der Dresdner Bauleiter Rainer Lesch ist für das große Umbauprojekt verantwortlich. Bildrechte: MDR/Christopher Gaube

Mit Helmen auf dem Kopf machen wir uns auf den Weg ins Innere der Baustelle. "Die Etagen sind momentan recht leer, wir sind nämlich fast fertig mit der Entkernung", sagt Lesch, als wir in die einstige und auch künftige Einganshalle treten. Am hinteren Ende fehlen die Wände, geben den Blick auf eine große Baugrube frei. Dort soll ebenerdig einmal ein riesiger Ballsaal entstehen, der für rund 1.000 Gäste ausgelegt ist. Bis Ende des Monats soll der letzte Schutt abtransportiert sein. Insgesamt komme man auf 18 bis 20 Tonnen Beton und Stahl, die aus dem Gebäude geschlagen und entfernt wurden. "Natürlich, nachdem wir wichtige denkmalgeschützte Gebäudeteile wie ein Porzellanrelief im Erdgeschoss oder Aufzugsverblendungen entfernt haben", sagt der Bauleiter. Diese würden selbstverständlich in das neue Astoria wieder eingebaut.

Bildergalerie Auf Baustellenbegehung im Leipziger Hotel Astoria

Das eingezäunte Astoria-Hotel inmitten Leipzigs.
Seit Monaten ist das Astoria Hotel am Willy-Brandt-Platz verhüllt. Im Inneren wird fleißig gearbeitet. Aktuell sind täglich etwa 50 bis 75 Bauarbeiter im Einsatz, um das Haus zu entkernen. Bildrechte: MDR/Christopher Gaube
Das eingezäunte Astoria-Hotel inmitten Leipzigs.
Seit Monaten ist das Astoria Hotel am Willy-Brandt-Platz verhüllt. Im Inneren wird fleißig gearbeitet. Aktuell sind täglich etwa 50 bis 75 Bauarbeiter im Einsatz, um das Haus zu entkernen. Bildrechte: MDR/Christopher Gaube
Orangene und blaue Stoffbahnen verhindern den Blick in die Baustelle.
Orangene und blaue Stoffbahnen verhindern jeden Blick in das Innere der Baustelle. Bildrechte: MDR/Christopher Gaube
Auf einer Bautafel ist zu sehen, wie das Hotel am Ende aussehen soll.
Auf einer großen Bautafel vor der Baustelle kann man sich ein Bild davon machen, wie das Astoria bald aussehen soll. Die Originalfassade soll erhalten bleiben. Bildrechte: MDR/Christopher Gaube
Das Hotel Astoria wird derzeit noch entkernt. Tonnenweise Bauschutt werden aus dem Haus gebracht, bevor es an den eigentlichen Neubau im Inneren gehen kann.
In der einstigen Eingangshalle liegen große Säcke mit Bauschutt. Im Innenhof soll im Erdgeschoss ein großer Ballsaal entstehen. Bildrechte: MDR/Christopher Gaube
Das Hotel wurde auf einem sumpfigen Untergrund errichtet. Noch heute wird das Grundwasser schnell sichtbar.
Das Hotel wurde auf einem sumpfigen Untergrund errichtet. Noch heute wird das Grundwasser schnell sichtbar. Bildrechte: MDR/Christopher Gaube
Aus dem zweiten Untergeschoss des Hotel wird nach wie vor Wasser abgepumpt. Bald soll es zugeschüttet werden.
Aus dem zweiten Untergeschoss des Hotels wird nach wie vor Wasser abgepumpt. Bald soll es zugeschüttet werden. Bildrechte: MDR/Christopher Gaube
Auf der Kellerebene sollen Garderoben, ein Spa und Wirtschaftsräume entstehen.
Auf der Kellerebene sollen Garderoben, ein Spa und Wirtschaftsräume entstehen. Bildrechte: MDR/Christopher Gaube
Die Bagger heben die Grube für das künftige Parkhaus aus. Es wird sich unter dem Ballsaal befinden.
Die Bagger heben die Grube für das künftige Parkhaus aus. Es wird sich unter dem Ballsaal befinden. Bildrechte: MDR/Christopher Gaube
Die Treppe im historischen Treppenhaus muss besonders geschützt werden. Sie unterliegt dem Denkmalschutz und wurde für die Zeit der Bauarbeiten mit Holz abgedeckt.
Die Treppe im historischen Treppenhaus muss besonders geschützt werden. Sie unterliegt dem Denkmalschutz und wurde für die Zeit der Bauarbeiten mit Holz abgedeckt. Bildrechte: MDR/Christopher Gaube
In der zweiten Etage kann man die Spuren der Vergangenheit sehen. Unter der Deckenverkleidung haben die Bauarbeiter deutliche Brandspuren gefunden. Sie stammen von einem Feuer aus dem Zweiten Weltkrieg.
In der zweiten Etage kann man die Spuren der Vergangenheit sehen. Unter der Deckenverkleidung haben die Bauarbeiter deutliche Brandspuren gefunden. Sie stammen von einem Feuer aus dem Zweiten Weltkrieg. Bildrechte: MDR/Christopher Gaube
Eine Baustelle mit Ausblick. Auf dem Dach des neuen Astoria werden Suiten entstehen, von denen man über die Dächer der Innenstadt schauen kann.
Eine Baustelle mit Ausblick. Auf dem Dach des neuen Astoria werden Suiten entstehen, von denen man über die Dächer der Innenstadt schauen kann. Bildrechte: MDR/Christopher Gaube
Weil die Fassade unter Denkmalschutz steht, wird sie komplett erhalten.
Weil die Fassade unter Denkmalschutz steht, wird sie komplett erhalten. Bildrechte: MDR/Christopher Gaube
Nicht alle Überbleibsel des historischen Hotels können erhalten bleiben, wie diese Fahrstuhltüren. Trotzdem werden viele Details nach altem Vorbild nachgebildet.
Nicht alle Überbleibsel des historischen Hotels können erhalten bleiben, wie diese Fahrstuhltüren. Trotzdem werden viele Details nach altem Vorbild nachgebildet. Bildrechte: MDR/Christopher Gaube
Größtenteils per Hand brechen die Bauarbeiter das Dach ab. Aus statischen Gründen können keine schwereren Geräte ins Obergeschoss gebracht werden.
Größtenteils per Hand brechen die Bauarbeiter das Dach ab. Aus statischen Gründen können keine schwereren Geräte ins Obergeschoss gebracht werden. Bildrechte: MDR/Christopher Gaube
In die große Eingangshalle soll ein Café kommen.
In die große Eingangshalle soll ein Café kommen. Bildrechte: MDR/Christopher Gaube
Große Stahlstützen sorgen dafür, dass Teile des Hotels nicht einstürzen. Wenn die Rückwande und Anbauten neu errichtet wurden, können die Träger wieder entfernt werden.
Große Stahlstützen sorgen dafür, dass Teile des Hotels nicht einstürzen. Wenn die Rückwande und Anbauten neu errichtet wurden, können die Träger wieder entfernt werden. Bildrechte: MDR/Christopher Gaube
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Nicht alle Überbleibsel des historischen Hotels können erhalten bleiben, wie diese Fahrstuhltüren. Trotzdem werden viele Details nach altem Vorbild nachgebildet.
Nicht alle Überbleibsel des historischen Hotels können erhalten bleiben, wie diese Fahrstuhltüren. Trotzdem werden viele Details nach altem Vorbild nachgebildet. Bildrechte: MDR/Christopher Gaube

Ein Neubau im Altbau

Auf dem Weg nach oben gehen wir durch ein historisches Treppenhaus, welches ebenfalls erhalten und möglichst historisch saniert werden soll. Dazu wurden die Stufen mit dicken Brettern verkleidet, die Geländer sind mit dickem Stoff umwickelt. Auf den einzelnen Etagen herrscht Leere, die bald wieder mit Zimmern gefüllt werden soll. Rund 250 Einzelzimmer sollen entstehen, früher waren es einmal 300. Spätestens im Juli würden die Rohbauarbeiten beginnen. "Wir bauen dann auf die jetzt freigelegte Tragkonstruktion neu auf. Das ist wie eine Art Neubau im Inneren, während die geschützte Fassade bestehen bleibt", erklärt Lesch.

Die Betonplatten an der Decke im zweiten Stock sind teilweise schwarz gefärbt. Ein Zeugnis der wechselhaften Geschichte des Astoria-Hotels. Es sind Spuren des Zweiten Weltkrieges, in dem das Gebäude teilweise in Flammen stand. Als die Bauarbeiter die alte Deckenverkleidung entfernt haben, sind sie auf die Rußspuren gestoßen.

Eine Baustelle mit Ausblick

Hotel Astoria
Bildrechte: wolff:architekten

Als wir die letzten Stufen zum Dachgeschoss geschafft haben, geben die Lücken im teilweise entfernten Dachstuhl einen tollen Ausblick über die Dächer der Innenstadt frei. Hier oben sollen die größeren Suiten entstehen. "Die Bauarbeiter entfernen das Dach teilweise nur mit dem Vorschlaghammer. Schwerere Maschinen können wir wegen der Statik hier oben nicht einsetzen", erklärt Bauleiter Lesch. Es sei schon ein besonderes Projekt für ihn, vor allem weil es im Herzen Leipzigs steht, aber auch, weil die Abstimmungen mit der Denkmalpflege sehr spannend seien. Schließlich soll sich das Außenbild des Grand Hotels Astoria nicht verändern. Es wird nach Plänen und Dokumentationen wieder so hergestellt, wie es 1915 eröffnet wurde.

Wenn alles gut geht, werden Ende kommenden Jahres erneut die Gläser klingen und es wird das berühmte Band durchgeschnitten. Darauf freut sich Lesch: "Ich bin gespannt wie das Haus wirken wird, wenn man später in die Lobby tritt und man sagt: Das ist das neue Astoria."

Die Geschichte des Hotels Astoria Das Astoria wurde im Dezember 1915, also noch während des Ersten Weltkrieges eröffnet. Der Bau mit mehr als 300 Zimmern galt seinerzeit als modernster und luxuriösester Bau der deutschen Hotellerie. Architekt war William Lossow, der auch den Leipziger Hauptbahnhof nebenan entworfen hat. Lange Zeit galt das Hotel als erste Adresse in Leipzig. Wer Rang und Namen hatte übernachtete hier. Legendär waren auch die Tanztees, die Sonntagnachmittag veranstaltet wurden. Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten wurde der jüdische Besitzer des Astorias enteignet. Das Hotel brannte im Krieg aus und wurde 1952 wieder aufgebaut. Zu DDR-Zeiten erlebte das Astoria noch einmal Glanzzeiten. Es zog SED-Größen, Künstler und Sportler an. Walter Ulbricht, Johannes Heesters und Louis Armstrong zählen zu den berühmtesten Gästen dieser Zeit. 1996 schloss das Hotel Astoria in Leipzig.

Quelle: MDR/cg

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 16.05.2019 | 10:30 Uhr in den Nachrichten aus dem Regionalstudio Leipzig

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