10.07.2020 | 14:15 Uhr Weihnachtsmarkt in Leipzig künftig ohne Schafe

Die Krippe mit Maria und Josef sowie Ochse, Esel und Schaf gehört einfach zu Weihnachten. Was im Kleinen schön aussieht, macht auch im Großen mächtig was her. Vor allem, wenn es sich um lebensgroße Krippenfiguren handelt und die Schafe lebendig sind. Bisher gab es zum Leipziger Weihnachtsmarkt jedes Jahr echte Schafe unter dem Baum zu bestaunen. Doch damit wird bald Schluss sein. Spätestens in zwei Jahren soll kein lebendes Schaf in der Leipziger Innenstadt mehr zur Weihnachtszeit blöken.

Ein kleiner Stall auf einem Weihnachtsmarkt in dem Schafe stehen
Die Schafe auf dem Leipziger Weihnachtsmarkt sind bald Geschichte. Spätestens in zwei Jahren wird kein lebendes Tier mehr das Krippenbild bereichern. Bildrechte: Stadt Leipzig/Marktamt

An der Krippe auf dem Leipziger Weihnachtsmarkt soll es spätestens ab 2022 keine lebenden Schafe mehr geben. Das hat der Stadtrat nach langer Debatte mit knapper Mehrheit beschlossen. Der Beschluss wird nicht sofort umgesetzt, denn noch laufen Verträge mit einem Schafhalter aus Geithain.

Erst Online-Petition, dann Abstimmung

Anlass der Debatte im Rat war eine Online-Petition des Leipziger Vereins Pro Lebensglück. Die Unterzeichner sahen das Tierwohl durch den Lärm und die Menschenmassen gefährdet. Doch der Petitionsausschuss empfahl der Ratsversammlung die Petition abzulehnen. Begründet wurde das damit, dass es sich eher um ein ethisches Problem handle, als um Mängel im Zusammenhang mit dem Tierschutz. Die Schafe würden ab Oktober adäquat auf ihren Einsatz auf dem Weihnachtsmarkt vorbereitet und seien sehr robust, hieß es aus der Verwaltung.

Von den Linken und Grünen im Stadtrat gab es zahlreiche Änderungsanträge, die letztlich in der letzten Ratssitzung zur Abstimmung führten - mit einem denkbar knappen Ergebnis: 31 Räte stimmten für und 28 gegen die Verbannung der Schafe.

Der Verein Pro Lebensglück reagierte überglücklich auf die Entscheidung. Man sei sprachlos über den Erfolg, erklärte der Verein auf seiner Facebook-Seite. Vor allem, dass es ab 2022 gar keine lebenden Tiere mehr auf dem Weihnachtsmarkt geben wird.

Herrnhuter Sterne leuchten an einem Stand auf dem Weihnachtsmarkt in Leipzig vor dem Alten Rathaus
Ab 2022 wird es kein Blöken mehr auf dem Leipziger Weihnachtsmarkt geben. Auch andere lebende Tiere dürfen dann nicht mehr öffentlich präsentiert werden. Bildrechte: dpa

Schäfer spricht von "tiefenentspannten" Schafen

Nicht ganz verstehen kann der Verband der sächsischen Schaf- und Ziegenzüchter die jetzige Entscheidung. Die Tiere seien sehr gut untergebracht und hätten auch Rückzugsmöglichkeiten, sagte Verbandssprecherin Regina Walter MDR SACHSEN. Die Schafe würde selbst entscheiden, ob sie sich den Menschen am Gatter nähern oder nicht.
Solange sich Besucher zurückhalten, die Tiere nicht bedrängen, sei der Aufenthalt auf dem Weihnachtsmarkt für die Schafe kein Problem. Wäre das Tierwohl gefährdet gewesen, wäre die Amtstierärztin sofort eingeschritten, so Walter. Selbst der Schäfer, dem die Tiere gehören, erklärte, die Schafe seien "tiefenentspannt".

Problematisch ist es allerdings, wenn Besucher ihre Kinder in das Gatter heben und sich nicht an die Regeln halten.

Regina Walter Sächsischer Schaf- und Ziegenzuchtverband

Mit der Entscheidung wollten die Räte einer möglichen Diskussion über Tierhaltung und über das Präsentieren von Nutztieren in der Öffentlichkeit, aus dem Weg gehen, vermutet Walter.

Andere Städte, gleiche Sitten

Auch andere sächsische Städte halten lebende Tiere auf ihren Weihnachtsmärkten. So sind in Dresden zur Weihnachtsmarktzeit Schafe auf dem Neumarkt zu sehen. Die würden dort tagsüber im Heu liegen und nachts immer zum Schäfer gebracht, teilte die Stadt auf Anfrage von MDR SACHSEN mit. Initiativen, die sich um das Tierwohl sorgen, seien bislang nicht in Erscheinung getreten, hieß es weiter.

In Görlitz wohnen Schafe aus dem Tierpark für zwei Wochen auf dem Weihnachtsmarkt. Tierpfleger kontrollierten die Tiere täglich, erklärte Parksprecherin Isa Plath auf Anfrage von MDR SACHSEN. Da die Schafe Streichelzoo-Tiere sind, seien sie den Menschen gewöhnt. Zudem instruiere der Tierpark die Betreiber der Stände rund um das Gehege, auf die Schafe und deren Wohl zu achten. Bislang hätte es keine Probleme gegeben, so Plath weiter.

Sonst würden wir das mit unseren Tieren auch nicht machen.

Isa Plath Tierpark Görlitz

Zwar gebe es immer mal wieder Besucher des Weihnachtsmarktes, die sich um das Wohl der Wiederkäuer sorgten, gab Plath zu, aber meist könnten die Bedenken in Gesprächen ausgeräumt werden. Initiativen, die versuchen in Görlitz die Schafhaltung zur Weihnachtszeit zu unterbinden, gebe es aber nicht.
Eine Anfrage an die Stadt Chemnitz blieb leider unbeantwortet.

Quelle: MDR/bb

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 09.07.2020 | 06:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Leipzig

Mehr aus Leipzig, dem Leipziger Land und Halle

Videovorschaubild: Straßenumfrage zum Thema nachhaltig einkaufen 2 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Halle ist eine Fairtrade-Stadt. Aber wissen das die Bewohnerinnen und Bewohner überhaupt?

Mo 10.08.2020 14:33Uhr 02:28 min

https://www.mdr.de/sachsen-anhalt/halle/halle/video-435426.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Video

Mehr aus Sachsen

Rettungskräfte laufen über eine wasserüberflutete Straße, auf der ein Auto und ein LKW im Wasser versinken. 1 min
Bildrechte: Extremwetter

Erneute Unwetter bescheren auch Auerswalde bei Chemnitz Überschwemmungen. Über 10 Zentimeter Niederschlag fielen hier in einer Stunde.

Di 11.08.2020 15:05Uhr 00:31 min

https://www.mdr.de/sachsen/chemnitz/video-435750.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Video