Inklusionspreis 2020 Menschen mit Behinderung als Chance für Sachsens Betriebe und Vereine

Inklusion ist ein sperriger Begriff. Und auch das Thema selbst ist für viele sperrig wie der Name. Viele Betriebe scheuen den Versuch, Menschen mit Handicap einzustellen. Eine Behinderung? Die hält uns doch nur auf. Inklusion will das Gegenteil beweisen. Die Bundesagentur für Arbeit und auch das Land Sachsen rücken deshalb Firmen in den Mittelpunkt, die den Schritt wagen und prämiert sie mit dem Inklusionspreis.

Inklusion am Arbeitsplatz
Inklusion am Arbeitsplatz. In Sachsen lebt jeder Zehnte mit einem Schwerbehindertenausweis. Bildrechte: IMAGO

In Leipzig wurde am Mittwoch der sächsische Inklusionspreis verliehen. Leitmotiv war in diesem Jahr "So geht sächsisch inklusiv!". Gewürdigt wurden Einrichtungen in den Kategorien "Bildung", "Freizeit & Kultur", "Barrierefreiheit & Infrastruktur" und "Verwaltung". Zudem gab es einen Sonderpreis.

Gemeinsam sportlich

Unter den fünf Preisträgern sind drei aus der Region Leipzig. In der Kategorie "Freizeit & Kultur" ging der Preis an den Bouleclub Leipziger Land e.V. in Borna. Laudator Stephan Pöhler sagte zur Begründung, der kleine Verein schaffe es seit Jahren, dass behinderte und nichtbehinderte Sportler zusammenkommen und gemeinsam Boule spielen.

Hingehört

In der Kategorie "Barrierefreiheit & Infrastruktur" geht der Preis an das Leipziger Startup-Unternehmen "HörMal-Audiodeskription" für seine Live-Hörbeschreibungen von Fußballspielen und anderen Sportevents. Außerdem bekommt das Bachmuseum Leipzig einen Sonderpreis für seine vielfältigen inklusiven Angebote. Das Neueste richtet sich an Menschen mit Autismus.

Barrierefreie Verwaltung

Auch die Stadtverwaltung Schwarzenberg kann sich über eine Auszeichnung freuen. Im mehrfach umgebauten Rathaus war im Jahr 2019 ein barrierefreier Bürgerservice im Erdgeschoss eingerichtet worden. Ausgestattet wurde er unter anderem mit einem taktilen Leitsystem vom Parkplatz bis in den Innenbereich des Rathauses sowie mit breiten Gängen und Wegen.

Erlebnisräume im Dunkeln

Die Beratungsstelle für blinde und sehbehinderte Menschen hat eine Ausstellung komplett im Dunkeln konzipiert und umgesetzt. Sehbehinderte und sehende Menschen können so gemeinsam Themen wie Natur, Straße und Wohnen erfahren. Der Perspektivwechsel soll Berührungsängste und Vorurteile abbauen helfen.

Jeder Zehnte Sachse ist schwerbehindert

In Sachsen hatte jeder zehnte Einwohner im vergangenen Jahr einen Schwerbehindertenausweis. Das sind nach Angaben des Statistischen Landesamtes in Kamenz 420.115 Menschen. Betroffen sind meist Ältere. Bei den über 65-jährigen ist es fast ein Viertel.
Handicaps haben aber auch Jüngere. So hatten im vergangenen Jahr 7.950 Kinder unter 15 Jahren und 8.074 der 15- bis 25-Jdährigen einen Schwerbehindertenausweis. Gerade Letztere sind eigentlich in einem Alter, in dem Berufsorientierung und Lehre beginnen.

Bundesweit auf Erfolgsspur

Um Betriebe zu animieren, auch auf Menschen mit Einschränkungen zu setzen, gibt es seit sieben Jahren den Inklusionspreis für die Wirtschaft unter der Schirmherrschaft von Bundesministeriums. Prämiert werden vorbildliche Beispiele zur Beschäftigung von Menschen mit Behinderung. Vergeben wird er von der Bundesagentur für Arbeit, der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände, der Charta der Vielfalt und dem UnternehmensForum. Einer der vier Preise ging an die Zahntechnik Leipzig.

Quelle: MDR/gg

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 02.12.2020 | 16:30 Uhr im Regionalreport aus dem Studio Leipzig und 03.12.2020 | 06:20 Uhr in Guten Morgen Sachsen

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