Tagebuch Blutspender Uniklinik Leipzig
Bildrechte: MDR/Barbara Brähler

85 Jahre Blutspendezentrum der Uniklinik Kuriose Erinnerungen eines Blutspenders aus Leipzig

Das Institut für Transfusionsmedizin gibt es in Leipzig seit 1933. Im Jubiläumsjahr veröffentlicht das Institut ein besonderes Blutspende-Tagebuch. Es gibt Einblicke in eine längst vergangene Zeit.

Tagebuch Blutspender Uniklinik Leipzig
Bildrechte: MDR/Barbara Brähler

Am 8. Dezember 1933 erging erstmals ein Aufruf in der Leipziger Tageszeitung zur organisierten Blutspende. Zum 85. Jubiläum hat das Institut für Transfusionsmedizin der Uniklinik das "Tagebuch eines Idealisten" vorgestellt. "Hierbei handelt es sich um in Sütterlin geschriebene Aufzeichnungen eines Blutspenders aus den Jahren 1933 bis 1963", erklärt Herausgeberin Elvira Edel vom Institut.

Kuriose Erinnerungen eines Spenders

Bei dem Spender handelt es sich um den 1901 in Leipzig geborenen Bäcker Karl Klaus. Dessen Witwe hatte das Buch dem Universitätsklinikum Leipzig vermacht. Es gibt wertvolle Einblicke in den Blutspende-Alltag einer längst vergangenen Zeit. "1933 wurden die Spender mittels Karten informiert und von der Polizei abgeholt", berichtet Edel. Und weil es noch keine Konservierung des Körpersafts gab, mussten die Bluttransfusionen während der Operation verabreicht werden. Die Spender lagen neben dem Patienten und mussten warten, bis der Eingriff vorüber war. Klaus berichtet in seinen Aufzeichnungen beispielsweise von einer Hirn-Operation, die vier Stunden gedauert haben soll.

Klaus dokumentierte seine Aufenthalte sehr genau. Neben dem Datum, der Uhrzeit und dem Krankenhaus notierte er auch den Arzt, die Diagnose des Patienten und den anschließenden Imbiss. Er sammelte auch Todesanzeigen mit dem Vermerk, dass sein Blut in diesem Fall nicht helfen konnte.

Tagebuch Blutspender Uniklinik Leipzig
Erster Aufruf zur organisierten Blutspende n Leipzig. Bildrechte: Universitätsklinikum Leipzig

Blutspende im Wandel der Zeit

Die Notizen des Idealisten Klaus, der den Menschen mit seinem Blut helfen wollte, geben auch Einblicke in die Veränderungen der Bluttransfusionspraxis, so Edel. "In den 50er-Jahren war es dann möglich, Blut in Flaschen abzugeben, so dass die Spender nicht mehr an den Operationen teilnehmen mussten." Klaus habe das bedauert. Für die Medizin sei diese Neuerung jedoch eine Erleichterung gewesen, ergänzt die Herausgeberin.  "So konnte besser geplant werden."

Frauen und Blutspende Frauen durften vor 1941 kein Blut spenden. Nach damaliger Meinung sei dies dem vermeintlich "schwachen Geschlecht" nicht zumutbar. Im Zweiten Weltkrieg ändere sich diese Meinung infolge des Mangels an männlichen Spendern. Heute halte sich das Geschlechterverhältnis die Wage, erklärte Edel.

"Wir sind glücklich darüber, dass wir das Buch haben", betont Edel. Es seine eine gute Anregung für neue Spender. Aber nicht nur für sie sind die Aufzeichnungen interessant. In den 80er-Jahren dienten die Erinnerungen von Klaus als Stoff für Vorlesungen an der Uni. "In den letzten Wochen haben wir die Erfahrungen von Karl Klaus als Blutspender der ersten Stunde akribisch aufgearbeitet, um sie nun allen Interessierten zugänglich zu machen."

Quelle: MDR/mar

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 11.12.2018 | 16:30 Uhr im Regionalreport aus dem Studio Leipzig

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Zuletzt aktualisiert: 11. Dezember 2018, 17:33 Uhr

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