Rekord-Plattenbau Leipzig feiert 50 Jahre "Lange Lene"

Die "Lange Lene" ist der längste Plattenbau Sachsens - und einer der größten Wohnblocks in ganz Deutschland. Am Wochenende feiert die denkmalgeschützte Platte Jubiläum - und mit ihr viele Mieter der ersten Stunde.

Die Zahlen rund um die "Lange Lene" in Leipzig-Probstheida sind beeindruckend: 335 Meter lang, zehn Stockwerke hoch, fast 800 Wohnungen, Platz für 1.600 Menschen – und das schon seit rund 50 Jahren.

Hausmeister Andreas Hammer pflegt und wartet seit zehn Jahren die längste Platte Sachsens – und ist auch ein bisschen stolz auf die alte Dame: "In der Lene-Voigt-Straße ist die Besonderheit, dass ich wirklich von einem Ende bis zum anderen Ende gehen kann. Man braucht im Schnitt viereinhalb bis fünf Minuten. Wir haben auf der linken Seite Zweiraumwohnungen, auf der rechten Seite im Wechsel Einraum- und Dreiraumwohnungen."

Luxus in den 1960ern

Die Platte gilt als Paradebeispiel sozialistischen Städtebaus, erbaut 1966 vom VEB Kombinat Leipzig. Schon zwei Jahre später war der Bau bezugsfertig und Wohnungen waren heiß begehrt: Bad, Zentralheizung, Kaufhalle vor der Tür - 1968 wie ein Sechser im Lotto. Zu den Glücklichen damals gehörten Helga Schmidt und ihre Familie: "Das war ein Geschenk! Wir hatten Heizung, Parkett, fließend warmes Wasser jederzeit, wir hatten Telefon. Wir waren zwar alle fremd und zusammengewürfelt, aber in kurzer Zeit  sind wir zusammengewachsen."

Die "Lange Lene" in Leipzig

Plattenbau: Lange Lene Leipzig
335 Meter lang und 10 Stockwerke hoch. Die "Lange Lene" in Leipzig ist der größte Plattenbau Ostdeutschlands. Bildrechte: mdr/ Familie Radtke/ALEG e.V.
Plattenbau: Lange Lene Leipzig
335 Meter lang und 10 Stockwerke hoch. Die "Lange Lene" in Leipzig ist der größte Plattenbau Ostdeutschlands. Bildrechte: mdr/ Familie Radtke/ALEG e.V.
Plattenbau: Lange Lene Leipzig
1966 wurde der Grundstein für das gigantische Bauwerk gelegt. In nur zwei Jahren Bauzeit entstanden insgesamt 800 Wohneinheiten, die 1.500 Mietern Platz bieten sollte. Bildrechte: mdr/ Familie Radtke/ALEG e.V.
Plattenbau: Lange Lene Leipzig
Trotz zunehmender Motorisierung - den Bewohnern der "Langen Lene" standen aufgrund der großzügigen Außenanlagen genügend Parkplätze zur Verfügung. Bildrechte: mdr/ Familie Radtke/ALEG e.V.
Plattenbau: Lange Lene Leipzig
Vor allem aus den oberen Stockwerken hatte man einen wunderschönen Blick über die angrenzenden Siedlungen. Bildrechte: mdr/ Familie Radtke/ALEG e.V.
Plattenbau: Lange Lene Leipzig
Einziehen sollten vor allem Familien, für die in der schnell wachsenden Stadt an der Pleiße kaum Wohnraum vorhanden war. Da der Bau in der Lene-Voigt-Straße liegt, bürgerte sich für ihn schnell der Name "Lange Lene" ein. Bildrechte: mdr/ Familie Radtke/ALEG e.V.
Plattenbau: Lange Lene Leipzig
Für die Kinder im Wohnblock gab es einen eigenen Spielplatz. Bildrechte: mdr/ Familie Radtke/ALEG e.V.
Plattenbau: Lange Lene Leipzig
Von Beginn an war die "Lange Lene" ein Versprechen auf Luxus. Die Wohnungen konnten Zentralheizung, ein eigenes Bad und sogar Parkettfußboden bieten. Dazu gab es eigene Waschräume mit Waschmaschinen und Trockenplätzen sowie eine Kaufhalle direkt vor der Haustür. Bildrechte: mdr/ Familie Radtke/ALEG e.V.
Plattenbau: Lange Lene Leipzig
1999 wurde das Gebäude unter Denkmalschutz gestellt. Bis heute gibt es hier kaum Leerstand.
(Über dieses Thema berichtete der MDR auch im TV: Umschau | 26.09.2017 | 20:15 Uhr.)
Bildrechte: mdr/ Familie Radtke/ALEG e.V.
Alle (8) Bilder anzeigen

Eine Gemeinschaft, die geblieben ist und jederzeit auch neue Bewohner liebevoll aufnimmt, erzählt Karin Wolf: "Bevor ich überhaupt hier eingezogen bin, kamen schon der Nachbar gegenüber und der Nachbar von nebenan und haben mich begrüßt. So als würde ich schon immer dazugehören."

Haus und Bewohner altern gemeinsam

Heute leben rund 1.300 Menschen in dem Mega-Bau – der Großteil von ihnen ist schon im Rentenalter. Kein Wunder, denn die Platte bietet so ziemlich alles, was man zum Leben braucht auf relativ kleinem Raum: Heute gibt's in der "Langen Lene" Friseur, Kosmetikstudio, Physiotherapie und einen Verein, der sich um die Senioren kümmert. Denn die meisten sind wie Helga Schmidt mit dem Haus älter geworden: "Ich bin glücklich, dass ich hier wohne. Vor allem: Ich bin nie einsam. Wissen Sie, wenn Sie hier wohnen, brauchen Sie bloß zur Korridortür hinaus zu gehen, irgendjemand kommt immer."

Die "Lange Lene" drohte noch vor einigen Jahren zu vergreisen. Doch mittlerweile zieht es auch immer mehr junge Familien in den Block am Stadtrand. Die Mieten sind für Leipziger Verhältnisse erschwinglich, die Gegend ist ruhig. Und eine Garantie dafür, dass der Wohnblock noch lange bestehen bleibt, gibt es auch: Seit 1999 steht die Platte unter Denkmalschutz. Der Block sei ein "seltenes Dokument sozialistischen Städtebaus", erklärte das Landesamt für Denkmalpflege Sachsen.

Geburtstagsfeier zum 50. Jubiläum

Die "Lange Lene" ist eine Platte, die geliebt wird. Darum wird ihr Jubiläum auch groß gefeiert. Geplant ist laut Leipziger Wohnungs- und Baugesellschaft (LWB) ein großes Fest am Sonnabend. Für Freitag hat die LWB ein Treffen von Mietern der ersten Stunde organisiert.

Quelle: MDR/kp/dpa

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL | 13.09.2018 | 19:00 Uhr

AKTUELLES AUS SACHSEN

Zuletzt aktualisiert: 14. September 2018, 14:04 Uhr

Die Kommentierungsdauer ist abgelaufen. Der Beitrag kann deshalb nicht mehr kommentiert werden.

5 Kommentare

15.09.2018 07:34 Zeitgeist 5

Wer eine Wohnung sucht, sollte hier anfragen. Kein Schimmel, trocken, gesund. Was man von vielen angeblich liebevoll sanierten Gründerzeithäusern in der Stadt nicht sagen kann.

15.09.2018 06:37 Klaus 4

Liebe Redaktion: VEB und Kombinat waren jeweils Firmenbezeichnungen, keine Namen. Das sollte man wissen! Also welches Kombinat hat nun das Haus gebaut?

[Lieber Klaus, vielen Dank für Ihre Frage. Korrekt sollte es natürlich "VEB Baukombinat Leipzig" heißen. Aus dem Kontext heraus gingen wir davon aus, dass es verständlich war. Wir bitten dies zu entschuldigen, falls dies nicht der Fall sein sollte. Herzliche Grüße, Ihre MDR.de-Redaktion]

14.09.2018 17:24 pkeszler 3

Der Plattenbau war mal in der DDR ein Wunschtraum vieler Bewohner. Aber heute sind wir froh, dass wir dem Plattenbau entronnen sind und seit über 20 Jahren eine Eigentumswohnung haben.

14.09.2018 16:39 Fragender Rentner 2

Als wir in der Schumann-Str. in der Kaserne waren, war der Flur glaube ich ca 435 Meter lang und hatte in manchen Etagen auch keine Türen drin.

Also ist der noch länger als von dem Haus.

14.09.2018 14:15 mare nostrum 1

Nein, danke.

Mehr aus Sachsen