Gipfelbesteigung
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08.08.2019 | 16:48 Uhr Bergsteigerquartett feiert 30 Jahre Erstbesteigung Pik Leipzig

Am 9. August 1989 kletterten vier Leipziger auf einen 5.725 Meter hohen Berg im westlichen Transalaigebirge des Pamir. Sein Gipfel liegt direkt auf der Grenze zwischen Kirgisistan und Tadschikistan, was damals zur Sowjetunion gehörte. Neben Ralf Brummer zählten noch Siegfried Wittig, Erhard Klingner und Wolfgang Hempel zum Bergsteigerquartett. Da es sich um eine Erstbesteigung handelte, benannten die vier den noch namenlosen Berg nach ihrer Heimatstadt: Pik Leipzig. MDR SACHSEN hat mit einem der Alpinisten gesprochen.

Gipfelbesteigung
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MDR SACHSEN: Herr Brummer, erinnern Sie sich noch, wie das war, als Sie endlich oben standen?

Ralf Brummer: Es war einerseits abenteuerlich, weil wir in einer Region waren, ganz allein ohne fremde Menschen. Das war schon Abenteuer und spannend. Andererseits war es eine große Freude und Entlastung, das wir es geschafft zu haben. Wir hatten ein Versprechen gegeben und sowas will man ja gerne einlösen.

Ralf Brummer heute
Ralf Brummer heute 30 Jahre nach der Erstbesteigung des Pik Leipzig. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Wem haben Sie das Versprechen gegeben?

Einerseits der Stadt Leipzig, die uns die Bergfahrt ermöglichte und natürlich den Freunden und Familien zu Hause, die mit uns mitgefiebert haben.

Was ist das für ein Berg und wie sind Sie auf ihn gekommen?

Der Berg steht in der Peter-I.-Kette [ein Gebirgszug im nordwestlichen Pamir in Tadschikistan, Anmerk.der Red.] im Pamir-Gebirge, etwa 50 Kilometer westlich des bekannten "Pik Lenin", der unter Alpinisten nicht ganz unbekannt ist. Wir hatten kein Kartenmaterial, wo wir sagen konnten, dieser oder jener Berg ist ein unbestiegener Berg, dort können wir hin. Von sowjetischer Seite wurde uns dieser Berg als unbestiegener Gipfel empfohlen.

Das war ja noch zu DDR-Zeiten. Damals war es ja nicht ganz einfach, zu den Freunden zu reisen und einfach auf irgendwelchen Bergen rumzukraxeln. Sie haben es dann trotzdem geschafft, wie denn eigentlich?

Wir haben es geschafft, weil ich zwei Jahre vorher den damaligen Oberbürgermeister der Stadt Leipzig [Bernd Seidel 1986-1989, Anmerk.der Red.], angeschrieben habe und ihm versucht die Idee zu vermitteln, diese Möglichkeit wahrzunehmen, der Stadt Leipzig einen Berg zu geben. Da es ein hoher Berg sein sollte, haben sich die sowjetischen Hochgebirge angeboten. Und vollkommen überraschend wurde uns dann fast eineinhalb Jahre später erlaubt, eine Expedition zu starten.

Heute wäre das ja ein Riesending - alle Medien würden darüber berichten. Wie war das damals? Da kam ja kurz nach der Erstbesteigung die Wende, ist da die Expedition in der Öffentlichkeit untergegangen?

Bei der Vorbereitung und während der Tour waren die Medien schon daran interessiert. Sowohl Rundfunk als auch die Zeitung. Danach gab es noch in Leipzig Lichtbilder-Vorträge. Dann kam die Wende und das Thema ist aus dem Bewusstsein der Öffentlichkeit vollständig verschwunden.

Aber der Berg heißt schon noch Pik Leipzig?

Der Berg heißt "Pik Leipzig". Wir haben uns damals das von der sowjetischen Seite bestätigen lassen, sowohl auf einer Urkunde als auch auf einer Kartenskizze, in der wir das eingezeichnet haben.

Waren Sie seitdem mal wieder dort?

Wanderschuhe
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Ja ich war im Jahr 2012 nochmal am "Pik Leipzig" und dann nochmal 2014. Beides Mal nicht oben, sondern am Berg. Unsere Expedition 2012 hat überhaupt nicht funktioniert. Wir sind einfach im Tiefschnee dort steckengeblieben und konnten den Gipfel nicht erreichen. Und 2014 waren nur meine Mitbergsteiger auf dem Gipfel, aber ich leider nicht.

Bedauern Sie das?

Man bedauert das schon, man fährt ja dorthin, um auf den Gipfel zu kommen. Aber es gibt eben auch Umstände, wo es dann nicht funktioniert.

Wenn man derzeit Bilder vom Mount Everest sieht, scheint Bergsteigen ja zum Massentourismus zu werden. Wie sehen Sie das? Oder liegt es eben daran, dass es bestimmte berühmte Berge gibt und im Pamir könnte man wahrscheinlich immer noch auf unberührte Berge steigen?

Ich war natürlich nach der Wende auch in anderen Gebirge unterwegs. Wie zum Beispiel der Everest-Region, ohne aber den Plan zu haben, auf den Mount Everest zu steigen. Ich war nur in der Region und habe das erlebt. Ich verfolge das immer weiter, diesen Massentourismus, der dort stattfindet. Für mich ist die Entscheidung gefallen, dass ich in solche Regionen auch zukünftig nicht mehr fahren werde. Für mich hat das mit Bergsteigen, wie ich es verstehe, nichts mehr zu tun.

Was waren denn so die letzten Berge, die Sie bezwungen haben?

Ich gehe in der Sächsischen Schweiz mit Freunden klettern, das steht jetzt an. Und ich habe verschiedene Bergfahrten gemacht, ohne jetzt unbedingt große namhafte Gipfel zu erklimmen. Für nächstes Jahr habe ich auch eine Bergfahrt nach Nepal in der Planung. Und vielleicht, wenn es sich noch ergibt, fahren wir zum Pik Leipzig.

Am Freitag ist das 30-jährige Jubiläum. Wie werden Sie feiern?

Ich habe die Erstbergsteiger von 1989 eingeladen. Wir werden gemeinsam frühstücken, in Erinnerungen schwelgen und Bilder anschauen. Auch einige Audio-Aufnahmen uns anhören, die wir noch gefunden haben. Und danach wollen wir gemeinsam in einen Steinbruch in der Nähe von Wurzen zum Klettern gehen. Und so Gott will, auch dort übernachten.

Vielen Dank Herr Brummer für das Gespräch.

Quelle: MDR/bb

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL | 08.08.2019 | 19:00 Uhr

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