Ein Angeklagter sitzt zwischen seinem Anwalt Stefan Wirth und einer Übersetzerin.
Bildrechte: dpa

BGH hat Urteile teilweise aufgehoben Landgericht Leipzig muss "Stückelmorde" neu verhandeln

Wegen möglicher Rechtsfehler müssen die grausigen "Stückelmorde" teilweise neu verhandelt werden. Im vergangenen Jahr wurde der Täter am Landgericht Leipzig bereits zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt. Warum der Bundesgerichtshof die Fälle zurückverwiesen hat, erklärt MDR SACHSEN.

Ein Angeklagter sitzt zwischen seinem Anwalt Stefan Wirth und einer Übersetzerin.
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Am Landgericht Leipzig wird der Prozess um die so genannten "Stückelmorde" neu verhandelt. Bereits im vergangenen Jahr wurde ein 39-jähriger Mongole dafür zu lebenslanger Haft verurteilt. Der Mörder legte Revision gegen die Urteile ein. In zwei Punkten hat der Bundesgerichtshof dem stattgegeben. So müssen nun von einer anderen Strafkammer einer der Mordfälle und die Störung der Totenruhe in beiden Fällen neu verhandelt werden. Zum Prozessauftakt am Donnerstag schwieg der Angeklagte erneut. Das Gericht hat insgesamt sieben Verhandlungstermine bis zum 20. März angesetzt.

Wofür wurde der Mörder verurteilt? Der Mann hat im April 2016 in seiner Leipziger Wohnung eine 43-jährige Portugiesin mit bloßen Händen erwürgt. Ihre zerstückelte Leiche wurde kurz darauf im Elsterflutbecken gefunden.

Wenige Monate später, im November 2016, hat der Mongole eine 40-jährige Deutsche aus Wut über sexuelle Zurückweisung erwürgt. Ihre Leiche soll er bis Januar 2017 aufbewahrt und zertrennt haben. Anschließend hat er die Leichenteile über den Hausmüll, die Toilette und in einem leerstehenden Haus entsorgt. Dieser Fall wird nun neu verhandelt.

Zwei Punkte des ersten Urteils wurden von den Bundesrichtern aufgehobe. Die Begründung: Das Landgericht habe sich nicht ausreichend vom angeführten Tötungsmotiv überzeugt. Es verurteilte den Mann letztlich wegen Mordes aus niedrigen Beweggründen. So hieß es damals unter anderem, dass sich der Mörder wegen seines sozialen Abstiegs gewaltsam abreagieren und sich "als Herr über Leben und Tod" aufspielen wollte. Darin sah der Bundesgerichtshof keinen besonderen Tötungsbeweggrund, der bei niedrigen Beweggründen allerdings erforderlich ist.

Täter wird hinter Gittern bleiben

Auch die Verurteilung wegen Störung der Totenruhe stellte der BGH infrage. Der Verurteilte hätte die Leichen zwar zerteilt und damit seine Missachtung gegenüber den Toten verdeutlicht. Allerdings hätte der Mann versucht die Morde zu verdecken und die Leichen unbemerkt aus seiner Wohnung zu bringen. Für eine rechtskräftige Verurteilung sei es aber notwendig, dass der Täter seine Verachtung auch nach außen zeigen wollte.

In der Revision muss sich nun eine andere Strafkammer des Leipziger Landgerichtes den Fällen stellen. Es werden dabei nicht noch einmal die genauen Umstände der Tat untersucht, sondern die angezweifelten Urteile auf Rechtsfehler untersucht. Sicher ist allerdings, dass der Täter eine lebenslange Strafe absitzen muss. Die Verurteilung wegen einem der Morde bleibt völlig unberührt.

Quelle: MDR/cg/dpa

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 24.01.2019 | 08:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Leipzig

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Zuletzt aktualisiert: 24. Januar 2019, 19:35 Uhr

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