07.03.2020 | 10:00 Uhr #Bücherhamstern – Hilfe für Autoren und Kleinverlage nach Absage der Buchmesse

Die Leipziger Buchmesse gilt als eines der wichtigsten Branchentreffen für Autoren und Verlage in Deutschland. Hier kommen Leser mit ihren Lieblingsautoren in Kontakt, entdecken Bücher und versorgen sich mit neuem Lesestoff. Dass die Buchmesse in diesem Jahr nicht stattfindet, ist gerade für Kleinverlage und Autoren abseits der Bestsellerlisten eine kleine Katastrophe. Doch inzwischen hat ein Hashtag die sozialen Netzwerke erobert und sorgt für eine Welle der Hilfsbereitschaft.

Bücherstapel vor einem Bücherregal
Die Absage der Buchmesse in Leipzig ist für viele Kleinverlage und Autoren ein Schlag. Umso mehr freuen sie sich über die Hilfe ihrer Leser. Bildrechte: MDR/Collage/Colourbox.de/dpa

Es ist Mittwochmittag als verkündet wird, dass die diesjährige Buchmesse in Leipzig nicht stattfinden wird. Zu hoch ist das Risiko, dass sich bei der Messe, zu der hunderttausende Menschen aus vielen Ländern zusammenkommen, das neuartige Coronavirus verbreitet. Was viele Besucher schade finden, kann für einige kleine Aussteller eine Katastrophe sein, erklärt Verlegerin Ingrid Festa MDR SACHSEN: "Man hat natürlich einige Kosten im Vorfeld. Das fängt an beim Prospektedrucken, Goodies machen für Fans, natürlich Nachdrucken. Und das hat uns natürlich auch emotional getroffen, weil die Buchmesse hier in Leipzig immer das größte Highlight des Jahres ist. Wir treffen uns dort mit vielen Bloggern und Lesern, die wir seit vielen Jahren begleiten." Ihr Verlag Festa hat seinen Sitz in Borsdorf bei Leipzig.

Auch im rund 350 Kilometer entfernten Salach hat die Absage Spuren hinterlassen, wie Grit Richter vom Art Skript Phantastik Verlag berichtet. Doch nach dem ersten Schock und dem Austausch mit anderen betroffenen Autoren, folgte die gemeinsame Ideensuche: "Wie können wir das in etwas Positives umwandeln? Ich hab dann im Autorennetzwerk geschrieben, wir könnten ja einen Hashtag verwenden, unter dem Verlage und Selfpublisher ihre Bücher vorstellen können, die sie auf der Messe präsentiert hätten." Nach kurzem Überlegen habe eine Autorin den Hashtag "Bücherhamstern" vorgeschlagen. Ein Volltreffer.

#Bücherhamstern Der Hashtag "Bücherhamstern" ist als Reaktion auf die Absage der Leipziger Buchmesse entstanden. Um zumindest den finanziellen Verlust von Kleinverlagen und Autoren so gering wie möglich zu halten, empfehlen Twitter-Nutzer Bücher, die in Kleinverlagen erschienen sind.

Der Begriff nimmt Bezug auf sogenannte Hamsterkäufe, also das übermäßige Kaufen und Horten von beispielsweise Lebensmitteln. Aufgrund des neuartigen Corona-Virus, welches auch für die Absage der Buchmesse verantwortlich ist, hatten sich in den vergangenen Tagen vermehrt Menschen mit Lebensmitteln, Schutzkleidung und Desinfektionsmittel eingedeckt.

"Buchliebhaber sind ganz besondere Menschen"

Seitdem wird fleißig getwittert – von Verlagen, Autoren und Lesern. Diana Menschig vom Phantastik Autoren Netzwerk (PAN e.V.) ist zwei Tage nach dem Aktionsstart noch ganz baff: "Man kann ja solche viralen Bewegungen leider nicht steuern. Dass das wirklich so eingeschlagen hat, damit konnte niemand rechnen." Verlage aus ihrem Netzwerk berichteten von einem extremen Anstieg von Bücherbestellungen. Dass die Auswirkungen enorm sind, berichtet auch Festa aus Sachsen: "Dieses Jahr hatten wir zum ersten Mal einen Sonderdruck und den Autor dazu eingeladen. Wir haben dieses Buch gestern in unserem Webshop angeboten und zum ersten Mal ist unser Webshop komplett eingebrochen. Und innerhalb von anderthalb Stunden, als es wieder lief, war dieses Buch ausverkauft. Wir waren hier gestern wirklich so dankbar."

Die Hilfsbereitschaft von Seiten der Leser wundert die Verlegerin nicht: "Ich glaube, Buchliebhaber sind ganz besondere Menschen. Von so vielen Seiten wurde plötzlich Hilfe angeboten. Es war dann dieser Hashtag überall zu finden. Wir sehen es auch bei Bestellungen, dieser Hashtag wird darunter verwendet. Die Leute kaufen einfach Bücher, die sie sonst bei uns am Stand gekauft hätten." Gerade Bestellungen würden jetzt besonders helfen, um den Verlust irgendwie abzufangen.

Den Gewinn aus der Niederlage herausarbeiten

Dass aus der Absage der Buchmesse doch noch etwas so Positives erwächst, hat am Mittwochmittag niemand geahnt. Autorin Grit Richter meint: "Ich glaube, das ist die große Macht der Phantastik-Verleger, dass sie aus jeder Niederlage einen ganz großen Gewinn herausarbeiten. Ich finde es immer gut, wenn man etwas Positives findet und diese Energie dann da reinsteckt."

Für die drei Frauen steht schon heute fest: Nächstes Jahr zur Buchmesse werden sie wieder dabei sein, Lesungen organisieren, mit Lesern in Kontakt kommen. Und darauf, so sagen sie, freuen sie sich schon jetzt.

Quelle: MDR/kp

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 04.03.2020 | 14:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Leipzig

Zuletzt aktualisiert: 07. März 2020, 10:00 Uhr

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