Der Floßgraben in Leipzig.
Bildrechte: MDR/Kathrin Große

Auwald-Symposium "Leipziger Auwald in Gefahr"

Er ist Kleinod: der Leipziger Auwald. Doch das schützenswerte Ökosystem ist laut des Sächsischen Aueninstituts für Mitteldeutschland in Gefahr. Seit Mittwoch wird nun drei Tage lang über Renaturierung, Natur- und Artenschutz der einzigartigen Habitate in Leipzig diskutiert.

Der Floßgraben in Leipzig.
Bildrechte: MDR/Kathrin Große

Akut bedroht, so sehen Experten den Zustand des Leipziger Auwaldes an. Der Leiter des Sächsischen Aueninstituts für Mitteldeutschland, Bernd Gerken, sagte bei MDR SACHSEN, die Hauptschuld am schlechten Zustand des Auwalds trage die Stadt Leipzig. Der Auwald sei zu trocken und in dem sensiblen Ökosystem würden zu viele Bäume gefällt. Bis Freitag werden sich nun Experten aus Europa auf dem zweiten internationalen Auwaldsymposium in Leipzig austauschen. MDR SACHSEN hat im Vorfeld mit Bernd Gerken über den Leipziger Auwald gesprochen.

Professor Gerken, auf einer Skala von eins bis zehn, wie gefährdet ist der Leipziger Auwald?

Gerken: Bezüglich des Wasserhaushaltes zehn, bezüglich der forstlichen Eingriffsmaßnahmen, wenn ich das neue Maßnahmenblatt laut Forstplanung sehe, neun bis zehn. Allein in dem Auwald-Gebiet "Nonne" sollen über 2.000 Festmeter in diesem Winter geschlagen werden. Das ist meines Erachtens sehr ungeschickt. Der Auwald ist ein FFH-Gebiet. FFH-Gebiet ist EU-Gesetz. Das EU-Gesetz sagt: 'Ihr müsst ein Monitoring machen, ihr müsst nachweisen, dass der Einschlag von alten Bäume kein Problem für den Schutzgegenstand darstellt.' Und es gibt ein Verschlechterungsverbot. Doch durch die Maßnahmen der letzten Jahre wird der Wert des Waldes extrem gemindert.

FFH-Gebiet FFH-Gebiete sind spezielle europäische Schutzgebiete in Natur- und Landschaftsschutz, die nach der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie ausgewiesen wurden. Sie dienen dem Schutz von Pflanzen (Flora), Tieren (Fauna) und Lebensraumtypen (Habitaten), die in mehreren Anhängen zur FFH-Richtlinie aufgelistet sind.

Bei der Bewässerung des Waldes hat Leipzig doch Maßnahmen getroffen, wie etwa mit dem Projekt "Lebendige Luppe". Reicht das nicht?

Nein. Dort ist zu erkennen, dass das nicht auentypisch abläuft. Das heißt, in diesem Flutungsgebiet bleibt das Wasser zu lange stehen und das quittieren einige Bäume mit dem Absterben. Das Projekt "Lebendige Luppe" hat ein gewisses Problem. Im Grunde entsteht damit gegebenenfalls nur ein lebendiger Bach. Aber die Geschiebedynamik, die typisch für einen Fluss ist, also dass er seine Ufer bewegt und vor allem, dass der Fluss über die Ufer tritt und damit den Auwald nachhaltig bewässert, dass wird unter den jetztigen Bedingungen extrem selten und für den Wald unzureichend geschehen.

Hinweisschilder an einer Brücke über den Leipziger Floßgraben.
Um den Eisvogel zu schützen, der unter anderem am Floßgraben im Auwald brütet, sind die Zeiten, in denen der Graben mit Booten befahren werden darf, streng reglementiert. Bildrechte: MDR/Kathrin Große

Warum ist der Auwald eigentlich so wichtig?

Wenn Sie auf die Klimakarte von Deutschland schauen, dann können Sie feststellen, dass ausgerechnet bei Leipzig ein klimagünstiger Bereich erkennbar ist. Die Ursache für die Klimagunst ist tatsächliche der Leipziger Auwald, der sich in dieser Größe in einer bundesweiten Karte abzeichnet. Jeder Bürger kann das testen. Sie fahren einfach vom Clara-Zetkin-Park durch den Wald und kommen auf der anderen Seite wieder in die Stadt. Und da merken Sie, sowie Sie durch den Wald fahren, geht es Ihnen besser. Und dann gehen Sie zurück auf den Rathausplatz. Und Sie denken, wie heiß ist es denn hier? Das heißt, in der Stadt fehlen die Bäume. In unserer Zeit, in der Zeit der Klimaentwicklung, sind wir wirklich angehalten, soviel wie möglich zusammenhängende Waldgebiete zu erhalten. Das machen die Österreicher mit ihren Donauauen auch. Für unseren Auwald müssten wir erreichen, dass der Altholzbestand erhalten und gefördert wird. Wir brauchen keine weiteren Femellöcher und Schirmschlag, wie es die Forstwirtschaft für Leipzig gerade in ihrem neuen Forstwirtschaftsplan vorlegt. Den lehnen wir strikt ab.

Femel- und Schirmschlag Femelschlag ist eine forstwirtschaftliche Betriebsform (Betriebsart) von Hochwaldbeständen, bei der die natürliche Verjüngung von Mischbeständen gefördert wird. Der ungleichmäßige Aushieb von Bäumen in gruppen- und horstweiser Form (Femelschlag) ermöglicht eine optimale Verjüngung der Schattenbaumarten (z.B. Tanne, Buche).

Als Schirmschlag, oder Schirmhieb, wird in der Forstwirtschaft eine Art der Holzernte bezeichnet, bei der das Kronendach eines Bestandes durch Entnahme einzelner Bäume aufgelichtet wird.

Quelle: MDR/bb

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 12.09.2018 | 14:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Leipzig

AKTUELLES AUS SACHSEN

Zuletzt aktualisiert: 12. September 2018, 17:09 Uhr

Mehr aus Sachsen