09.12.2019 | 13:29 Uhr Wer zahlt bei einer Bombenentschärfung in Sachsen?

Nachdem vorige Woche in Leipzig eine Bombe aufwändig entschärft wurde, ist am Sonntag in Dölzig bei Schkeuditz ein weiterer Blindgänger gefunden worden. Wieder wird evakuiert und abgesperrt. Wer bezahlt den Einsatz eigentlich?

Die entschärfte Fliegerbombe liegt gesichert im Laderaum eines Transporters.
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Wer bezahlt den Einsatz der Kampfmittelbeseitigung?

In Sachsen ist die Kostenübernahme durch die Kampfmittelverordnung geregelt. Das Land übernimmt vollständig die Kosten für den Einsatz des Kampfmittelbeseitigungsdienstes. Grundstückseigentümer müssen bei einem bestätigten Bombenfund den Einsatz nicht bezahlen. "Das ist nicht in allen Bundesländern so klar geregelt", erklärt Wiebke Sperling vom Polizeiveraltungsamt Sachsen dazu.

Die Kosten für die Abwehr von Gefahren durch Kampfmittel trägt der Staatshaushalt, insbesondere für Bergung, Transport und Vernichtung der Kampfmittel und die Suche nach Kampfmitteln bei begründeten Verdachtspunkten. In Sachsen stehen rund sechs Millionen Euro aus Bundes- und Landesmitteln pro Jahr für die fach- und umweltgerechte Vernichtung von Kampfmitteln zur Verfügung, heißt es beim Polizeiverwaltungsamt.

Was ist mit all dem anderen Aufwand für Ehrenamtliche und Einrichtungen?

Die Kommunen müssen dafür aufkommen. Die Stadt Dresden erklärte MDR SACHSEN dazu: "Ja, die Stadt trägt alle Kosten, die sie in diesem Zusammenhang beauftragen muss. Also letztendlich auch die für THW und DRK, etc."

Was mache ich, wenn ich eine Bombe finde?

In der Kampfmittelverordnung steht in Paragraf 3: "Wer Kampfmittel entdeckt oder in Besitz genommen hat, ist verpflichtet, dies unverzüglich der nächstgelegenen Ortspolizeibehörde oder Polizeidienststelle anzuzeigen." Die örtliche Polizei führt dann den Einsatz und fordert Technik und Experten des Kampfmittelbeseitigungsdienstes an.

Wer bezahlt die Schäden, wenn Munition explodiert ist?

Sprengung einer Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg
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  • Wenn Teile von Gebäuden, Dächern oder Fenstern durch eine Druckwelle kaputtgehen, ist die Gebäudeversicherung zuständig.
  • Geht Inventar in Wohnungen durch eine Bombenexplosion kaputt, muss man sich an seine Hausratversicherung wenden.
  • Schäden an Autos übernimmt nach einer Explosion die Teilkaskoversicherung.
  • Verletzen sich Privatpersonen innerhalb oder auch außerhalb der Sperrzone, dann muss man sich an die private Unfallversicherung wenden - vorausgesetzt, man hat eine Police abgeschlossen.
  • Gewerbetreibende haben oft Pech, wenn wegen einer Evakuierung der Betrieb geschlossen werden muss. Manche haben eine Betriebsunterbrechungsversicherung abgeschlossen, die zahlt zwar bei Hochwasser oder Maschinenschäden. Behördlich angewiesene Räumungen sind kein Bestandteil der Verträge.

Wann explodierte zuletzt ein Blindgänger?

Sprengmeister Diethard Posorski neben einer Fliegerbombe
Sprengmeister Diethard Posorski 2012 neben einer amerikanischen Fliegerbombe, die in München in Schwabing kontrolliert gesprengt wurde. Bildrechte: Uwe Lein/dapd

Im Mai 2018 kam es zu einer Teilexplosion einer Fliegerbombe in Dresden.
Schlagzeilen erregte auch eine kontrollierte Detonation 2012 im Münchner Stadtteil Schwabing. Die Schäden bezahlten damals die Versicherungen.
2010 explodierten eine Fliegerbombe in Göttingen.
2006 starb ein Bauarbeiter aus Dresden bei einer Bombenexplosion an der Autobahn 3 bei Aschaffenburg.

Militärische Sprengmittel sind nahezu unbegrenzt lagerfähig und bleiben somit sprengfähig. Häufig sind die Sicherheitvorrichtungen durch den Abwurf oder Abschuss aufgehoben. Dadurch befindet sich die Fundmunition im geschärften Zustand. Jede Lageveränderung, Stoß oder Druck kann eine Explosion auslösen.

Polizeiverwaltungsamt Sachsen Warnung zum Auffinden von Kampfmitteln

Wer sind die Kampfmittelbeseitiger in Sachsen?

Kampfmittelbeseitigungsdienst
Bildrechte: Mike Köhler - KFV Landkreis Leipzig

Im August 2019 feierte der Kampfmittelbeseitigungsdienst seinen 70. Geburtstag. 27 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter waren 2018 insgesamt 792 Mal in Sachsen im Einsatz. Sie haben 206.000 Kilogramm Kampfmittel sichergestellt. 36 Mal mussten Blindgänger an ihren Fundorten gesprengt werden. Zwar werden solche Bombenfunde in der Öffentlichkeit besonders deutlich wahrgenommen, weil solche Funde oft mit umfangreichen Evakuierungen verbunden sind. Laut Innenministerium liegt der Arbeitsschwerpunkt der Kampfmittelbeseitiger in Sachsen jedoch bei der Entschärfung und Entsorgung von Artillerie- und Handwaffenmunition.

Quellen: MDR/kk/Polizei Sachsen, Gesamtverband der Deutschen Versicherer, Polizeiverwaltungsamt Sachsen

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 09.12.2019 | 12:00 Uhr in den Nachrichten

Zuletzt aktualisiert: 09. Dezember 2019, 13:29 Uhr

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