Ausverkauf Karstadt Leipzig
Bildrechte: MDR/Lars Tunçay

Entscheidung am Arbeitsgericht Kündigung einer Karstadt-Mitarbeiterin in Leipzig unwirksam

Für viele Leipziger war es das Shopping-Paradies in der Innenstadt: Das Karstadt-Warenhaus. Doch wegen Mietstreitigkeiten wurde die Filiale geschlossen und den 250 Mitarbeitern gekündigt. Das Arbeitsgericht Leipzig hat nun eine Kündigung als unwirksam erklärt.

Ausverkauf Karstadt Leipzig
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Nach einer ersten Verhandlung über eine der Karstadt-Kündigungen Anfang Februar vor dem Arbeitsgericht Leipzig schien die Richtung klar. Die Richter hielten die Entlassung einer der 250 Karstadt-Mitarbeiter für wirksam, da die Schließung der Filiale bevorstand. Am Freitag dann eine überraschende Wende. Eine andere Kammer des Arbeitsgerichtes erklärte die Entlassung einer weiteren Klägerin für ungültig. In der Begründung hieß es, dass zum Zeitpunkt der Kündigung im August 2018 noch nicht unumgänglich feststand, dass das Haus wirklich schließt.

Es liefen wohl noch Verhandlungen mit dem Vermieter und zumindest Karstadt selbst war bemüht, einen neuen Mietvertrag zu schließen. Und das soll wohl im August noch nicht endgültig gescheitert gewesen sein.

Frank Liedtke Arbeitsgericht Leipzig

Eine Kündigung auf Vorrat, nur wegen der Vermutung, man werde schließen, sei nach Arbeitsrecht unzulässig, so das Gericht. Außerdem monierten die Richter, dass die gesetzlich erforderliche Massenentlassungsanzeige bei der Bundesagentur für Arbeit nicht ordnungsgemäß erfolgt sei.

Verdi: "Mitarbeiter haben das verdient"

Auch wenn die gekündigten Mitarbeiter durch die Entscheidung der achten Kammer des Arbeitsgerichtes ihren Job nicht zurückerhalten können, hat die Gewerkschaft Verdi die Entscheidung der Richter ausdrücklich begrüßt.

Das heißt, dass Karstadt erneut kündigen muss und dass die Kolleginnen und Kollegen ein halbes Jahr länger Geld bekommen. Ich finde, das haben sie verdient und das kann man dem Unternehmen auch zumuten.

Jörg Lauenroth-Mago Verdi

Endgültig ist die Entscheidung des Gerichts aber nicht. Zu erwarten ist, dass das Sächsische Landesarbeitsgericht in zweiter Instanz über die bereits verhandelten Kündigungen bei Karstadt Leipzig entscheiden muss. Am Arbeitsgericht Leipzig sind unterdessen rund 50 weitere Kündigungsschutzklagen anhängig. Sie sollen bis Sommer vor verschiedenen Kammern verhandelt werden.

Karstadt und der Mietvertrag Im April 2018 wurde bekannt, dass der Mietvertrag zwischen Karstadt und dem Eigentümer der Immobilie - Even Capitol - in der Leipziger Innenstadt zum 31. März 2019 gekündigt werden soll. Bis August 2018 versuchte das Unternehmen das Mietverhältnis doch noch zu verlängern, bzw. einen neuen Standort in Leipzig zu finden. Doch daraus wurde nichts. Mit dem Ende des Mietvertrages wurde auch das Arbeitsverhältnis für die 250 Beschäftigten beendet. Viele von ihnen erhielten damals sogenannte Änderungskündigungen. Darin wurde ihnen Arbeitsplätze in München oder Berlin angeboten. Wurde das Angebot nicht angenommen, galt die Kündigung als Beendigungskündigung. Seit dem 8. Februar hat Karstadt Leipzig geschlossen. Die Immobilie soll nun die nächsten zwei Jahre umgebaut werden. Wer und was dann in dem ehemaligen Warenhaus zu finden ist, ist noch nicht bekannt.

Quelle: MDR/bb/sst

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 15.02.2019 | ab 10:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Leipzig

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Zuletzt aktualisiert: 16. Februar 2019, 12:42 Uhr

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