Straßenbahn
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

28.11.2019 | 11:04 Uhr Billiger und besser: Klimatram bringt den Nahverkehr in Leipzig in Bewegung

In einer "Klimatram" hat die Organisation Students4Future am Mittwoch veranschaulicht, wie wichtig der ÖPNV für den Klimaschutz ist. Gemeinsam mit den Bürgern wollen die Studenten den Nahverkehr attraktiver gestalten.

Straßenbahn
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Im Rahmen der Klimastreikwoche der Studenten von HTWK und Uni Leipzig drehte am Mittwoch eine Klima-Straßenbahn ihre Runden durch Leipzig. Mit Getränken und Musik luden die Studenten die Bürger ein, mit ihnen ins Gespräch über den Leipziger Personennahverkehr zu kommen. Unterstützt wurde die Aktion von Verdi, den Ökolöwen und den Leipziger Verkehrsbetrieben.

"Die Fahrt ist kostenfrei. Bitte steigen sie alle ein"

Unter dem Motto "Klima schützen heißt ÖPNV schützen" fuhr die XXL-Tram drei Stunden lang von der Angerbrücke zum Augustusplatz über Reudnitz in die Leipziger Südvorstadt bis zum Wilhelm-Leuschner-Platz. Unterwegs wurden die Leipziger mit einer Lautsprecherdurchsage zum Einsteigen motiviert. Drinnen, in der 45 Meter-Bahn, drehte sich alles rund um den Klimaschutz. Es gab eine Kinderspielecke, eine Brausebar und viele Informationen über Mobilität.

Wir wollen die schnöden Hörsäle verlassen und unsere Anliegen für die ganze Stadt öffnen. Wir wollen das, was wir besprechen, direkt erlebbar machen.

Nikolas Students4Future

Linda Maily Pham von der Initiative Students4Future, die die Aktion initiiert hatte, erklärt die Idee: "Wir wollen mehr über den ÖPNV sprechen, denn wir sehen ihn als eine Lösung für das Verkehrsproblem und als bestes, weil nachhaltiges Fortbewegungsmittel. Es muss mehr ÖPNV ausgebaut werden, vor allem ins Umland, damit Leute nicht mehr auf ihre Autos zurückgreifen müssen."

Für uns sind die Bus- und Straßenbahnfahrer Klimaretter.

Linda Maily Pham Students4Future

Günstiger und zuverlässiger

In der Bahn herrschte reger Austausch und Diskussion über den ÖPNV. Immer wieder wurde dabei der Wunsch nach mehr Zuverlässigkeit und niedrigeren Preisen laut. "Wenn ich eine Station mit der Straßenbahn fahren muss und 1,90 Euro dafür zahlen soll, dann wünsche ich mir, dass ich das noch laufen kann", erzählt eine ältere Dame. Ein Leipziger ergänzte: "In den Stoßzeiten ist die Bahn doch immer sehr voll. Ich muss auch immer bis spät in die Nacht arbeiten und da ist es schwierig, mit der Bahn nach Hause zu kommen."

Besonders im Umland ist die Anbindung oft unbefriedigend, meint eine Mutter: "Wir leben auf dem Dorf und sind ans Auto gebunden. Wo drei Mann arbeiten gehen, braucht man drei Autos. Das ärgert uns." Einem älteren Ehepaar machen die Preise zu schaffen: "Wir wohnen beide in Markkleeberg. Wenn wir in die Stadt fahren, zahlen wir 13 Euro. Selbst wenn wir unser Auto in der Tiefgarage parken, kommen wir immer noch günstiger weg." Gerade bei den Weihnachtseinkäufen sei es aber auch oft Bequemlichkeit, gibt ein Mann zu. "Da sind wir mit dem Auto einfach flexibler."

Für uns ist die soziale Frage und die Umweltfrage ganz eindeutig eng miteinander verbunden. Das heißt, wie stehen auf der Seite der Fahrer bei den Leipziger Verkehrsbetrieben.

Nikolas Students4Future

Politik in der Pflicht

Bahnfahren muss attraktiver werden, da sind sich alle einig. Dazu brauchen die Leipziger Verkehrsbetriebe neben Geld vor allem Personal. Zuletzt waren Fahrer für Bus und Bahn Mangelware. Die LVB sieht die Politik in der Pflicht. Auch wenn es um die Finanzierung eines 365-Euro-Jahrestickets geht. Die Grünen-Fraktionsvorsitzende im Stadtrat Katharina Krefft fordert: "Wir brauchen ein Klimaschutz-Investitionsprogramm, um solche Angebote etablieren zu können. Wir brauchen mehr Verbindungen, damit die Abschnitte zwischen den Haltestellen nicht mehr so groß sind. Damit es tatsächlich attraktiv ist, umzusteigen." SPD-Fraktionschef Christopher Zenker gibt zu bedenken: "Wir werden es als Kommune nicht allein finanzieren können. Ohne Bund und Land geht das nicht. Wenn wir mehr Förderung bekommen, können wir sie auch in günstigere Ticketpreise investieren. Erst müssen die Investitionen her und dann schrittweise das günstigere Ticket."

Mann
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Wir wollen niemandem das Autofahren verbieten. Wir wollen es aber ermöglichen, dass niemand darauf angewiesen sein muss. Jeder, der das nicht will, soll ganz bequem in die Straßenbahn oder den Bus einsteigen können. So haben auch diejenigen, die wirklich Auto fahren müssen, mehr Platz im Straßenverkehr und stehen nicht immer im Stau.

Nikolas Students4Future

Derweil drehte die Klimatram ihre Runden durch Leipzig. Die Bürger brachten sich bei Mitmachvorträgen ein oder lernten bei einem Klimaquiz Ungeahntes über den Umweltschutz. Dazu spielten Bands und gegen Abend wurde die Klimatram dann zur Partybahn.

Quelle: MDR/lt

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL | 27.11.2019 | ab 19:00 Uhr

MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 27.11.2019 | 16:30 Uhr im Regionalreport aus dem Studio Leipzig

Zuletzt aktualisiert: 28. November 2019, 13:00 Uhr

5 Kommentare

andreas1058 vor 7 Tagen

Für Menschen, die oft nur wenige Kilometer außerhalb der Großstadt leben, sind alle diese "gut gemeinten" Aktionen ein absolutes Luxusproblem, denn auf dem Land existiert schlicht kein ÖPNV, der die Leute im Minutentakt von "A" nach "B" befördert!
Nur mal angemerkt......für die staatliche Unterstützung der tollen ÖPNV-Angebote in den großen Städten wird selbstverständlich auch das Steuergeld der Steuerzahler des ländlichen Raumes verwendet. Und wenn man dann lesen muss, dass genau dieses Steuergeld für "Kostenlos-Partys" in supermodernen Straßenbahnen verschleudert wird.....Toll !?!?

emlo vor 1 Wochen

Nee, gibt es nicht! Warum ist Stau? Weil sich viel zu viele Leute in ihr Auto setzen. Gäbe es bessere öffentliche Verkehrsangebote, wären mehr Leute nicht mehr auf das Auto angewiesen. Folge: Weniger Stau. Soweit klar?

Jan vor 1 Wochen

Tolle Aktion!
Vuielleicht hilft manchen Autofahrer, der oft im Stau steht, sich bei seinen Stadfahrten für die Öffis zu entscheiden.
Aber mehr als Anbiten kann man es ja nicht :-)

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