25.06.2019 | 15:23 Uhr Stadtrat Leipzig soll entscheiden: Darf der Hund ins Büro?

Die Stadträte in Leipzig haben auf ihrer Tagesordnung am Mittwoch ein tierisches Thema stehen. Sie sollen entscheiden, ob im Rathaus künftig Bürohunde erlaubt sind. Dafür soll geprüft werden, unter welchen Voraussetzungen Angestellte Hunde mit an den Arbeitsplatz nehmen dürfen. Den Antrag haben die Freibeuter eingebracht. Unterstützt werden sie vom Bundesverband Bürohund e.V., der zur Begründung anführt, Bürohunde seien eine Prophylaxe gegen Burn-out.

Rhodesian Ridgeback
Bildrechte: colourbox

Zehn Jahre lang begleitet Kira, ein Rhodesian Ridgeback, Lars Kaiser täglich ins Büro. Er hat eine Marketingagentur in Leipzig. Projektbezogen beschäftigt er bis zu drei Mitarbeiter. Ridgebacks, die großen, eleganten Hunde seien sehr sensibel, sagt Lars Kaiser. "Wenn es einem Mitarbeiter nicht gut geht, merken die das gleich, kommen und versuchen zu beschwichtigen". Das sei ein riesen Mehrwert.

Der Bürohund als Stresskiller

An diesem Mehrwert setzt auch der Bundesverband Bürohund e.V. an. Ein Bürohund könne als Gesundheitsprophylaxe dienen. So werde beim Streicheln des Hundes im menschlichen Körper das Hormon Oxytocin, auch bekannt als Kuschelhormon, ausgeschüttet und damit die Ausschüttung der Stresshormone Insulin und Cortisol gesenkt. Chronischer Stress werde durch automatisierte und nicht bewusste Handlungsabläufe ausgelöst. Ein Bürohund könne diese unterbrechen. Darüber hinaus sorge ein Bürohund für Bewegung und, ähnlich wie kleine Kinder auch, für Gesprächsstoff und damit für ein besseres Betriebsklima. Mitarbeiter reden wieder miteinander und starren in den Pausen nicht nur auf ihre Smartphones.

Was gegen einen Bürohund spricht

Da gibt es die Mitarbeiter, die schlichtweg Angst vor Hunden haben oder eine Tierhaarallergie. Arbeitsgeber könnten ins Feld führen, das ein Bürohund Betreuung braucht, die Arbeitszeit kostet. Vielleicht gibt es auch empfindliche Nasen, denen ein regennasser Hund stinkt. Und was ist, wenn der Hund während wichtiger Telefonate bellt oder nicht auf seinem Plätzchen bleibt, sondern überall herumschnüffelt? Das lenkt ab und wirft die Konzentration über den Haufen.

Hundeführer und Hund müssen ein gutes Team sein

Hund im Büro
Bildrechte: Bundesverband Bürohund e.V.

Lars Kaiser kann die Argumente gegen einen Hund gut verstehen. Bevor Kunden in sein Büro kommen, klärt er ab, ob ein Hund im Raum sein darf. Natürlich gilt das gleiche für neue Mitarbeiter. Die müssten dann schon hundekonform sein. Ansonsten liege es ganz bei Herrchen oder Frauchen, wie entspannt ein Hund im Büro ist, so Kaiser. Der Vierbeiner müssen außerhalb des Büro gefordert werden, dann fahre er im Büro auf einem festen zugewiesenen Platz runter und lasse sich durch nichts ablenken. Die Rasse spiele dabei keine Rolle, sagt Kaiser.

Der Vorsitzende des Bundesverbandes Bürohund e.V., Markus Beyer, empfiehlt allen Arbeitgebern, die über einen Bürohund nachdenken, klare Regelungen. Diese sollten vor allem auch hundefreie Bereiche festschreiben, aber auch, dass nicht generell Haustiere erlaubt sind, auch wenn Katzen und Kaninchen auch kuschlig sind.

Skeptische Verwaltung

Die Leipziger Stadtverwaltung hat sich unterdessen schon mal einen Standpunkt erarbeitet. Wichtige Punkte darin sind eine Hundehalterhaftpflichtversicherung, ein Attest vom Tierarzt, ein Hundeführerschein oder ein Sachkundenachweis. Außerdem wirft die Verwaltung die Frage auf, wie mit eventuellen Zusatzleistungen für die Reinigungen der Büros umzugehen wäre und wer diese Kosten tragen müsste. Auch die artgerechte Haltung im Büro wird thematisiert, dazu auch die Frage der Unfallversicherung.

Kein Leben ohne Hund

Hund im Büro
Bildrechte: Bundesverband Bürohund e.V.

Lars Kaiser kann eigentlich nicht mehr ohne Hund. Seine Hündin Kira ist vor kurzem verstorben. Sie war zehn Jahre eine treue Begleiterin im Büro, die nun fehle. Aber er hat schon einen n euen Ridgeback im Auge, der bald auch das Büro sein zweites zu Hause nennen soll.
Hund im Büro ist bislang in großen Betrieben und öffentlichen Verwaltungen eher selten. Unkonventioneller gehen dagegen junge Unternehmer, Selbstständige oder Startups mit dem Vierbeiner im Arbeitsalltag um.

Quelle: MDR/gg

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 26.06.2019 | ab 05:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Leipzig

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