06.12.2019 | 06:06 Uhr Jüdische Gemeinden: Antisemitismus viel zu lange unterschätzt

Mauer mit Inschrift: Jüdische Gemeinde zu Dresden, darauf ablegte Blumen, davor brennende Kerzen und Grablichter
Nach dem antisemitischen Anschlag in Halle wurde auch in Dresden der Opfer gedacht. Bildrechte: Tino Plunert

Vertreter jüdischer Gemeinden in Mitteldeutschland haben zum entschiedenen Eintreten gegen Antisemitismus aufgerufen. Die Überwindung von Ressentiments, Hass und Vorurteilen könne nur gelingen, wenn alle demokratischen Kräfte zusammenständen. Das sagten die Vorsitzende des Landesverbandes Sachsen der Jüdischen Gemeinden, Nora Goldenbogen, und der Vorsitzende der Jüdischen Landesgemeinde Thüringen, Reinhard Schramm, am Donnerstag in Leipzig. Beide Vertreter äußerten sich bei einer Podiumsdiskussion auf einer Tagung zu Antisemitismus in Deutschland im Zeitgeschichtlichen Forum Leipzig.

Aufklärung über Antisemitismus in Lehrplänen gefordert

Goldenbogen erklärte zunächst in einem Einführungsvortrag, Antisemitismus sei viel zu lange unterschätzt worden - und zwar "in der Gesellschaft und der Politik, der Justiz und der Polizei". Dies gelte insbesondere für judenfeindliche Einstellungen von Rechts, betonte sie. Die jüdische Gemeinschaft habe schon vor dem rechtsextrem und antijüdisch motivierten Anschlag in Halle am 9. Oktober eine Zunahme öffentlich geäußerter Klischees und Ressentiments gegen Juden registriert, sagte Goldenbogen weiter. Jedoch sei es auch nach der Gewalttat "unsere Verpflichtung als jüdische Gemeinden, offen zu bleiben und nicht die Türen zu verschließen".

Zugleich forderte sie eine Verankerung des Themas in den Lehrplänen der Schulen, eine verstärkte Strafverfolgung bei judenfeindlichen Taten sowie ein Zusammenwirken aller gesellschaftlichen Kräfte. Der Beauftragte der sächsischen Landesregierung für das jüdische Leben, Thomas Feist, sprach sich dafür aus, Antisemitismus in jedem Teil der Gesellschaft in den Blick zu nehmen. "Es gibt keinen Bereich, den wir auslassen können, so wie es keinen gesellschaftlichen Bereich gibt, wo Antisemitismus nicht vorkommt", betonte Feist.

Quelle: MDR/lam/epd

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL | 05.12.2019 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 06. Dezember 2019, 05:55 Uhr

60 Kommentare

DER Beobachter vor 16 Wochen

Allerdings kritisiert dieser Kreis nicht nur die PMK, sondern auch eben jene Studie, deren Macher die Repräsentativität ihrer Aussagen selbst bezweifeln. Nach Berlin kommen sämtliche ostdeutschen Länder in der Statistik der Übergriffe auf Juden je 100 000 EW, obwohl es da vergleichsweise viel weniger Muslime gibt...

Simone vor 16 Wochen

Ich empfinde ihre Äußerungen wirklich als peinlich.
Mir ist schon klar, dass sie nicht sagen können "Nazis finde ich Scheiße" und "Rechtsextremisten sind eine Gefahr für unser Land", denn das würde wohl gegen ihre Grundüberzeugungen verstoßen. Wer so tut als hätten die seit Jahrzehnten leider üblichen Schändungen jüdischer Friedhöfe nicht in erster Linie etwas mit deutschen Neonazis und deutschem Antisemitismus zu tun, dem ist nicht zu helfen. Ach ja: Ich kann durchaus die Politik Israels in Bezug auf seine Nachbarn kritisch betrachten, ohne dass ich ein Antisemit bin oder das ich die Gräber von Toten schände.

Sie sollten übrigens nicht immer quantitative Zusammenhänge völlig außer Acht lassen. Ja in den KZs sind auch Juden durch Selbstmord ums Leben gekommen. Das ändert jedoch nichts daran, dass die meisten von den Deutschen industriell ermordet wurden.

Das können sie jetzt gerne auf antisemitische Straftaten übertragen.

Simone vor 16 Wochen

Warum denken sie bei Rechtsextremismus und Antisemitismus denn immer gleich an die AfD denken? Aber ich kann es ihnen nicht verdenken, denn meine Gedanken gehen in die selbe Richtung. Komisch, dass mir bei der bürgerlich konservativen CDU und SPD nie an eine in der Parteistruktur etablierten Antisemitismus denke.

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